Die 20-Stunden-Landwirtschaft

Michael Hartl
Von Michael Hartl
10. Juli 2014

„Es ist am frühen Nachmittag als wir vom Garten zurück ins Haus kommen. Wir stellen einen Korb frisch geernteter Salate und angenehm duftender Kräuter in die Küche und waschen uns die Hände. Eine setzt sich an den Computer und prüft eingegangene Emails und Kommentare. Der andere greift zum Smartphone, um ein paar berufliche Telefonate zu erledigen. Kurz darauf stehen wir alle gemeinsam lachend in der Küche und bereiten aus dem vorher geernteten unser Mittagessen.“

So oder ähnlich könnte ein*e Besucher*in einen Ausschnitt aus dem Leben hier am Hof beschreiben. Landwirtschaftliche Arbeiten, IT-Business, Autor*innen*tätigkeiten, Familienleben und ehrenamtliches wild durcheinander geworfen. Irgendwie sind wir Selbstversorger*innen, die möglichst viel wieder mit den eigenen Händen erschaffen, reparieren und anbauen wollen. Anderseits aber sind wir auch Unternehmer*innen, die in unterschiedlichen Bereichen selbständig sind. Und wir schreiben regelmäßig auf unserem Blog, der nach vier Jahren Aufbauarbeit nun von tausenden Menschen gelesen wird.

Wir sind weder klassische Aussteiger*innen, noch sind wir 40-Stunden-Bürozombies. Wir versuchen eine neue Aufteilung der Lebens- und Arbeitszeit zu finden, die die einzelne Person zufriedener macht und für die Gesamtgesellschaft einen gangbaren Weg darstellt. „Soll etwa jeder aufs Land rausziehen?“, wird an dieser Stelle von Kritiker*innen gerne eingeworfen. Aber nein, bitte nicht alle hier raus ziehen aufs Land! Sonst wirds voll… Und eine Zersiedelung ist ja tatsächlich nicht sehr wünschenswert, so wie diese heutzutage in den allermeisten Fällen aussieht. Um unsere Vorstellung eines guten Lebens umzusetzen, ist es auch nicht wichtig am Land zu sein. Viel wichtiger ist, sich von überkommenen Vorstellungen zu lösen. Weder die 40-Stunden-Woche, noch das Versprechen von Zufriedenheit durch möglichst viele materielle Güter lässt sich noch lange aufrechterhalten. Gerade bei der 40-Stunden-Woche geht das schon heute nur noch, weil wir einen ständig wachsenden Teil der Bevölkerung in die Arbeitslosigkeit zwingen.

20-Stunden sind genug

Unser Modell, einmal sehr theoretisch betrachtet, ist ein recht simples. Wenn wir von 8 Stunden Schlaf pro Nacht ausgehen, was ein gesundes Ausmaß ist, bleiben von Montag bis Samstag knapp 100 wache Stunden über. Diese teilen wir nun in fünf Blöcke von jeweils 20 Stunden auf. Diese Blöcke lauten 1. Sport, Entspannung und Körperpflege, 2. Essen und Haushalt, 3. bezahlte Arbeit, 4. Subsistenzleistungen und 5. Besorgungen, Ehrenamt, Politisches und Muße. Sonntag ist frei.

In der Praxis lässt sich das so idealisiert natürlich nicht leben. Aber es ist eine sehr gute Richtschnur, um von Zeit zu Zeit zu reflektieren, ob man nach wie vor auf einem guten Weg ist. Im Durchschnitt erreichen wir diese Zahlen immer besser. Und der Schnitt ist auch der Trick dabei. Wenn sich ein spannendes berufliches Projekt anbietet, arbeiten wir da auch schon mal 40 Stunden die Woche dran. Wenn dann nach zwei, drei Monaten das Projekt abgeschlossen ist, steht viel Zeit für die anderen Bereiche zur Verfügung. Geschickt kombiniert, was natürlich nicht immer klappt, kann so zum Beispiel dann Geld für Sozialversicherung und ähnliches verdient werden, wenn im Gartenbau gerade nicht viel zu tun ist. Sobald dann das Frühjahr durchstartet steht dadurch aber genug Zeit zur Verfügung, sich fast den ganzen Tag auf die Beete und Anbauflächen zu stürzen.

Foto von Lisa mit dem Hulahoop-Reifen vor dem Weingarten

Das Ganze hat verschiedene positive Auswirkungen. Für den Einzelnen bedeutet es einen gesunden Lebensstil, weil gesunde Ernährung, Sport und Entspannung einen hohen Stellenwert haben. Geistig ist es förderlich, weil die Tätigkeiten abwechslungsreich und kurzweilig sind. Drei oder vier Stunden am Stück hochproduktiv und konzentriert an einer Tätigkeit arbeiten ist dann besonders freudvoll, weil danach anderes folgt.

Für die Gesellschaft ist es ebenso interessant. Wenn die Menschen Lebensstile einüben, bei denen sie mit deutlich weniger materiellen Gütern auskommen, was nicht schwer ist, wenn man innerlich zufrieden ist, dann reicht es, wenn nur 20 Stunden die Woche gegen Bezahlung gearbeitet wird. Für die Arbeitswelt bedeutet das, dass plötzlich genug Arbeit für alle da ist – ja, wir vielleicht sogar ein wenig Zuwanderung bräuchten. Und gegen die Angst vor einem dadurch entstehenden Fachkräftemangel setzen wir die Freude über das Bildungspotential, das dadurch endlich ausgeschöpft werden wird.

Widerstandsfähige Höfe für starke Kleinbäuer*innen

Für die Landwirtschaft halten wir dieses Konzept für sehr interessant, weil Kleinbäuer*innen dadurch sehr losgelöst werden von verschiedenen Zwängen, denen sie heute oft unterliegen. Wenn ich nämlich aus einer bezahlten Tätigkeit meine Grundkosten gedeckt habe, brauche ich mich nicht jedem Vermarktungsdruck unterwerfen. Ich verkaufe meine Produkte nur dann, wenn sie einen wertschätzenden Preis erzielen! Dies kann über regionale Vermarktungsstrukturen und Ab Hof Verkauf realistisch erreicht werden. Der Hof kann dann einen gewissen Selbstversorgungsanteil haben, der mich auch unabhängiger von kurzfristigen Preisschwankungen am Markt macht. Ein widerstandsfähiger Hof.

Zeitgleich kann ich meinen Betrieb so gestalten, dass er mehr ist, als nur ein Ort, an dem Feldfrüchte und Gemüse angebaut werden. So ist unser Hof, der sich gerade erst im Aufbau befindet, nicht wirklich von den Einnahmen durch angebautes Obst und Gemüse, sowie Kräuter abhängig. Ganz im Gegenteil, wir gehen den Aufbau total stressfrei und kreditfrei an, weil wir uns weder hetzen möchten, noch müssen. Der Hof ist über die letzten Jahre zu einem Lernort geworden, an dem Menschen zusammenkommen, voneinander lernen, gemeinsam den Platz weiterentwickeln und sich hier natürlich auch mal entspannen. Höfe können Begegnungsorte sein. Können Raum geben für Kultur und Musik. Können wie in unserem Fall Lernorte sein. Können Urlaubsorte sein. Können Orte sein, an denen vom Burn Out gefährdete Menschen wieder in Kontakt mit der Natur – und damit mit sich selbst kommen. Und Höfe können noch viel mehr sein. Fast alles, was wir uns ausmalen können!

Foto eines produktiven Gesprächskreises beim Sommercamp 2012

Unser Traum ist, dass sich viele solcher Projekte vernetzen. Denn solidarische Netzwerke zwischen widerstandsfähigen Höfen und deren Umfeldern sind die Voraussetzung für eine politisch aktive und wirtschaftlich erfolgreiche Kleinbäuer*innen*schaft. Sie sind Keimzellen einer neuen Denkweise im Zusammenleben und für ein zukunftsfähiges Gesellschaftsmodell. Und sie machen einfach zufrieden und stabil.

Welche Erfahrungen hast du mit solchen Modellen? Oder kennst du andere Zeit- und Arbeitsmodelle, mit denen wir uns mal beschäftigen sollten?

Dieser Artikel erschien zuerst als Beitrag für die Mitgliederzeitschrift „Wege für eine BÄUERLICHE ZUKUNFT“ der Österreichischen Berg- und Kleinbäuer_Innen Vereinigung ÖBV-Via Campesina Austria.

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Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

32 Gedanken über “Die 20-Stunden-Landwirtschaft

  1. Sebastian K.

    Hy, möchte ein paar Infos für die Kritischen Stimmen beisteuern.
    Vorab ich betrachte das ganze nicht Ideologisch sondern rein Logistisch.

    Das Grundproblem liegt schon in der Art Geldschöpfung, ist aber ein eigenes Kapitel.
    Das ganze löst einiges aus z.b. das „notwendige“ Wirtschaftswachstum.
    Daraus folgt das ich soviel Wirtschaften muss wie möglich und da darf man nicht nur an Handel denken, jede Naturkatastrophe ist etwas „gutes“ aus Sicht des Finanzministerium, ganz einfach deshalb da es das Bruttoinlandsprodukt steigert.
    Klingt makaber ist aber simple Mathematik.
    Und genau darum geht es um Zahlen, nicht um Menschen.

    Was bedeutet das jetzt?
    Ganz einfach das alles was unseren „Gott“ Wirtschaftswachstum verärgert ist unerwünscht.
    Und dann wird auch klar warum wir, viel konsumieren sollen, ungesund leben usw.
    Die Betonung liegt auf viel, was ist vollkommen egal. Ob neues Handy, neue Hüfte oder neues Haus hauptsache das BIP steigt,weil es das muss.

    Also gehst du nicht arbeiten um deine Familie ernähren zu können sondern um das Finanzsystem in seiner heutigen Form am Leben zu erhalten.
    Und das ganze wird dir verkauft als notwendiges „Opfer“.

    Hier überspringen die meisten einen wesentlichen Punkt, das die Probleme schon früher vorprogrammiert wurden und wir uns darüber streiten wie die Symptome zu behandeln sind.
    Ohne System wechsel in der Finanzbranche kann ein „wechsel“ gar nicht funktionieren, rein mathematisch nicht.

    Aber gerade das erwähnte Sozialsystem wär der grösste Profiteur. Warum?
    Einfach zu erklären.
    Fangen wir beim Arbeitsmarkt an, wir haben je nach Quelle allein in Ö zw. 240-300 tausend Arbeitslose aber bei weitem nicht die Menge an offenen Stellenausschreibungen.
    Die würden grösstenteils dann nicht mehr aus der öffentlichen Hand leben müssen,was sehr oft erzwungen ist.
    Hier würde einiges eingespart werden.

    Nächster Punkt der erwähnt war die Einsatzkräften, wenn diese nicht chronisch überlastet werden würden. Wäre es ihnen möglich einen besseren Job zu machen.
    Gerade im Gesundheitswesen macht es einen erheblichen Unterschied wenn man sich folgen der Übermüdung ansieht die oft sehr teuer sind da sie unnötige Folgebehandlungen mit sich ziehen.
    Vom persönlichen Schicksal mal ganz abgesehen.
    Aber rein rechnerisch würde es immense Summen einsparen.
    Was Kranken- und Pensionskassa freuen wird.

    Das ganze ist keine Frage von Ideologie sondern reine Analyse, es ist möglich bzw. zum langfristigen gemeinsamen Überleben sogar zwingend notwendig auf so eine Art der Wirtschaft umzusteigen. Um eine langfristige Gesellschaftliche Perspektive zu schaffen, wo ein Gesundes und Freies Leben möglich ist.

    Für offene Fragen steh ich gern zur Verfügung.
    Lg Sebastian

    1. Genau

      Die Kritiker sind einfach gut erzogen: Wenig arbeiten gilt als faul. Arbeiten als Tugend, da ist egal, ob die Arbeit gesellschaftlich sinnvoll ist oder der Umwelt schadet. Da hat die Kirche „gute“ Dienste geleistet: kollektive Überzeugungen, die mit Tatsachen verwechselt werden. Und das schlechte Gewissen erst, wer will sich schon faul fühlen? Jeder will ein guter Mensch sein. Was gut und schlecht ist, wurde uns über Generationen und Generationen und Generationen und Generationen eingetrichtert. Man kann Gedanken/Überzeugungen leider nur dann überprüfen, wenn sie einem bewusst sind. Dann kommt man auch auf den Trichter, dass Gedanken und Gefühle keine Tatsachen sind, sondern entstanden aus Erziehung oder selektiver Wahrnehmung.

    2. Genau

      Ich stimme dir absolut zu! Die Empörer sind gut erzogen: Ohne Fleiß kein Preis und: Viel arbeiten ist tugendhaft. Da hat die Kirche mit ihren „Werten“/Ideologien gute Dienste geleistet. Freude, Freizeit und Ausgelassensein ja, aber in geringen Maßen. Wer will schon als faul betitelt werden? Da interessiert es auch nicht, dass die Arbeit der meisten Menschen sinnlos ist, nichts für die Gemeinschaft leistet und die Umwelt, als auch die Gesundheit des Arbeitnemers zerstört. Leider hinterfragt die Masse ihre Überzeugungen nicht. Denn es sind Überzeugungen, also Gedanken: „Wenn ich nicht 40 h arbeite, bin ich faul“ „Karriere bringt Glücklichsein“. Es sind kollektive Überzeugungen, keine Tatsachen.

  2. Stefan

    Hallo ihr Lieben, hier in Griechenland verwenden die Alten immer noch Olivenöl mit Zitronensaft beigemischt. Das sollte nicht so schlecht sein, denn bekanntlich brennt die Sonne hier ganz gut :-) Macht weiter so, es freut mich von Menschen zu hören, die im Einklang mit der Natur leben. Das macht Mut und Lust zum Nachmachen! Viele herzliche Grüße Stefan

  3. Vanessa

    Ich kann dir keine Sonnencreme empfehlen, aber einen anderen Tipp geben: Ich hatte früher auch Sonnenallergie – habe dann angefangen, vor der Sommersaison ein paar Mal (kurz!) ins Solarium zu gehen und Vitamin D-Tabletten zu nehmen. Die Allergie ist nicht wiedergekommen, obwohl ich nach dem zweiten Jahr nicht weiter therapiert habe. (A- und B-Vitamine können wohl auch eine Lösung sein – damit habe ich aber keine Erfahrung)

  4. karin

    habe heuer sonnenschutz selbsthergestellt nach dem Rezept vom Blog langsamer.leben … sind öle und fette … für mich pflegend … hab allerdings das himbeerkernöl dazugemischt … für höheren Schutz und in Oberösterreich gibt es eine Firma allerdings teuer … hatte früher auch mit sonnenallergie zu kämpfen … und seit dieser sonnencreme nicht mehr und hat auf alle fälle einen höheren Schutz wie angegeben … bekam in Kroatien keinen sonnenbrand

    1. stefanie

      Ich kenne zwar kein Rezept zum Selber machen aber dafür eine Firma die biologische Produkte herstellt, frei von Konservierungsstoffen, Duftstoffen etc. Da gibts einen guten Sonnenschutz, der auch von Allergikern verwendet wird.

    2. Claudia

      Liebe Susanne,
      bist du dir sicher, dass du auf die Sonne „allergisch“ reagierst, und nicht auf die Chemie in deinen (Sonnen)Pflegeprodukten? ;-)
      Grundsätzlich würde ich dir empfehlen eine Entgiftungs-/ Entschlackungskur zu machen und danach auf alle Hautpflegeprodukte zu verzichten, die Paraffine, Parabene und all das chemische Zeug beinhaltet, das eh keiner aussprechen kann. Über die Haut entgiftet man zwar, nimmt aber auch immens viel auf, was in den Zellen nix verloren hat.
      Sonne ist an sich nicht schlecht für uns, wie uns oft eingeredet wird, im Gegenteil! Das wichtige Vitamin D z.B wird durch Sonnenlicht im menschlichen Körper produziert. Vielleicht bringt schon allein die Änderung der Einstellung eine Besserung? Ich habe heuer ohne Sonnenschutzcreme keinen Sonnenbrand bekommen, obwohl (oder weil?) ich ganz BEWUSST in der Sonne lag. Ich hab mir aber aus Interesse für mich und meine (empfindlichen) Kinder selbst ein Sonnenöl gemixt, wenn es dich interessiert?
      Es enthält aber sehr wohl Fette in Form von Sesam-, Nachtkerzen- und Kokosöl, sowie Kakaobutter und einige ätherische Öle mit LSF. Pflegt super, riecht gut und enthält nur hochwertige Zutaten. Auf die mineralischen Zinknanoteilchen habe ich bewusst verzichtet. LG, Claudia

      1. Jule

        Ich hatte etwas darüber gelesen, dass auch Rosskastanien einen LSF haben. Da gibt es ein Rezept im Buch „Grüne Kosmetik“ (G. Nedoma) in Verbindung mit Öl.
        Liebe Claudia, Dein Rezept würde mich sehr interessieren, wenn Du es mit uns teilen magst. Denn auch die Ökosonnencremes haben so ihre Nachteile (Zinknanoteilchen) und lassen sich immer so mühsam verteilen.
        Danke in jedem Fall schon einmal. ich werde mich nächsten Sommer an einer Sonnencreme versuchen!

  5. Robin

    Hallo,

    das ganze liest sich sehr schoen, wirkt aber dennoch etwas zu traeumerisch.
    Nicht jeder der sowas vorhat hat genug Startkapital bzw. wuerde es von den Banken nicht bekommen. Nicht jeder hat so einen Beruf, wo man hier und da mal ein Projekt abarbeitet und dafuer wohl recht grosszuegig bezahlt wird.
    Nehmen wir mal an, der Maurer Schmidt will mit Frau und 3 Kindern dieses Landleben in Selbstversorgung angehen. Er muesste sich wohl selbststaendig machen, da sein Chef mit 20 Stunden pro Woche wohl kein Haus fertig gebaut bekommt. Von Arbeitslosengeld alleine werden die 3 Kinder und 2 Erwachsenen auch nicht satt bzw. gekleidet, und gebaut werden muss ja am Haus sicher auch, man findet ja kein bewohnbares Familienhaus mit ausreichend Land fuer einen Apfel und ein Ei.
    Und nicht jeder kann IT-Fachmann sein oder Designer, „Kuenstler“ oder sowas. Ich weiss wovon ich spreche, da wir selbiges versuchen aber ich koennte mir nicht vorstellen mein Gehalt (37,5h) so runterzuschrauben, dann waere jedes kleine Gartengeraet und jedes Stueck Bauholz eine Sparmassnahme von Monaten oder Jahren!

    Seht es nicht als Kritik an Eurer Idee an, sondern lediglich als kleinen Wink, dass nicht jeder von Haus aus so gut gestellt ist oder es mit seinem Beruf so gut vereinbaren kann, solch ein Leben von heute auf morgen umzusetzen – vor allem mit Kindern.

    Wohlstandsverzicht ist das eine, das geht ohne Probleme, wenn man diszipliniert und konsequent ist aber das alleine macht noch keinen souveraenen Selbstversorger…

    Den Satz mit der Zuwanderung finde ich auch ueberfluessig… Die Einheimischen sollen sich also zuruecklehnen und dafuer Fremde reinholen zum Arbeiten? Das wuerde zu einer Ueberpopulation fuehren und dann koennten zwangslaeufig weniger Menschen in Selbstversorgung leben, weil es der landwirtschaftliche Platz gar nicht hergibt.

    Letztlich ist das auch der falsche Ansatz. Denn wenn alle weniger (sinnlos) konsumieren und auf gewissen Luxus verzichten und zurueck zu einem natuerlichen, einfacheren Leben finden wuerden, muessten die Menschen ohnehin nicht mehr diesem Produktionswahn verfallen und somit weniger arbeiten. Es wuerde weniger Energie verbraucht und das Kapital waere nicht mehr vordergruendig… Wenn sich dann noch der Grossteil auf Bauerlichkeit und Selbstversorgung ausrichtet, dann koennen sich neue Wege ergeben.
    Ansonsten bleibt es eine nicht ganzheitlich gedachte Sache, sondern eher eine Aktion einzelner, die Ihren persoenlichen Punkt verbessern und ihre Ruhe vor dem kapitalistischen System finden, aber mehr auch nicht.

    Nun aber genug davon, viel Spass bei der Ernte Eures Gartens!

    1. Michael HartlMichael Beitrags Autor

      Hallo Robin,

      danke für dein Kommentar. Klar, wir wissen, dass unser Weg keine Blaupause für andere ist. Aber ein paar Grundüberlegungen kann man schon übernehmen in andere Lebensmodelle. Und die Postwachstumsökonomie mit nur noch 20 Stunden arbeiten gehört dazu. Der Maurer-Chef würde ja z.B. statt zehn 40-Stunden-Kräften einfach 20 20-Stunden-Kräfte anstellen, wenn er gleich schnell sein will. Man kalkuliert in dem Gewerbe ja eh mit „Mann-Stunden“.

      Und Startkapital hatten wir auch keines – haben wir oft hier im Blog beschrieben.

      Und selbständig sind wir, weil wir uns das jeweils aufgebaut haben. ;) Auch die Chance nimmt vielleicht nicht jede*r wahr – und kann natürlich auch nicht jede*r machen – aber es will ja eh nicht jeder Mensch so leben! :)

      Alles gut also, finde ich.

  6. sonnensegel preise

    Also ich muss ehrlich gestehen, dass dieses Modell Nichts für mich wäre. Für manche scheint es gut zu sein, aber für die „verwöhnte“ Generation….naja. Gut, zu der gehöre ich nicht, aber trotzdem :-).
    Wenn ich meinen Kindern nur sage: „Kommt, wir gehen mal aufs Grundstück heute“ (ist eine 4 hekta Pferdekoppel), kommt direkt: „Was wollen wir denn da, da kann ich gar nicht zocken“. Mittlerweile habe ich resigniert.

  7. Lisa

    Wenn Ärzte in unserem Land genauso denken würde wie ihr und nur noch 20 Stunden arbeiten würden die Woche, na dann gute Nacht Marie! Ebenso gilt dies für Feuerwehrleute, Polizisten etc.

    Lest ihr auch mal Zeitung? Arbeitslosenstatistiken? Eine Ahnung von Demographie? Man lebt nicht nur für das eigene Vergnügen, sondern auch für unser Sozialsystem. All die Alten, Kranken…

    Lasst mal raten: Ihr seid Akademiker-Kinder? Immer zu viel gehabt?

    Auf das Handy verzichtet ihr auch? Auf Autos?

    Doppelmoral!

    1. Michael HartlMichael Beitrags Autor

      Hallo Lisa,

      genau, eben weil ich Zeitung lese und die Arbeitslosenstatistik kenne, halte ich das vorgestellte Modell für den richtigen Weg – hast du den Artikel eh gelesen? Weil wenn du das mal vorurteilsfrei tust – also ohne „Doppelmoral!“ im Kopf – wirst du sehen, dass dann jeder Mensch mehr für die Gesellschaft tut als jetzt! Aus Freude an der Kooperation und am Selbermachen. Gerade wegen der hohen Arbeitslosigkeit sollten wir die bezahlten Tätigkeiten gerecht auf alle verteilen und nicht ein wachsendes Heer an Menschen zum schlecht fühlen und sich erniedrigen verdammen.

      Wenn es dich wirklich interessiert, lies den Blog ein wenig – du wirst rausfinden können, dass wir in die Sozialversicherung einzahlen und das für eine großartige Errungenschaft der Zivilisation halten, dass wir uns sehr um die Gesellschaft kümmern und logischerweise auf eigene Autos verzichten.

      Und leider hast du in deiner Emotionalität auch noch voll daneben gegriffen, was deinen Rate-Versuch mit den Akademiker- oder Wohlstandskindern angeht.

      Dein Kommentar zeigt aber, dass es dich aufgewühlt hat – solltest dich also vielleicht ein wenig tiefer mit der Idee beschäftigen, wenn sie auf so viel Resonanz in der stößt!

      Alles Liebe,

      Michael

  8. Jana Tashina

    Wahre Worte, doch warum bleibt das auch für die meisten, die das gut finden nur Theorie? Ich denke, dass die meisten fürchten, auf etwas verzichten zu müssen und dabei nicht bemerken, was sie alles dazubekommen, wenn sie das Leben nicht nur als Arbeit sehen. Wer hat nach 40 Stunden Job wirklich noch Muße für all das andere, das man eigentlich zum Leben braucht? Und noch Zeit für Muße?
    Aber wie organisiert man sich neu, wie kommt man raus aus der Schleife des Joballtags, wenn man nicht alles komplett aufgeben will?

  9. Kerstin

    Moin, ja dieser Gedanke, man müsste 40 Stunden oder auch mehr in der Woche arbeiten, um gut leben zu können, sitzt in vielen Köpfen fest.
    Ich arbeite auch weniger Stunden, habe so viel mehr Zeit für mich und bin seit dem auch viel zufriedener mit meinem Leben.
    Und dafür muss ich kein Bauer sein. Ich muss nur bewußter leben.
    Und das kann jeder lernen, denke ich.

    1. Thomas

      Sehr gelungener Artikel, freut mich sehr für euch! Der erste Absatz beschreibt genau was ich die nächsten Jahre vor habe aufzubauen.
      Eine Frage an euch und Karl: wie groß sind eure Anbauflächen? Mit wieviel Fläche muss man rechnen, für eine 4köpfige Familie?

  10. Ines

    Das klingt wunderbar und ich freue mich für euch, dass ihr dieses Leben leben könnt, sowas ist sehr wertvoll! Ich frage mich halt nur, was jene Menschen machen, die keine Bauern sind und sich eben neben der Nahrung auch den Unterhalt leisten…. können ….müssen. Das ist dann mit 20 Stunden nicht einfach so abgetan…..oder doch? klärt mich auf.. :-) ..lg

  11. Monika

    Vor Jahrzehnten habe ich selbst mal in einer ähnlichen Art und Weise gelebt. Irgendwann dachte ich, es geht beides – Haben und Sein. Es war ein Irrtum. Jetzt bin ich wieder auf dem Weg zum „Sein“ und bin froh darüber zu wissen, wie gut es sich anfühlt!
    Ich freue mich sehr, dass es euch gibt und dass ihr eine so große Vorbildwirkung habt! Das ist sehr not-wendig für viele Menschen!
    Liebe Grüße Monika

  12. Rona

    Die 20-Stunden-Woche! Da sprecht ihr mir aus der Seele!! Seit ein paar Jahren bin ich nun schon der Meinung, dass man viele gesellschaftliche Probleme auf diese Weise lösen kann. Allerdings bin ich wohl nicht engagiert genug oder konnte meine gedankengaenge dazu nicht in die richtigen Worte fassen…zugehört hat mir jedenfalls keiner. Oder die Idee als reine Utopie abgetan… Und jetzt lese ich das hier richtig schön ausgearbeitet und allgemein verständlich zusammengefasst und kann mich einfach nur darüber freuen, dass es offenbar doch Menschen gibt, die diese „Utopie“ zu leben versuchen! Vielen dank dafür, ihr macht mir Hoffnung. :-)

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