Dachausbau in Handarbeit

Michael Hartl
Von Michael Hartl
14. November 2011

Als Lisa und ich vor bald fünf Monaten hier am Hof ankamen, war für uns beide – und auch für Simon und Elsa, unsere Mit-Bäuer*innen, Mit-Bewohner*innen und Freund*innen hier am Hof, klar, dass wir bis zum Winter das Dachgeschoss ausbauen müssen. Bessere Isolierung, Wände, eine neue Zwischendecke und die Fenster sanieren, damit dort oben ein feines Zimmer für uns entsteht. Bis dahin lässt es sich auch im unisolierten Bauwagen draussen im Garten wunderbar leben.

Klar war auch von Anfang an, dass wir alles dort oben in Handarbeit machen möchten. Und das dies natürlich viel länger dauert als mit Elektro- und Akku-Werkzeugen.

Dann kam der Hochsommer mit seiner ersten Ernteschwemme. Parallel mussten weitere Beete anelegt werden, da ja nun vier statt wie bisher zwei Mäuler gestopft werden müssen. Ein neuer Wurzelgemüse-Keller wurde von uns gebaut und ebenso die Speisekammer mit einem besonders tiefen, maßgeschneiderten Regal ausgestattet. Natürlich alles handgemacht, ohne Maschinen oder Strom. So wie wir eben leben.

Es folgte der Herbst mit all seinen Erntearbeiten, Beete für den Winter vorbereiten, späte Saaten wie Mohn und Wintergetreide ausbringen, über 50 Quadratmeter Knoblauch stecken, kleine Reperaturen an Fahrrädern, Büsche und Bäume pflanzen und erste Arbeiten im Wald, aus dem wir diesen Winter unser Feuerholz für den nächsten Winter holen werden. Alles natürlich von Hand. Das braucht also Zeit.

Und das Dachgeschoss wartet

Ja, ein paar Handgriffe und Nachmittage haben wir natürlich auch am Dachgeschoss gearbeitet. Alle Fenster sind saniert und schließen nun wieder perfekt und sind endlich wasser- und winddicht. Erste Vorbereitungen für die Decke sind gemacht und alle Planungen sind abgeschlossen. Aber von bezugsfertig sind wir noch ganz schön weit entfernt.

Der Bauwagen ist seit den kalten Nächten mit ihren Frösten auch zu unangenehm geworden, so dass wir auf der Couch in der Küche schlafen.

Als sich all das abgezeichnet hat, wollte ich zunächst, dass es doch schneller geht, mit dem Ausbau – und hab sogar darüber nachgedacht, dass wir uns Akku-Geräte ausborgen und mit vielen Helfer*innen Vollgas geben. Aber dann habe ich mich erinnert, warum wir mit Hand arbeiten. Warum wir die Balken im Dach in Handarbeit anpassen, die Löcher mit Muskelkraft bohren und den Stroh-Lehm-Putz mit Fuß- und Handarbeit mischen und kneten werden. Warum wir hier bei allem auf elektrische oder ölbetriebene Maschinen verzichten.

Spüre, was Du machst

Wenn Du wirklich spüren willst, was Du da tust, egal ob Du mit dem Erdboden, mit Pflanzen, Holz oder Lebensmitteln arbeitest, dann solltest Du in Kontakt mit ihnen sein.

Wenn Du keine Maschinen, Traktoren und unzähligen Elektrogeräte- und werkzeuge kaufen und erhalten musst, und damit natürlich auch keinen Strom oder Benzin kaufen musst, sparst Du Dir in Summe eine riesige Menge Geld. Heißt, Du musst sie nicht verdienen – kannst also ein weiteres Stück Deiner knapp bemessenen Lebenszeit selbstbestimmt verbringen!

Wenn Du eine Maschine hast, mit der Du „einfach so“ mal schnell was erledigt hast, ist eine Fläche gefräst, ein Baum gefällt oder ein Balken abgehobelt, bevor Du klar darüber nachgedacht hast. Wenn es harte Arbeit ist, einen Ar Deiner Anbaufläche umzugraben, dann überlegst Du Dir das genau. Dann entwickelst Du über die Jahre lieber eine Methode des Anbaus ohne Umgraben, die für Dich mit Deinem Boden gut funktioniert. Wenn Du mit der (Hand-)Zugsäge statt einer (motorisierten) Kettensäge arbeitest, dann schneidest, fällst und zerlegst Du nur, was wirklich nötig ist.

Und wenn Du Dein Dachgeschoss in Handarbeit ausbaust, hast Du zusätzlich noch eine ganz besondere Beziehung zu dem neu entstehenden Raum – so wie wir sie zu allem hier und um uns herum haben – denn Handarbeit ist full contact.

Oder wie es ein Bio-Bauer mit 60 Hektar Land aus Österreich vor ein paar Monaten zu uns gesagt hat:

„Ja, wenn ihr alles mit Hand macht, da habt’s ihr dann echtes Gefühl für Euren Boden und Eure Lebensmittel. Da seit’s wieder verbunden mit dem, was ihr macht. Unsereins sitzt auf’m Traktor und spürt statt der Erde nur den Sessel unterm Arsch!“

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3 Gedanken über “Dachausbau in Handarbeit

  1. Sarah

    Hallo,

    spannend! Aber, ich habe gar nichts zu dem Thema Wurzelgemüse-Keller gefunden?!? Gibt es da keinen Artikel? Das wäre sehr, sehr schade. Ich bin brennend an Informationen und Erfahrungen zum Thema Erdkeller und ähnlichem interessiert.

    Liebe Grüße

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