Der Mantel der Wildnis

Survivalskills Teil 2

Lisa Pfleger
Von Lisa Pfleger
4. November 2016

Yeah! Meine zweite, vertiefende Survivalskills Woche verbracht! 6 Tage experimentieren und nochmal neues Lernen. Man lernt nie aus :)
Meine letzte Woche bei der Wildnisschule Nawisho drehte sich um das Vertiefen unserer Skills. Wie kann man ein Shelter noch bauen? Welche Möglichkeiten gibt es noch um Wasser abzukochen? Behältnisse zu bauen? Essen zuzubereiten?

Ohne Schlafsack in einem Unterstand schlafen

Eine Laubhütte für eine Person, für die man kein Feuer braucht und trotzdem die Nächte ohne Schlafsack überlebt, haben wir in unserer ersten Wildniswoche bereits gebaut. Für diese Variante macht es aber keinen Sinn in Kombination mit Feuer. Also musste ein „Lean to“ her! Wir haben dafür gleich zwei Lean to’s kombiniert: Ansonsten bräuchte man sowieso gegenüber dieses Shelters eine Art Wand, damit die Wärme zurück strahlt. So hatten wir gleich den Doppelnutzen, dass zwei Menschen darin schlafen konnten!

Das ganze war eine ziemlich langwierige Geschichte. Fast einen ganzen Tag haben wir gebraucht um zu Acht ein Shelter für 2 Personen zu bauen! Wie soll sich das im Survival Notfall ausgehen? Und vor allem, wie sollen wir zu Acht schaffen bei unserer nahenden „Reifeprüfung“ für 8 Personen ein Shelter an einem Tag zu bauen? Und auch noch Feuer bohren? Eieiei.. das wird spannend! Vor allem dürfen wir es dann definitiv nicht so genau nehmen, müssen schneller sein und für die erste Nacht wohl eher eine notdürftige Behausung bauen, mit der es gerade so geht… Und den zweiten Tag für Ausbesserungen und Perfektion hernehmen…

Hier die Fotos für euch! Ist sehr gemütlich geworden das Shelter und die wenigen, die es testen konnten, waren begeistert! Nicht nur, dass sie die Nacht ohne Frieren überstanden haben, nein, sogar als relativ komfortabel wurde es bezeichnet ;)

Überall Wasser

Leider hat uns ein Starkregen einen Strich durch die Rechnung gemacht bevor wir die Lean To’s fertig stellen konnten. Pitschnass waren sie, weil sie leider noch nicht ganz dicht waren… Aber hey! Es war der erste Wildniskurs mit Regen! Das muss man echt auch mal anmerken, was für ein Glück wir bisher mit dem Wetter hatten… Für mich wars definitiv eine massive Komfortzonenerweiterung in Regen, Matsch und Kälte die Zeit zu verbringen. Vor allem ist auch mein Zelt undicht gewesen, weswegen ich meinen Schlafplatz an das Lagerfeuer unter der Plane verlegt habe. Meine Schuhe waren auch nicht dicht, weswegen ich bevorzugt habe, barfuß durch den kalten Matsch zu waten und meine Füße dann wieder am Feuer zu trocknen. Vermutlich kannst du dir vorstellen, dass ich es tunlichst vermieden habe mich in dieser Woche vom Feuer wegzubewegen, wenn es nicht sein musste. Spannenderweise wurde es irgendwann normal. Füße gerade erst trocken und ich muss aufs Klo? Naja, egal, wird eh wieder warm. Das war eine ziemlich coole Erfahrung für mich und ich bin so, so, so dankbar dafür! Irgendwann hören die inneren Widerstände nämlich einfach auf :) Yeah!

Noch mehr handwerkliche Skills

Die meiste Zeit der Woche haben wir dann natürlich unter der Plane am Feuer verbracht. Und dort unsere Bastelfähigkeiten etwas erweitert :) Eine neue Art Graskörbe zu flechten zum Beispiel! Das war megacool und hat mir noch mehr Gefallen wie die Flechtvariante beim ersten Kurs! Mein Korb ist richtig schön fest geworden und ich liebe so meditatives Arbeiten :)

Kulinarik deluxe

Am allerspannensten war für uns die Frage: Wie Wasser transportieren und abkochen? Und das am besten für 8 Personen? Sehr schlau wurden wir leider nicht draus, aber die Knöterichröhrchen sind schon mal ein guter Anfang und für eine Person allein gar kein Problem. Fazit: Größere Mengen sind echt zach, wenn man keine Transportmittel hat! Das Abkochen an sich ginge, in einer (idealerweise lehmigen) Grube, recht einfach indem man heiße Steine vom Lagerfeuer rein legt und das Wasser damit zum Kochen bringt.

Wasser abkochen im Staudenknöterich überm Feuer

Survival und Töten

Auch Fleisch und Töten waren für mich dieses Mal wieder Thema. Der Fakt, dass wir gelernt haben, wie man einen Fisch und ein größeres Tier (in diesem Fall ein Huhn – zur Veranschaulichung) zubereitet, war ich angeregt darüber nachzudenken. Mal von der Ethik abgesehen, fasziniert mich die Anatomie ungemein. Wahnsinn, was man dabei alles lernen kann. Ich lasse seit einiger Zeit kaum mehr eine Gelegenheit aus, wenn ich ein totes Tier finde, es in allen Details zu inspizieren und manchmal greife ich sogar zum Messer um mir alles noch genauer anzusehen. An meiner grundsätzlich veganen Philosophie, die ich zu etwa 99% durchziehe, ändert das nicht viel. Außer dass ich mir eben Gedanken über einen Survival Notfall mache und halt auch generell über das Fleisch und dem damit einhergehenden Akt des Tötens. Nichts Schönes und doch so normal. Aber für uns in der „modernen Zivilisation“ notwendig? Eigentlich nicht und doch habe ich seit einiger Zeit viele Fragezeichen bezüglich der Vorstellung von „Veganismus“ – aber dazu ein ander Mal, das würde hier zu weit führen.

Für die Pflanzenfresserchen gabs übrigens Kartoffel im Lehmmantel. Hier eine Anleitung dazu, von mir, von vor ein paar Jahren!

Wos liegt, des bickt!

Klebstoffe haben wir noch gebraut! Wirklich leiwand. Birkenteer hält Bombenfest. Wir haben Birkenrinde in einer Metalldose (Uhhhh, wie macht man das ohne Dose? Challenge!) geschlossen verkohlt. Der Teer ist dann in ein Gefäß darunter getropft.

Genau so Harzkleber aus Harz und Kohlestaub. Auch Hautleim haben wir probiert. Dazu haben wir Tierhaut in Wasser eingeweicht und eine glibbrige Maße geköchelt. Ergibt sehr elastischen Leim – also einen der nicht steinhart und brüchig ist.

Rußverschmiert im Schlamm robben

Eine weitere super Prüfung für mich in dieser Woche um aus meiner Komfortzone zu schlüpfen, war ein Anschleichspiel in der Nacht. Kalt, nass, bäh. „Ich mach das sicher nicht“ so mein erster Gedanke. Eh kaum noch trockene Kleidung und dann soll ich auch noch in den Gatsch hupfn? 30 Minuten in der eiskalten, nassen Wiese und im Matsch robben? Das halte ich keine 5 Minuten aus. Dann habe ich mich doch überwunden. Und ich bin so glücklich darüber. Dreißig Minuten Millimeter für Millimeter am Boden kriechen, jedes Fleckchen nackte Haut kohlrabenschwarz eingerieben. Bloß nicht entdeckt werden und das Lager stürmen. Puls auf 180. Kalt? Nicht die Bohne. Ich habe eher geschwitzt vor Aufregung :D Wirklich geil. Danke!

Fazit

Wie ich glaub ich schon erwähnt habe, ich schätze diese erlebte Woche sehr für das Überschreiten (müssen) meiner Grenzen. In Zukunft weiß ich einfach, dass mir Schlamm und Kälte nicht mehr so viel ausmacht. Dementsprechend werden die Widerstände im Vorhinein auch viel kleiner sein ;) Das ist für mich ein sehr wertvolles Geschenk im Rucksack meiner Erfahrungen. Es steht nämlich meine „Reifeprüfung“ direkt vor der Tür, an der wir als Gruppe 4 Tage im Wald verbringen werden, nur mit Messer und Kochgeschirr. Essen werden wir wohl nicht viel. Da ich noch nie gefastet habe, und bei Hunger schon mal stinkig werden kann, wird das wieder eine sehr wertvolle Erfahrung für mich. Da bin ich mir jetzt schon sicher ;)

Danke

Meine Ausbildung zur Natur- und Wildnistrainerin ist zum Glück noch nicht ganz vorbei (und es könnt ewig weiter gehen von mir aus ;)) aber an dieser Stelle mal ein riesengroßes Dankeschön für diesen unglaublich lebensverändernden Weg! Danke Martin und Claudia von der Nawisho und allen die das ganze noch begleitet haben. Nicht nur für mich persönlich war und ist diese Zeit ein absoluter Wahnsinn. Auch die Idee, dass wir Teilnehmer*innen mal als Multiplikator*innen weiter wirken, hat bei mir unerwarteter Weise üppig gefruchtet. Ich erinnere mich noch als ich am ersten Kurstag meinte, dass ich den Kurs eher für mich selbst machen möchte… Und dann? Ja dann ziehe ich mich diesen Sommer 3 Tage allein im Wald zurück und was passiert? Ich träume und visioniere und aus erst losen, wirren Bauchgefühlen entsteht „Das wilde Selbstversorger* Abenteuer“ – BÄM!

Meine absolute Traumvorstellung, die vielleicht bald Wirklichkeit wird. Falls dich meine Geschichten aus meiner Zeit in der Wildnisschule (alle Links am Ende des Artikels) auch nur irgendwie fesseln und du auch Selbstversorgung und Gemeinschaft interessant findest, schau es dir einfach mal an ;) Ich freue mich auf ein richtig bewegtes Jahr, in dem sich hoffentlich viele Menschen mindestens so viel mitnehmen können, wie ich mir mitnehmen durfte.

Lies alle Artikel zu meinen Wildnisabenteuern:

Lisas erste Gedanken vorab…

Die erste Wildniswoche

Erste Hilfe in der Wildnis: Wilde Hilfe!

Spurenlesen

Wildkräuter Wochenende

Vogelsprache und was es mit Survival zu tun hat!

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3 Gedanken über “Der Mantel der Wildnis

  1. Marie

    Wow, das hört sich an, als hättest du eine Wahnsinns-Zeit gehabt. Ich kriege richtig Lust, sowas auch mal zu machen. :) Ich schlafe zur Zeit draußen und versuche, trotz Regen und Kälte so viel wie möglich draußen zu sein. Das tut so gut, wenn man sich einmal überwunden hat.

    Alles Liebe an Dich!
    Marie

  2. boaspik

    Sehr interessant, wie du deine Erfahrungen schilderst. Ich mag das Survivalleben auch sehr. Da ich auch hauptsächlich vegan lebe, kenne ich das Problem – in einer Situation, wo es ums überleben geht, muß man seine Grundsätze über den Haufen werfen, man muß essen, was man bekommt. Da darf nur die Achtung vor dem Geschöpf, welches man erlegt hat, nicht verloren gehen – man sollte sich bei dem Tier bedanken, daß es sein Leben für den Erhalt meines Lebens gelassen hat.

  3. markus

    Super Lisa – Ich wünschte meine Angetraute würde sowas auch nur annähernd mal mitmachen, da versage ich schon mit überzeugen, mal einen spaziergang im wald zu machen.

    Ich bin blutiger anfänger, habe aber schon viel vids über outdoorskills geschaut und wollte dann mal diesen sommer draussen alleine übernachten. dann wurde herbst und nun bin ich immer noch nicht gewesen. aber „zur Strafe“ werde ich es nun im winter machen, mal schauen, ob ich überlebe ;-)

    Cool, dass du den matsch und regen so positiv genommen hast, da wären viele andere frauen ganz anders gewesen!

    lg

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