Die Bibel für den Gemüseanbau

Michael Hartl
Von Michael Hartl
12. Oktober 2011

Einen ganzen Stapel Bücher habe ich mir gemeinsam mit der wundervollen Lisa auf der Suche nach einer Art Bibel für den ökologischen Gemüseanbau angesehen. Die aller wenigsten haben wir durchgelesen und nur eine Hand voll haben es in unser Bücherregal geschafft.

Wir wollten ein Buch, in dem die wichtigsten Gemüsepflanzen detailliert, fachlich einwandfrei und übersichtlich für den kleinstrukturierten, ökologischen Anbau beschrieben werden. Gefunden haben wir eine Art Bibel, die weit mehr als unsere Ansprüche erfüllt.

Handbuch Bio-Gemüse

Mit dem 632 Seiten starken Buch Handbuch Bio-Gemüse – Sortenvielfalt für den eigenen Garten ist Andrea Heistinger im Auftrag der Seed-Saving-Organisation Arche Noah der ganz große Wurf gelungen. Dieses Buch wurde in kürzester Zeit zu unserem meist genutzten Nachschlagewerk.

Über 100 Kulturarten werden nach Familien geordnet beschrieben. Zu jedem Gemüse gibt es Informationen zu folgenden Bereichen:

  • Anbau
  • Temperaturansprüche
  • Düngung
  • Wasserbedarf
  • Pflege
  • Fruchtfolge
  • Mischkultur
  • Pflanzengesundheit
  • Ernte und Lagerung
  • Sortenbeschreibungen
  • Sortenfotos

Wo nötig, wird auch die Jungplanzenanzucht, das Auspflanzen und das Überwintern beschreiben. Abgerundet wird jedes dieser umfassenden Portraits durch schöne Fotos, interessante Hintergründe, weitere Verwendungsmöglichkeiten, dem ein oder anderen Rezept und weiterführender Literatur und Web-Links.

Erfrischend anders

Für mich hebt sich dieses Buch in positiver Weise deutlich von anderen Gartenbücher ab. Ganz besonders, weil hier nicht wie so häufig üblich eine Person als Expert*in für alle Pflanzen und Themen auftritt. Andrea Heistinger hat natürlich ihre eigenen Erfahrungen und ihr Wissen einfließen lassen, gleichzeitig wurde sie aber auch von weiteren Expert*innen unterstützt. Und zahlreiche Arche Noah Sortenerhalter*innen und Bäuer*innen kommen ebenso zu Wort.

So wird das Buch zum höchst fundierten Schmelztiegel althergebrachten Wissens, modernster Erkenntnisse und der umfassenden Erfahrung professioneller Bio-Gärtner*innen.

Fazit

Das wichtigste Nachschlagewerk für den biologischen Gemüseanbau. Auch für erfahrene Gärtner*innen.

Dank der Einleitung, in dem die Grundlagen des ökologischen gärtnerns, wie Boden, Samen, Fruchtfolge oder Nährstoffe sehr gut und einfach erklärt werden, ist das Buch auch absoluten Anfänger*innen ans Herz zu legen. Ich denke, auf Grund der Art, wie ich über das Handbuch Bio-Gemüse geschrieben habe, wird schon klar, dass ich es uneingeschränkt empfehle.

Update 21. Oktober 2011: Einziger Wermutstropfen ist die an mehreren Stellen empfohlene Düngung mit Mist oder anderen tierischen Stoffen. Dies ist leider das blinde Auge vieler Menschen im Bio-Bereich. Auch in dem vorliegenden Buch wird hier wieder eine alte Leier unhinterfragt wiederholt. Dabei zitiert eine der Kommentierenden (Danke, pro-edaphon!) zu diesem Artikel dankenswerterweise direkt aus einem der Bücher, das im Handbuch Bio-Gemüse als Literaturtipp aufgeführt wird:

“Auch die Behauptung, dass Viehzucht des Mistes wegen die Voraussetzung für die Pflanzenproduktion darstellt, hält nicht stand. Diese Kopplung dient lediglich der Verwertung des Abfalls aus der Fleischproduktion, stellt aber durchaus nicht die optimalen Möglichkeiten einer Pflanzenernährung dar.”
aus dem Buch “Humussphäre – ein Stoff oder ein Systemß” von Herwig Pommeresche, Seite 130f

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Handbuch Bio-Gemüse. Sortenvielfalt für den eigenen Garten
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32 Gedanken über “Die Bibel für den Gemüseanbau

  1. Pingback: Wissen rund um den Biogarten | Experiment Selbstversorgung

  2. Susanne

    Hallo zusammen,

    Ich habe mir dieses Buch auf Eure Empfehlung hin gekauft – und ist nun meine Bettlektüre und Gemüsebibel für die Planung im nächsten Jahr. Ich finde, dass ich daraus einiges lernen kann.

  3. Herwig Klemp

    Hallo alle zusammen,

    will nur kurz zum Ausdruck bringen, dass ich die Nutzung von Tieren in der biologischen und nachhaltigen Landwirtschaft für sinnvoll und ethisch vertretbar halte. Ich frage weniger nach dem Ob als nach dem Wie und dem Wozu und der Intensität.

    Viele von Euch haben sicher gestern auf ARTE den Beitrag über die Ernährung der Menschheit per ökologischer Landwirtschaft gesehen. Wie fandet Ihr da beispielsweise den japanischen Reisbauern, der Enten in seine Wirtschaftsweise einbezog?

    Unter ethischen Aspekten frage ich: Warum dürfen wir Pflanzen essen? Pflanzen versuchen aktiv, sich gegen für sie bedrohlichen Verbiss zu schützen. Pflanzen warnen einander vor Fraßfeinden, um den Artgenossinnen die rechtzeitige Erzeugung von sekundären Pflanzenstoffen zu ermöglichen. Pflanzen sind Lebewesen. Wo ziehen Veganer die Grenze warum?

    Herzliche Grüße

    Herwig

    1. Silke

      Ich sehe (höre) mir gerade den Film nochmal an. Der Japaner bezeichnet die Enten als seine Mütter, bzw. sind sie für ihn wie eine Mutter, deswegen habe er Schwierigkeiten, sie zu essen.
      .
      Insgesamt fehlt bei dem Film die Problematik Tierhaltung. Es geht ja nicht nur um Hunger, sondern auch um Klimawandel – nebenbei wenigstens. Und da schneidet die tierhaltende Biolandwirtschaft nicht besser ab, als die konventionelle, wie bereits eine 2008 von foodwatch in Auftrag gegeben Studie zeigt: foodwatch-Report "Klimaretter Bio?"
      http://foodwatch.de/kampagnen__themen/klima/klima

      Wenn wir überlegen, dass gegenwärtig doppelt soviel Nutztiere wie Menschen durchgefüttert werden, wird klar, dass es ohne Reduzierung der Tierprodukte nicht geht:
      http://www.utopia.de/gruppen/veganer-innen-167/di
      Hier wird auch deutlich, wie sehr Wildtiere durch Nutztierhaltung verdrängt werden (auch durch Menschen natürlich).

      Ansonsten finde ich den Film sehr interessant, wenn ich mal die Anwendungen von Dung ausklammere. Bei der Milpa am Anfang z.B. kann das Unkraut auch kompostiert werden und liefert somit einen gehaltvolleren Dünger als über den Umweg des Tiermagens. Ich baue selbst auf diese Weise Mais, Bohnen und Kürbisse zusammen an.

      Besonders interessant finde ich auch das Beispiel aus Malawia, wo die Blätter des Glyceridia-Baumes (Schmetterlingsblütler) neben dem Mais vergraben werden.

      Zu deiner Frage wegen der Pflanzen kannst du bspw. mal hier gucken:
      http://www.vegan.at/warumvegan/tierrechte/koennen

    2. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Hallo Herwig,

      keine Ahnung, wo "die Veganer" da eine Grenze ziehen. Ich kann nur für mich sprechen. Ich möchte Leid, so weit mir dies möglich ist, vermeiden. Für mich und für andere. Wenn Du Pflanzen in Deine Ethik mit einbeziehst, solltest Du Dir überlegen, wie viele Pflanzen mehr genutzt werden, wenn Du in der Nahrungsherstellung den ineffizienten Umweg über Tiere wählst.

      Die ARTE-Doku hab ich nicht gesehen, kann dazu also nichts sagen.

      Mehr Ideen und Fakten zu einer biologischen Landwirtschaftsweise ohne Tiere unter http://biovegan.org/infopool/

      1. Herwig Klemp

        Hallo Silke, hallo Michael,

        danke für Eure Aspekte und Links. Um klarzustellen: Ich finde okay und „ehrenwert“, vegan zu leben. Sehe die massiven Mißstände einer unmoralischen, rein profitorientierten Tierhaltung. Sehe das Problem der „Veredelungsverluste“, sehe, dass insgesamt viel zu viele Tiere gehalten und gegessen werden, sehe die Klimaproblematik vor allem durch Wiederkäuer. Gehe davon aus, dass Landwirtschaft ohne Tierhaltung funktioniert.

        Ich kenne aber auch Tierhalter, die ihre Tiere lieben und ihnen ein gutes Leben bereiten – bis zum Todesschuss. Ich sehe, dass viele Landschaften, die ich liebe nur durch extensive Tierhaltung existieren (Kalk- und Sandmagerrasen dank Wanderschafhaltung, Wacholderheiden, Niedermoore, Almen, Hudewälder etc. Als Norddeutscher schätze ich Schafe, die das Grasland auf dem Deich kurz und dicht halten.)

        Ich kenne Rinderherden in Halboffenen Weidelandschaften, in denen die Leitkuh die Herde je nach Witterung durch die Landschaft führt, in denen die Mutterkühe Kindergärten einrichten, also die Betreuung der Kälber organisieren, in der Jungbullen-Cliquen ihre Späßchen treiben und Altbullen gemeinsam auf den Tod warten. Auch dort entnimmt der Bauer / Betreuer gezielt Einzeltiere zur Schlachtung, aber das Hauptziel ist die Wiederherstellung einer naturnahen und ungemein artenreichen Landschaft. Nirgends woanders habe ich so viele verschiedene Wildpflanzen, Insekten, Amphibien … gesehen wie in solchen Landschaften. In vielen Jahrtausenden haben sich Pflanzen / Pflanzengesellschaften und große Graser gemeinsam und auch gegeneinander entwickelt. Nachdem wir die einst wildlebenden Auerochsen, Wisente etc. quasi ausgerottet haben können wir mit (halbwilden) Haustieren einen Teil der Vielfalt erhalten. Andernfalls sterben sehr viele weitere Pflanzen- und Tierarten aus.

        Silke, Du hast natürlich recht, dass Nutztiere auch Wildtiere verdrängen. Aber man sollte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.

        Ich liebe Hühner, Pferde, Schweine, Rinder. Ich würde mich auf dem von mir genutzten Land gern mit diesen Tieren umgeben. Mit ihnen arbeiten, schmusen – und sie ggfs. auch töten. Bei Hühnern und Kaninchen habe ich das früher hingekriegt, bei drei Gänsen, die ich einmal hatte, nicht. Ich bin mir sicher, dass ein langes gutes Tierleben, das ich ihnen ermöglicht habe, viel mehr zählt als ein für das Tier überraschender, fast stressloser Tod.

        Ich fühle mich verbunden mit Menschen, die Tiere achten und verehren – und sich ehrlich bei ihnen entschuldigen, wenn sie sie töten. Ich fühle mich aber auch verbunden mit Menschen, die Bäume streicheln und mit ihren Gemüsepflanzen reden. Wie in meinem vorausgegangenen Kommentar gesagt: Auch die Pflanzen sind Lebewesen, die ich töte.

        Ich schreibe dies alles nicht, um Euch zu einer anderen Lebensweise zu bewegen. Will ich mich rechtfertigen für mein Verhalten und Empfinden? Sicher. Es bleibt immer ein Schuldgefühl, wenn Mensch tötet. Aber ich habe mich genauso schuldig gefühlt (vielleicht sogar schuldiger), wenn ich einen Dachs, eine Amsel, ein Reh mit dem Auto überfahren habe. Das war so sinnlos, griff die grundsätzlichen Fragen meines Lebensstiles (bspw. Auto fahren) an.

        Ich kann es nicht wirklich beschreiben: Für mich gehören Nutztiere zu einem Hof dazu, so wie sie für Euch nicht dazu gehören. Ich glaube, Michael, Du hast irgendwo in einer Buchbesprechung geschrieben, diese und jene Biogärtner seien leider auf einem Auge blind, weil sie Tiere oder Teile von Tieren nutzen. Ich empfinde „leider“ und „blind“ als in dem Zusammenhang als negativ wertend.

        Ich würde mir wünschen, Du sagst: „Ich kann das Buch sehr empfehlen. Dass ich als Veganer einige Empfehlungen zur Nutzung tierischer Produkte nicht teile ist natürlich klar.“

        Herzliche Grüße

        Herwig Klemp

        1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

          Danke für Deine Ausführungen, Herwig. Ich kann schon auch Deine Gedanken nachvollziehen, auch wenn ich sie nicht teile.

          Für Deine Anmerkung zu meiner negativ wertenden Formulierung und dem Verbesserungsvorschlag danke ich Dir. Da hast Du Recht – sehr oft hab ich eine sehr "kampagnen-lastige" Sprech- und Schreibweise.

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  6. Daniel

    Hallo Michael es geht mir in erster Linie darum meine Familie gesund zu Versorgen ohne Chemie wir werdenden das was bei uns aus unserer Nutztier Haltung und dem Garten anfällt zum Düngen um den Boden das wieder zu geben was er uns gegeben hat! Unsere Tiere werden Artgerecht gehalten und es wird alles verwendet wenn wir Schlachten! Zur Lebensvördernen Variante wie ihr meint kann ich nur sagen das es in unsern Boden vor Leben nur so wimmelt. Was ich mit Toleranz meine ist das wir nicht Schlechter sind als Ihr weil wir Tiere halten und ihnen ein gutes Leben geben.Mann kann doch nicht alle Menschen die Fleisch Essen und Tiere halten als Ausbeuter und Monster sehen! Sicher werdet ihr verstehen und akzeptieren können das es unterschiedliche Lebensweisen gibt!

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Hallo Daniel. Interessant wie Du selbst fleischessende und tierhaltende Menschen als Ausbeuter und Monster titulierst. Niemand hier hat je so etwas geschrieben. Wir akzeptieren die gesamte Welt, wie sie ist. Wir spielen nur nicht bei allen Dingen mit, wenn wir sie für uns und unsere Vorstellungen nicht gut finden. Und treten natürlich für bioveganen Landbau als Landwirtschaftsweise ein, weil es aus unserer Sicht mehr als klar und bewiesen ist, dass dies das beste für Boden, Ernährungsgerechtigkeit und langfristige Lebenserhaltung auf diesem Planeten ist.

  7. pro-edaphon

    Hallo Daniel,

    Toleranz tut doch hier wenig zur Sache. Vielmehr geht es um das Problem, dass auch in neueren Gartenbüchern (wenngleich nicht in allen s.o.) immer noch das alte Paradigma weiterverbreitet wird, dass Tiere den besten Dünger lieferten. Dass dieser hingegen sogar als problematisch angesehen werden kann, wird er in zu hohen Dosen oder unzureichend kompostiert (im Falle von Mist) ausgebracht, wurde dargelegt.

    Hornspäne(-mehl) die du im Handel erhältst sind in der Regel aus Massentierhaltung, die mit dem "natürlichen Kreislauf der Natur" von dem du schreibst meiner Ansicht nicht viel gemein hat. Auch NPK-Tütendünger wie der von Oscorna (Animalin) enthält – einer Produktanfrage bei der Firma zufolge – Fleischknochenmehl und gemahlene Hörner von Tieren aus Massentierhaltung. Die große Nachfrage nach diesen Produkten sei mit Tieren aus Biohaltung überhaupt nicht zu decken, hieß es. Das wird beim reinen Hornmehl nicht anders sein.

    Ob der Mist von den Hühnern, Kaninchen oder Pferden, den du verwendest den Kriterien eines Bio-Anbaues genügen würde kann ich nicht beurteilen, zumal es große Unterschiede zwischen Eu-Bio und den verschiedenen Bio-Anbau-Verbänden gibt. Du schreibst weiter, deine Methode sei "wohl immer noch besser als den Boden mit Chemie zu belasten!

    ".

    Bio-veganer Anbau ist ebenfalls Bioanbau (Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Dünger), verzichtet aber darüber hinaus auf Einträge (nutz)tierlicher Herkunft, wie oben beschrieben.

    Bio ist vielleicht besser als konventionell, aber bio-vegan ist halt noch besser :-) und wenn es für erfolgreiche Ernten weder der Chemie noch der Tierausnutzung bedarf, dann ist das doch super – und sollte in fortschrittlichen Gartenbüchern auch so empfohlen werden – oder nicht? Zumal wenn die vielfältigen ethischen, ökologischen und gesundheitlichen Probleme von Tierzucht, -haltung und -konsum bedacht werden.

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Kann pro-edaphon nur vollumfänglich zustimmen. Es geht nicht um Toleranz. Natürlich machst Du, Daniel, Bioanbau, wenn Du so vorgehst, wie Du beschreibst. Aber halt keinen bio-veganen Anbau. Und wenn Du ansiehst, was moderne Landwirtschaftsverfahren – auch moderne Bio-Landwirtschaft – aus unseren Ackerflächen gemacht haben, dann dürftest Du offen sein, für funktionierende, lebensfördernde Varianten. Wie eben zum Beispiel bio-vegane Landwirtschaft.

  8. Daniel

    Es ist echt erstaunlich was die Leute für Unterschiede machen. Also kann ich nach eurer Meinung nicht von mir behaupten Biogemüse anzubauen! Dar ich im Garten Pferdemist,Hünermist und Kaninchenmist mit den Kompost zu Verbesserung des Bodens ausbringe oder mal Hornspäne( Mehl) streue was ja ein Naturprodukt ist;)!Dieses ist doch wohl immer noch besser als den Boden mit Chemie zu belasten! Es ist doch echt komisch das Mann Tolerant gegenüber Veganern und Co ist aber diese immer wieder was finden wo Sie was dran auszusetzen haben. Selbst an natürlichen Kreislauf der Natur!

  9. pro-edaphon

    Lieber Michael,

    biovegan heißt für mich nicht "ohne tierische Stoffe", sondern ohne nutztierliche Stoffe. Ich finde die Grenzziehung hierbei nicht so schwierig, wenn ich frage: Ziehen die Tiere von selbst ein (Vögel die aufs Beet kacken, Kompostwürmer, Igelkacke …) und können abhauen wenn sie lustig sind oder werden sie ökonomisiert und gezielt eingesetzt, bzw. ihre Produkte (Kompostwürmer aus Zuchtfarmen, Mist, gemahlene Hufe/Hörner=Hornmehl und andere Schlachtabfälle …).

    Klar, im Boden findet ein einziges Fressen und Gefressen werden statt und manche bezeichnen provokant gar die Pflanzen als Fleischfresser, da sie nicht nur Salzionen, sondern auch größere Moleküle aufnähmen (Pommeresche s.o.). Das spricht für mich nicht gegen bio-veganen Anbau.

    Wenn ich mit einem Buch zu 95% übereinstimme, kann ich es auch empfehlen, aber eben nicht "uneingeschränkt" wie ihr oben. Und ich bin fast sicher, dass das Buch von diesem blinden fleck abgesehen sehr gut ist (obwohl ichs erst überflogen habe).

    Die Arbeit von Arche Noah und Dreschflegel schätze ich doch auf der anderen Seite sehr, kaufe schon seit vielen Jahren Dreschflegel-Saatgut und liebe die pomologischen Datenblätter von Arche Noah. Die blinden Flecken machen eine_n doch um so trauriger, je mehr die andere Seite geschätzt wird, ist es nicht so?

    Ein Hauptziel der am Buch beteiligten Initiativen ist doch die Abschaffung von GVO-Saatgut und was damit zusammenhängt (Pestizide, Saatgut-Monopolisierung…). Wenn dann aber Stallmist als "bester Dünger für den Garten", sofern gut verrottet (S.60) empfohlen wird, kommen sicher nicht wenige auf die Idee vom Bauern nebenan, der möglicherweise GVO-Soja … verfüttert zu holen – passt doch nicht, oder?

    Zudem widersprechen sie sich doch irgendwo selbst, wenn auf Seite 56 wiederum steht: "Vor allem Hausgärten, die seit Jahren und Jahrzehnten mit Stallmist gedüngt werden, sind häufig überdüngt. Dann wird Gemüse anfällig für Krankheiten und Schädlinge und Wurzelgemüse gedeiht überhaupt nicht, weil die hohe Salzkonzentration im Boden das Wurzelwachstum ständig schädigt." (S.56)

    Mist ist eben doch Mist (Pommeresche)

    Ich denke, der Mist bzw. die tierischen Bestandteile, den die freilebenden Tiere, insb. die kleinsten (das Edaphon) einbringen reicht aus, bzw. sollte deren Überleben nicht durch leicht lösliche Düngemittel gefährdet werden.

  10. pro-edaphon

    Hallo ihr, auch von mir noch ein paar Buchempfehlungen und mein erster Eindruck von dem Buch:

    Ich habe das Buch heute bekommen und nach erstem Stöbern enttäuscht zur Seite gelegt. Ich möchte mir von Gärtner_innen nicht mehr suggerieren lassen müssen, dass es der Rinderkacke bedarf, damit unser Sandboden gemüseanbautauglich wird. (S.60f.) Ebenso wie bei Frau Kreuter (Der Biogarten) werden hier Mistpackungen und Schlachtabfälle wie Hornspäne als ernsthafte Optionen genannt. Und Seymor bringt uns – soweit ich mich erinnere – gleich noch bei, wie wir den Tieren das Fell über die Ohren ziehen. Nee Danke.

    Zukunftsweisende Gartenbücher und Gemüseanbauempfehlungen sollten ohne Ausscheidungen und Schlachtabfälle von Nutztieren auskommen.

    Selbst der Buchautor Achim Schwarze, der offenbar ein Freund der bio-dynamischen Methode ist und diese ausführlich erläutert (inkl. der Aufbereitung von Mist …), ist der Ansicht, dass Tierhaltung für einen geschlossenen Kreislauf in Garten und Feld nicht notwendig ist. Er schreibt:

    "Letztlich entsteht jeder organische Dünger aus Pflanzen, ob man nun den direkten Weg der Kompostierung des Pflanzenmaterials geht oder die Pflanzen erst von Tieren fressen läßt und dann den Mist kompostiert (Frischmist sollte nie verwendet werden). Die Nährstoffwerte eines Kompostes entsprechen denen von Frischmist, aber Kompost wirkt weder triebig (=Zwangsernährung, -osmose), noch ist er von der Auswaschung bedroht. Letztlich könnte man Komposterde als den Mist der Regenwürmer bezeichnen, der weit idealere Eigenschaften aufweist als der eines Rindes etwa." (in "Einfach anders Gärtnern – Biogemüse in Theorie und Praxis". S.100)

    Was den Stickstoff anbelangt, kommt er zu dem Schluss, dass würde man die gleiche Menge Gras kompostieren, die ein Rind frißt, "käme für den Garten mehr Dünger heraus als über den Umweg des Rindes." (Ebd.)

    Sicher werde ich das Buch nochmal zur Hand nehmen – und wegen der guten Sortenbeschreibungen wohl auch behalten, aber aufgrund eurer "uneingeschränkten Empfehlung" – wo ihr doch ohne Tiere lebt, und ich dachte auch ohne ihre "Produkte" gärtnert – bin ich erstmal enttäuscht.

    Mein Lieblingsbuch bleibt daher "Gärtnern im Biotop mit Mensch" von den Klebers, bei denen Mist und Hornspäne oder dergl. gar nicht erwähnt werden(soweit ich mich erinnere). Zudem ist der Gemüseanbau eingebunden in ein komplexeres Gesamtkonzept permakultureller Gartengestaltung. Es ist nicht so schön bunt, enthält aber viel Wissen in komprimierter – leicht nachschlagbarer Form. (Dieses und die folgenden Bücher sind zu finden beim olv-verlag.de ).

    Auch das Buch von Margarete Langerhorst: "Meine Mischkulturenpraxis" zeigt, dass und wie markttaugliches Gemüse auf rein pflanzlicher Basis angebaut werden kann.

    Kurt Kretschmann (Mulch Total) tat dies sogar auf Sandboden.

    Sehr interessant für Freund_innen des Bodenlebens ;-) ist auch das Buch "Humussphäre – ein Stoff oder ein Systemß" von Herwig Pommeresche.

    Er ist übrigens der Ansicht: "Auch die Behauptung, dass Viehzucht des Mistes wegen die Voraussetzung für die Pflanzenproduktion darstellt, hält nicht stand. Diese Kopplung dient lediglich der Verwertung des Abfalls aus der Fleischproduktion, stellt aber durchaus nicht die optimalen Möglichkeiten einer Pflanzenernährung dar." (S. 130f.)

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Liebe pro-edaphon, danke für Dein ehrliches Feedback – dieses teile ich. Wie Du richtig angenommen hast, gärtnern wir biovegan – also ohne die Verwendung tierischer Stoffe. Wobei das so einfach eben nicht zu sagen ist, wenn wir uns all die Bodenlebewesen ansehen, die sehr wohl mit uns gemeinsam hier leben und die Beete bewirtschaften. Die Regenwürmer, die für uns den Komposthaufen durchgraben und Grün- und Küchenabfälle in Humus verwandeln. Und so weiter.

      Wenn wir es so eng sehen wollten, dürften wir so gut wie kein Buch empfehlen. Viele Biobücher empfehlen das massive Zuführen von Steinmehl, Algen-Präparaten oder gar Metall-Staub. Alles Dinge die erstmal hergestellt und zum Teil sehr weit transportiert werden. Viele Permakultur-Bücher führen aus, wie man mit Maschinen das Landumgestaltet und dabei ganz nebenbei Öl verbrennt und den Boden verdichtet.

      Wenn ich mit einem Buch zu 95 % übereinstimmen kann, empfehle ich es auch. Einige der Bücher, die Du aufgelistet hast, werden übrigens noch als Empfehlung kommen, hier auf dem Blog. Auch wenn ich auch dort sicher nicht mit allem übereinstimmen werde.

  11. Sebastian

    Ich danke euch für den Tipp. Als Neu-Kleingärtner möchte ich mir über den Winter auch zwei, drei gute Gartenbücher zulegen. Neben "Der Biogarten" von Marie-Luise Kreuter steht dieses Buch nun ganz oben auf der Liste.

    Daneben werde ich mir wohl noch "Obstbaumschnitt in Bildern" von Hans Walter Riess und "Selbstversorgung aus dem Garten" von John Seymour. Das sollte für den Anfang an Lektüre ausreichen.

    P.S.: Euer Experiment finde ich sehr interessant! Ich wünsche euch viel Erfolg damit.

  12. Helmut Neumayr

    Hallo Michael!

    Bin über einen Freund auf eure Seite gekommen und kann deine Meinung zu dem Buch nur voll bestätigen – allerdings hab ich schon ein paar mal Keinigkeiten gefunden, wo ich nicht soo klar kam (jetzt fallen sie mir natürlich nicht ein-:) ). Da hat mir dann das Handbuch Samengärtnerei geholfen. Ich persönlich hatte das Pech, mir letzteres zuerst zu kaufen und war als interessierter Laie damit total überfordert. Nach einem Winter mit dem Handbuch Biogemüse und etlichen Versuchen in der Praxis "verstehe" ich es jetzt. Also :Die zwei Bücher sind mittlerweile die einzigen geworden, die regelmäßig in Verwendung sind!

    Bin sehr angetan, von dem, was ihr da so treibt – Hut ab vor euch! Wo in NÖ seid ihr da aktiv – sehr sandiger Boden??? lg Helmut aus Perchtoldsdorf

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Hallo Helmut,
      wir leben und werken im Norden Tschechiens – südlich des Böhmischen Mittelgebirges. Wir haben hier sehr, sehr lehmigen Boden. Ist hier eine ehemalige Lehmgrube und Ziegelei.
      Das Handbuch Samengärtnerei wird mit Sicherheit auch eines der nächsten Bücher sein, die wir hier vorstellen – allerdings ist das, wie Du auch schon schreibst, keine Einstiegs-Literatur. Ist aber bei uns eines der weiteren Haupt-Nachschlagewerke, die ich unbedingt empfehle.

  13. Daniel

    Hallo ihr zwei kann euch auch der Bio Garten entfelen;) wie auch Biologisches Saatgut aus dem eigenen Garten was ich zur Zeit am lesen bin;) ich selbst bekomme nie genug von Büchern dar ich ein Bücherwurm bin.Ein Bericht über euren Dach Ausbau wäre mal schön:) MfG Daniel

  14. Veg aufs Land

    Hallo Lisa und Michael,

    hmh – vielen Dank für die Empfehlung. Nachdem das Handbuch des Speziellen Gemüsebaus von G. Vogel (Ulmer Verlag 1996, ISBN 3800152851) vergriffen, und das Bioland-Gemüsebau-Buch von 2009 leider nicht so der Bringer ist, kommt mit der Arche Noah-Publikation eine Alternative auf den Markt. Schon das Handbuch vom Samenbau hat mich von der Qualität der Arbeit der Arche Noah überzeugt. Falls Ihr noch ein paar Buchempfehlungen benötigt, ich würde Euch raten die "Encyclopedia Of Country Living" zu erstehen. Da steht ne Menge drin, was man wissen muss und das Internet als Quelle versagt (z.B. weil der Strom alle ist).

    Viele Grüße,

    Daniel

    1. Frank Schmitt

      Danke für den Buchtipp
      Was mir nicht gefällt ist der Einkaufstipp des Buches übers Net.
      Wir ,meine Frau und ich betreiben eine kleine Buchhandlung und ich arbeite als Ayurveda Massage und Manual Therapeut ,wir versuchen auch zu überleben und helfen täglich Menschen in allen möglichen Situationen mit Rat und Tat . Nur sind wir
      um zu ÜBERLEBEN z.Z noch auf Umsatz angewiesen .Deshalb wäre es auch schön Bucheinkäufe vor Ort beim kleinen Buchhändler zu tätigen Liebe Grüße Frank

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