Der Weg zur Selbstversorgung

Soll ich direkt und komplett umsteigen oder doch lieber Schritt für Schritt?

Michael Hartl
Von Michael Hartl
13. März 2014

Wir sind seit 4,5 Jahren auf unserem Weg Schritt für Schritt Richtung Selbstversorgung, den wir auf diesem Blog begleiten. Dadurch sind wir über die Jahre in einem gewisse Kreis ein wenig bekannter und auch über Suchmaschinen recht gut auffindbar geworden. Eine der Folgen davon ist, dass wir ab und an ein Interview geben und das wir täglich mehrere Emails erhalten. Auch mit Menschen, die hier bei uns eine Zeit lang mitarbeiten, führen wir selbstverständlich sehr viele Gespräche über unseren Weg zu leben.

Recht regelmäßig taucht dabei eine Frage an uns auf: Ist es besser, sich sofort ganz der Selbstversorgung zu verschreiben oder es lieber Schritt für Schritt anzugehen? Und wie wir das eigentlich gemacht haben. 

Ein paar Worte vorab

Ich glaube, es gibt auf diese Fragen keine komplett richtigen oder falschen Antworten. Die Motivationen der Menschen, die diese Fragen stellen, sind ja häufig komplett unterschiedlich. Wir erleben hier Menschen, die einfach so viel wie möglich in der Natur sein wollen und mit ihr arbeiten wollen. Und deswegen Selbstversorgung als Traumziel haben. Wir haben über den Blog aber auch Kontakt zu Menschen, die einen kompletten Systemzusammenbruch erwarten. Und deswegen eher aus Angst und aus der Notwendigkeit heraus eine Selbstversorgung anstreben. Und dann gibt es Menschen, die ihren landwirtschaftlichen Betrieb einfach interessanter und schöner gestalten wollen. Und so viele weitere Motivationen und Mischungen davon! :)

Foto einer Birkenrinde im Sonnenuntergang

Für all diese Leute sind es sicherlich andere Wege, die zielführend sind. Darum lässt sich gar keine allgemeine Antwort darauf geben. Wir sind jetzt natürlich schon eine ganze Weile auf unserem Weg und haben uns in dieser Zeit natürlich viele Gedanken gemacht. Diese können wir gerne mit allen die sie interessieren teilen. Ein anderer wichtiger Punkt bei Gesprächen zu einem Thema ist, dass man sich versteht. Was meint also jede Person, wenn sie einen bestimmten Begriff verwendet? Zum Beispiel „Selbstversorgung“.

Was ist Selbstversorgung für uns?

Wie wir schon an anderer Stelle deutlich ausführlicher beschrieben haben, als ich es nun hier machen werde, geht es uns bei der Idee der Selbstversorgung um mehr als nur Nahrungsmittel anzubauen. Sonst wäre das hier ja ein Garten-Blog oder ein Landwirtschafts-Blog. Es geht uns auch um Heizmaterial, Baumaterial, Kleidung, Bildung, Mobilität…. Und Selbstversorgung ist für uns kein individuelles Konzept wo zwei ausreissen aus der Gesellschaft und sich alleine durchschlagen. Alles anbauen was sie brauchen und komplett autark vom Rest der Welt werden.

Selbstversorgung ist für uns ein regionales Konzept. Teil einer zukunftsfähigen Gesellschaft. Für uns geht es nicht darum, dass jede und jeder selbst alles anbaut, was er oder sie isst. Es geht aus unserer Sicht darum, einen Teil des eigenen Bedarfs selbst zu stillen. Das macht ein Stück weit unabhängig vom Marktgeschehen, gibt irrsinnig viel gutes Gefühl und tut einfach unsagbar gut.

„Unser“ Weg zur Selbstversorgung

Was wir gemacht haben und weiter tun werden, ist uns Schritt für Schritt unserem Ideal von Leben zu nähern. Dieses Ideal besteht für uns sicher nicht in einem 40 Stunden Job gegen Geld. Aber auch nicht darin, uns aus der einen Versklavung zu lösen, indem wir uns in die nächste hineinbegeben. Sprich: Wir werden die Selbstversorgung so weit aufbauen und stets in dem Ausmaß betreiben, wie sie uns Freude macht, uns bereichert und ein mehr an Sicherheit darstellen wird.

Weder mehr noch weniger ist unser Ziel. Die meisten Menschen setzen nur auf die Scheinsicherheit eines bezahlten Jobs. Ein paar Menschen beginnen nun, das andere Extrem zu leben und möchten sich, idealerweise ohne Geld, zu 100 Prozent selbstversorgen. Aber wann gab es volle Selbstversorgung schon? Haben wir nicht seit ewig langen Zeiten Arbeitsteilung? Unser Ziel zumindest ist das Beste aus beiden Welten zu kombinieren! Warum für eines entscheiden, wenn es die Mitte auch gibt – und die sogar deutlich lebenswerter ist als einer der beiden Pole?

Und man kann diese Mischung ja anpassen. Wir haben ein Jahr lang gar kein Geld dazu verdient, weil wir nicht viel gebraucht haben und wir etwas Erspartes hatten. Dann gibt es wieder Phasen wie die letzten Monate, in denen wir zwischen 30 und 50 Stunden gegen Bezahlung arbeiten. Im Schnitt über die letzten Jahre sind es so ungefähr 20 Stunden die Woche bezahlt arbeiten, 30 Stunden für Selbstversorgung und den Aufbau unseres Lebensprojektes (da ist schwer, eine Grenze zu ziehen) und 10 Stunden etwa ehrenamtliche Tätigkeiten.

Wenn du dich in Richtung eines selbstbestimmten, verantwortungsvollen und vielleicht auch selbstversorgenden Lebens begeben willst: Geh einfach los! Und finde deinen individuellen Weg. Vielleicht ist das ja erstmal ein Mittelweg. Von dort aus können sich dann viele weitere Wege eröffnen!

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Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

12 Gedanken über “Der Weg zur Selbstversorgung

  1. grinsekatze13

    Ihr arbeitet 60 Stunden in der Woche? Wie haltet ihr das aus? Und wann schlaft ihr dann noch? 50 ist gerade so noch gesund!! Ich hab grade ein bisschen Bammel was da im Berufsalltag so auf mich zu kommt^^

  2. Reinsch

    Hallo,
    ich würde auch einen Schritt für Schritt Umstieg raten statt zu versuchen, direkt von 0 auf 100 zu gehen. So kann man verschiedenes ausprobieren und Stück für Stück heranwachsen, ohne darauf angewiesen zu sein dass alles sofort klappt. Denn das wird es ja ziemlich sicher nicht ;)

    Ich habe mich dieses Jahr mal im Imkern versucht und merke aber schon, dass es wohl nicht das Richtige für mich ist. Halb so wild, dann folgen nächstes Jahr eben andere Experimente im Garten…

  3. Pingback: Der Weg zur Selbstversorgung | Zukunft ohne Wac...

  4. lautdenkerchristiangruber

    hallo ihr beiden ich bin der Meinung dass man schritt für schritt einen sehr guten weg für sich finden kann und in weiterer folge auch Entscheidungen nachhaltig treffen und für sich umsetzen kann da alle schnellen Entscheidungen ohne viel wenn und aber begrenzt werden und das in weiterer folge heißten könnte dass man erst wieder aus der Selbstversorgung zurück muss um sich mehr Gedanken zu machen
    Kompliment an dieser stelle für euer projekt und alles gute weiterhin
    christian

  5. Stadtpflanze

    Ich glaube, „das Ziel“ gibt es auch deshalb nicht, weil sich jeder Mensch im Laufe seines Lebens verändert. Das können Persönlichkeitsveränderungen sein, aber auch körperliche Veränderungen durch Krankheiten oder Unfälle.

    Man rechnet nie wirklich damit, dass man sich selbst auf die eine oder andere Art verändert… Aber es passiert. Immer. Bei jedem.

    Nicht bei jedem führen die Veränderungen im Lauf des Lebens dazu, dass er/sie eine andere Abzweigung auf seinem/ihrem Lebensweg geht – bei anderen schon. Eines ist so gut wie das andere, keine Entscheidung ist in Stein gemeißelt – und wenn doch: Steintafeln kann man abschleifen und neu gravieren. ;)

  6. rage

    Sympathisch! Spannend. Ich hätte nie gedacht, mich mal für das Thema derart zu interessieren. Habe das MarmeladeEinkochen, Nähen und Ausbessern von KleidungsStücken und auch den eigenen GemüseGarten belächelt.
    Über das Reduzieren (Minimalismus) bin ich an den Punkt gekommen, an dem ich stehe. Ich schneide mir meine Haare selber, koche Marmelade, gebrauche als KörpderPflegeProdukt Nr.1 nur noch KokosÖl (ewig lang hält so ein Glas als Deo, Lotion…), will mir Hoch Beete anlegen, helfe der Nachbarin in ihrem Garten, um selber was zu lernen und auch das Nähen steht an.
    Meine Intention? Tatsächlich eine Mischung aus Gedanken zu einem BlackOut, WirtschaftsZusammenbruch und der Freude erdige Hände zu haben. Ich glaube am meisten sehne ich mich nach Unabhängigkeit und geteiltes Leben, was letztendlich beinhaltet: ich gehe gemeinsam mit meiner „Region“ in „meine“ Art derSelbstversorgung. Irgendwie so.
    Danke für deinen Artikel, Michael. Ein schönes Wochenende wünsche ich euch.

    1. Michael HartlMichael Beitrags Autor

      Liebe rage,

      danke für dieses liebe Feedback! Ist eh spannend zu sehen, wie sich manche Themen auf unseren Blogs doppeln – dass fast zeitgleich was zur Smartphone-Manie geschrieben wird oder eben beide z.B. über Niko Paech geschrieben haben. Schön!

      :)

      1. rage

        Huch! Computersklave. Oups, das ist mir vorher nicht aufgefallen. Ich hoffe sehr, dass ihr nicht den Eindruck hattet oder habt, dass ich ein Trittbrettfahrer bin… Mir fiel das Thema beim Kinderarzt vor die Füße. Und jetzt, jetzt habe ich erstmals das Smartphone ganz zur Seite gelegt. So richtig für nen ganzen Tag und siehe da, ich hatte keine AutoPanne. ;) Niko Paech Beitrag? Hab ich auch noch nicht gesehen… Hab jetzt gerade nur 5 Minuten. Danke also für den Hinweis! Werd ich mir heute Abend raussuchen und mal lesen. Wie gesagt… wirklich Zufall. Hoffe, ihr wisst das.

        1. Michael HartlMichael Beitrags Autor

          Liebe Rage,

          nein, das denken wir überhaupt nicht! Wir schaffen es selber ja auch nicht, alle Blogs im Auge zu haben, die ähnliches schreiben wie wir. Und manche Themen sind so naheliegend und überzeugend, dass da natürlich Dopplungen auftreten. Ich finde das eher klasse! Und schön zu sehen, dass wir uns evtl. ähnlich sind.

          Die Niko Paech Artikel auf unserer Seite sind derzeit folgende beiden:
          https://experimentselbstversorgung.net/befreiung-vom-ueberfluss/
          https://experimentselbstversorgung.net/11-schritte-zu-einer-wirtschaft-ohne-wachstum/

          Alles Liebe,

          Michael

  7. Silvia Kastarinen

    Hallo ihr Lieben!

    Ich finde Schritt für Schritt ist ok. Alles auf einmal zu ändern verursacht nur Stress und es wird einem trotzdem stets noch was vor die Augen kommen, was es auch noch zu verbessern gibt. Ihr seid auf einem guten Weg, macht euch nicht verrückt. Alles hat seine Zeit. Seid gesegnet.

    1. Silvia Kastarinen

      Alles auf eine Karte setzen gilt es nur in der Ehe. Da sollte man sich wirklich keine Hintertür offen lassen, es klappt nur wenn man sich voll und ganz auf den anderen einlässt. und gemeinsam das Ziel verfolgt: es muss uns gelingen.

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