Codex Alimentarius verbietet Anbau und Handel von Kräutern

Michael Hartl
Von Michael Hartl
30. April 2011

So oder ähnlich kommen nun immer öfter Ketten-E-Mails bei uns an. Heilkräuter sollen verboten werden. Selbst der Anbau für den eigenen Bedarf! So kann ich da lesen. Oder bei anderen bezieht es sich „nur“ auf den Handel, der verboten werden solle. Und zwar durch den „Codex Alimentarius“, der am 01. Mai 2011, also morgen, in Kraft treten soll. Klingt für uns als zukünftige Kleinbäuerinnen, Gärtner/innen und Selbstversorger/innen also durchaus brandgefährlich.

Aber Moment mal – gab es nicht vor knappen zwei Jahren schon mal Ketten-E-Mails, die vor dem „Codex Alimentarius“ gewarnt haben? Dass dieser am 31. Dezember 2009 in Kraft trete, wurde damals geschrieben. Und dadurch würden Vitamine zu Gift erklärt und verboten. Lebensmittel müssten dann bestrahlt und damit von den Vitaminen und Mineralstoffen befreit werden.

So weit ich weiß, ist das aber bisher nicht der Fall…

Was steckt also hinter dem Codex Alimentarius?

Im Prinzip ist der weder am 31. Dezember 2009 in Kraft getreten, noch wird er es morgen. Sondern eher 1963. Genau genommen ist er aber weder damals noch überhaupt irgendwann in Kraft getreten, denn der Codex Alimentarius – was nicht mehr oder weniger heißt als „Lebensmittelbuch“ – ist weder Gesetz, noch Verordnung. Der Codex Alimentarius wird von der Codex Alimentarius Comission geschrieben und gepflegt, die von den beiden UN-Organisationen FAO (Weltagrarorganisation) und WHO (Weltgesundheitsorganisation) eben im Jahr 1963 ins Leben gerufen wurde. Sein Zweck war und ist es, die unterschiedlichen Lebensmittel-Normen der Länder zu bündeln und eine gemeinsame Empfehlung herauszugeben. Die Arbeiten am Codex Alimentarius Austriacus, also dem österreichischen Lebensmittelbuch, begannen bereits 1896. Sind also viel älter.

Längere Zeit hatte der Codex Alimentarius also nur Empfehlungscharakter. Dies änderte sich, seit die WTO, also die Welthandelsorganisation, den Codex Alimentarius in mehreren Handelsabkommen als verpflichtend inkludiert hat. Aber auch hier kann vom Codex Alimentarius abgewichen werden, wenn es sich wissenschaftlich begründen lässt. Für den nationalen Handel – also zum Beispiel den Hofladen oder Bauernladen – hat dies alles also keinerlei Auswirkungen.

Hirtentäschel, Kamille und Schafgarbe

Hirtentäschel, Kamille und Schafgarbe

Was genau sagt der Codex Alimentarius zu Heilkräutern?

Das ist genau der interessante Punkt. Wenn Kräuter „zufällig“ auch Heilkräuter sind, aber als Lebensmittel gehandelt werden sollen, dann äußert sich die Codex Alimentarius Comission zu dem Lebensmittel. Empfiehlt also Grenzwerte für Schadstoffe, die das Lebensmittel enthalten darf, Pestizidrückstände, etc., pp. Wenn wir von Kräutern sprechen, die als Heilkräuter gehandelt werden sollen (als Hustentee, als pflanzliche Arznei, als Heilsalbe), dann gibt es gar keine Punkte dazu im Codex Alimentarius, denn der ist ja ein Lebensmittelbuch und kein Arzneimittelbuch.

Aber was ist nun mit den Heilkräutern?

Als ich in meiner Recherche zum Thema so weit war, fragte ich mich, was nun am 1. Mai 2011 eigentlich in Kraft treten soll, dass solche Verunsicherung ausgelöst hat. Da es in den Schreiben öfter hieß, die EU führe den Codex Alimentarius ein, hab ich eben dort nachgesehen. Und tatsächlich war heute Vormittag die aktuellste Meldung auf der EU-Nachrichten-Seite

Pflanzliche Arzneimittel werden sicherer

29/04/2011
Ab dem 1. Mai können nur eingetragene und autorisierte traditionelle Arzneimittel in der EU vertrieben werden. Die Hersteller hatten sieben Jahre Zeit, die Sicherheit und Wirksamkeit ihrer Medikamente zu belegen.

Das Ganze war versehen mit einem Link zur betreffenden Richtlinie: RICHTLINIE 2004/24/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 31. März 2004 zur Änderung der Richtlinie 2001/83/EG zur Schaffung eines Gemeinschaftskodexes für Humanarzneimittel hinsichtlich traditioneller pflanzlicher Arzneimittel

Also zwei PDFs heruntergeladen und durchgelesen. Ergebnis: Die Richtlinie hat als grundlegende Idee den Verbraucher/innenschutz. Wird ein Tee als Husten-Tee verkauft, soll es auch erwiesen sein, dass er gegen Husten hilft und das die Kräuter, die in diesem Tee verwendet wurden, auch genug der wirksamen Substanzen enthält. Der Nachweis soll dabei für pflanzliche Arzneien einfacher sein als für pharmazeutische. Und so gibt es ein vereinfachtes Zulassungsverfahren für pflanzliche Medikamente. Aber das Recht der Konsumierenden, dass ein Produkt auch die versprochene Heilwirkung hat, wird eben über den freien Handel und das Recht auf Verkaufen gestellt.

Wird die Teemischung vom letzten Absatz (dort noch als Hustentee angepriesen) jetzt als Wohlfühltee verkauft, gibt es keinerlei Hürden, abgesehen vom Lebensmittelrecht. In der Einleitung der EU-Richtlinie heißt es dementsprechend unter Punkt 12 auch

Nach dieser Richtlinie können pflanzliche Erzeugnisse, die keine Arzneimittel sind und die die Kriterien des Lebensmittelrechts erfüllen, in der Gemeinschaft unter das Lebensmittelrecht fallen.

Produziert Kräuter, keine Heilkräuter!

Meine Eindrücke nach einem halben Tag Recherche zu dem Thema sind folgende:

  • Will ich Kräuter als Küchen- oder Gartenkräuter anbauen, vermehren, essen und verkaufen, bleibt alles wie bisher.
  • Will ich aus bestimmten Blättern, Blüten und so weiter Teemischungen machen und diese als Erholungstee, Welnesstee, Glückstee oder sonst was verkaufen, bleibt auch alles wie bisher.
  • Will ich aber Tees und Krätuer als Heilpflanzen oder Medizinaltees verkaufen, also will ich eine garantierte Heilwirkung versprechen, dann hab ich ab morgen (1. Mai 2011) eine Hürde zu nehmen, die für viele kleine Betriebe leider viel zu hoch ist.

Dieser letzte Punkt, die Holzhammermethode in vielen Gesetzen, die kleine Betriebe und kleine Landwirtschaften generell benachteiligt, ist für mich ein echter Kritikpunkt an solchen Reglungen. Daher ist für mich auch klar, dass der Codex Alimentarius aus anderen Gründen durchaus kritisch beobachtet werden sollte als jenen, die derzeit durch E-Mail-Verteiler jagen:

  • Weil er immer stärker auf die Interessen einer industrialisierten Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion ausgerichtet wird.
  • Oder weil über die WTO zukünftige Richtlinien des Codex Alimentarius zur Erhöhung von bereits geltenden Grenzwerten in Europa führen könnten.
  • Oder zur Abschaffung der Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel.
  • usw.

Aber bitte mit kritischer und sachlicher Vernunft. Nicht mit Panikmache und Endzeitstimmung. Der Codex Alimentarius regelt zum Beispiel auch, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel gekennzeichnet werden sollen.

Habt ihr Euch schon tiefer damit beschäftigt? Seid ihr zu anderen Ergebnissen und Schlußfolgerungen gekommen?

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28 Gedanken über “Codex Alimentarius verbietet Anbau und Handel von Kräutern

  1. eva

    Mit der Klassifizierung "Heilkraut" oder "Nicht-Heilkraut" nach den EU-Richtlinien kenn ich mich nicht aus. Daher weiß ich auch nicht, ob solche Teemischungen rechtlich "korrekt" sind.

    Ich wundere mich über alle Teemischungen, in denen Minze ist – und das sind fast alle. Gerade bei Minze gibt es aber eine große Sorten- und Artenvielfalt, so dass man nur hoffen kann, dass da wirkstoffarme beigemischt wurden. Dann gibt es schon "wellness"-Tees mit Salbei. Ebensolche mit Baldrian. Lindenblüte, Spitzwegerich sind übliche Zutaten. Aber das sind nur ein paar Beispiele.

    Ich finde es völlig OK, solche Kräuter auch als Tee zu verkaufen, muss auch nicht über Apotheke oder Reformhaus laufen. Aber sie in Wellness-Mischungen beizumengen, finde ich persönlich doch fraglich, weil der/die durchschnittliche KäuferIn ja nicht weiß, dass da drin Wirkstoffe sind, die über guten Geschmack hinausgehen. Auch wenn das nach diversen EU-Verordnungen vielleicht Zutaten sind, die keine Wirkstoffe enthalten. Da wären wir wieder bei Deiner Einstiegsfrage, wer bestimmt, was "wirkt" und was nicht.

    Spezielle Tees will ich Dir nicht nennen, weil das eine zu übliche Praxis ist, um einzelne zu Schwarzen Schafen zu stempeln. Ich will nur wieder einmal auf das Problem aufmerksam machen. Ich finde, Leute müssen die Chance haben, selbst zu bestimmen, welche Stoffe sie sich zuführen wollen und welche nicht.

    Und wenn ich gezielt einen reinen Lindenblütentee kaufe, ist mir wahrscheinlich bewusster, was ich tue, als wenn ich eine wohlklingende Teemischung kaufe, wo auch Lindenblüte drin ist – selbst wenn das bei den Zutaten aufgeführt ist.

  2. D. Martin

    Ich hab nur eine Frage: Wer stellt die Wissenschaftler, die bestätigen oder widerlegen ob nun Kräuter eine entsprechende Wirkung haben oder nicht.

    Das meiner Meinung nach wäre der einzige und Wichtigste Punkt der zu beachten ist

  3. Hendrik

    Hallo Michael,

    ich bin viell. ein halbes Jahr zu spät dran, jedoch trotzdem an dieser Stelle erstmal auch ein Lob von mir, dein Artikel wirkt übersichtlich und objektiv kritisch. Habe mich in den letzten Wochen auch verstärkt mit dieser Thematik auseinandergesetzt, und mir ist aufgefallen, dass ziemlich viele dieser "Richtlinien" im Codex Alimentarius uns erklären wie wir mit GMOs(genetisch manipuliierte Organismen) umzugehen haben. Das lässt eindeutig darauf schließen, dass GMOs für die Macher des Codexes aus unserer heutigen Landwirtschaft (und Tierzucht) wohl nicht wegzudenken sind. Aber wollen wir wirklich gentechnisch veränderte Nahrungsmittel? Ist das nicht gefährlich, da es nahezu keine unabhängigen Studien darüber gibt? Wollen wir wirklich, dass Großkonzerne mit Patenten auf GMOs die Macht über unsere Grundnahrungsmittel haben? Sind wir gefragt worden? … ich auf jeden Fall nicht. Und dann wird nicht einmal eine zwingende Kennzeichnungspflicht für GMOs eingeführt. Das ist in unserer "Demokratie" eine Frechheit. Ich für meinen Teil werde – nach wie vor soweit es in meiner Macht steht – dagegen vorgehen und mich weigern solche manipulierten Lebensmittel zu essen.

    Schöne Grüße Hendrik

  4. michaela

    Lieber Michael,

    darauf kann ich dir schon eine Antwort geben, auch wenn sie dir (vielleicht) nicht gefallen wird:

    All diese "Unglaublichkeiten", wie profitorientierte Gesetze, mordende Energieerzeugung, genmanipulierte Ernährung und, und, und …. kommt in kleinen Häppchen daher. Vielfach stößt sie nur wenigen auf, die sich dann empören und als rückschrittliche Bremser, wenn nicht hysterische Deppen, dargestellt werden. Vielen sind die einzelnen Tatsachen einfach egal und manche, die sehr engagiert daran und dafür arbeiten, profitieren (zumindest monetär) davon. wann immer der Widerstand nicht stark genug ist, kann so ganz einfach wieder ein Gesetzerl, eine Richtline umgesetzt werden, ein neues, unreichend getestetes Produkt, deren Kritiker nicht selten diskreditiert werden, eingeführt und die breite Allgemeinheit "gewöhnt" sich daran. Das nächste Mal kann man dann noch ein Stückerl weiter gehen.

    Diese Salamitaktik begegnet uns oft und erinnert mich sehr an die Einhegung der Almenden, die in England stattgefunden hat, als "die Schafe" begannen, "die Menschen zu fressen".

    Und letztendlich stehen wir- im übertragenen Sinn – alle da und fragen uns, wo unsere allgemein verfüg- und benutzbaren Dorfäcker und Weiden hingekommen sind und warum auf einmal der reiche adelige Großgrundbesitzer seine Schafe auf unserer Dorfweide hält und uns rausschmeißt.

    Die "Rettet-die-Heilkräuter-Initiative" hat sicher falsch gehandelt, als sie die Auswirkungen (möglicherweise) falsch und übertrieben dargestellt hat, und damit hat sie dem Widerstand gegen diese "Almendeneinhegung" sicher angefacht, aber gleichzeitig auch torpediert, denn die "Einheger" warten ja nur auf Ansatzpunkte, damit sie argumentieren können: "alles falsch, alles harmlos, alles gar nicht so schlimm". – Ja wozu brauchen wir denn dann diesen überbordenden Reglementierungswahn? Zum Schutz der Bürger, angeblich. Ja wo bleibt denn der, wenn ich mir ansehe, wie viele Atromkraftwerke in nur Europa stehen und kein Gesetzgeber ist bereit den hilflosen Bürger zu schützen. Seit 30 Jahren etwa soll jetzt das erste Mal ein etwas zahnloser Stesstest stattfinden – jedes börsenorientierte Unternehmen wird bezüglich seiner Wirtschaftlichkeit jährlich besser überprüft, als die AKWs jetzt das erste Mal bezüglich ihrer realen Gefährlichkeit (und das nur eingeschränkt).

    Und bei der Heilkräuter-Geschichte war ja schön zu sehen: selbst du, hast als wohlmeinender, gutgläubiger und wahrheitsliebender aufrechter Mitbürger gegen die Initiative das Wort ergriffen – zu recht, denn da wurde vieles übertrieben. Aber für die "Einheger" war's jedenfalls positiv, denn du hast ja sofort angeboten, was man machen kann ("Wellness" statt "Heilung") und hast damit die Leute, die auf der Wellness-Schiene dahin schwimmen, beruhigt und als Gegner demobilisiert. Die, die dann noch weiter gelesen haben, haben vielleicht auch noch deine Kritikpunkte gelesen, die sehr wohl Berechtigung haben, aber eben erst ganz zum Schluss und ganz kurz.

    Eine Freundin, die Juristin ist, hat mir einmal gesagt: Je komplizierter Regelungen sind, desto schwieriger sind sie verständlich, umsetzbar und desto größer ist der Klärungsbedarf im Einzelfall (= Arbeit für Rechtsanwälte, Gutachter und Gerichte). Ist das der Sinn der Überreglementierung? Die Bürokratie schafft sich neue Arbeit (und zusätzliche Kosten für die enteignete Allgemeinheit)? – Dann bitte verzichte ich gern auf komplizierte, unnötige Regelungen, die nur einseitig verbindlich sind (die GMOs werden dann schon von WTO & Co überall durchgedrückt, wo es geht, da hilft auch kein Codex).

    Ich persönlich halte auch nichts von Panikmache, aber noch gefährlicher halte ich die allgemein vorherrschende Salamitaktik in Verbindung mit dem "es-gibt-keine-Alternative-Argument". – Der Mensch als denkendes, vernunftbegabtes Wesen kann immer und überall Alternativen finden, außer er will nicht – und das ist heute unser Hauptproblem. Uns allen soll das Alternativen-Suchen abgewöhnt werden (dank Maggie Thather) und es funktioniert echt gut. Kaum jemand geht her, wenn ein neues Gesetz gebastelt wird, und fragt: brauchen wir das überhaupt – alle schauen nur, welche AUswirkung hat es für mich – aha, eh niocht so schlimm, also passt's schon. Und irgendwann stehen wir dann dann und fragen uns (und leider eben auch nur wenige): Wie kommt es, dass rundherum alles aus dem Ruder läuft und sich keiner aufregt?

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Hallo Michaela,

      ich bin recht nah bei Dir, was Dein Kommentar angeht. Nur die mir darin zugedachte Rolle gefällt mir nicht ganz. ;)

      Ich bin einfach überzeugt davon, dass uns weder Panikmache, noch Verharmlosen von unguten Entwicklungen weiterhilft. Warum dem so ist, beschreibst Du eh sehr gut (Salamitaktik). Daher hab ich das in meinem Artikel auch beides nicht getan, denke ich.

  5. eva

    ausgezeichnet, wenn man sich mit Heilpflanzen und Kräutern so gut auskennt!

    Mich hat jedoch kürlich eine Idee von Thilo Bode aus meiner "ich kenn mich eh aus" und "dann solln sie halt Bio kaufen"-Arroganz geholt. Die Idee: Eigentlich sollten keine Lebensmittel, die mit Schadstoffen vergiftet sind, im Handel sein. Eigentlich sollten auch Leute, die nicht Bio kaufen (wollen, können, …) nicht durch ihr Essen vergiftet werden.

    Eigentlich kann ich dem nur zustimmen – auch wenn ich weiterhin wo geht, bio anbauen bzw. kaufen werde und auch wenn ich es ideal fände, wenn "alle" das täten.

    Und in der Weiterentwicklung dieses Gedankenganges finde ich es günstig, wenn auch der Tee-Nicht-Sebersammler und auch der Nicht-Kräuter-Gebildete Tee einkaufen kann, ohne heilkräftige Pflanzen untergejubelt zu kriegen. Nur weil diese aus Geld/Zeit/Interessenmangel nicht der Zulassung unterworfen wurden.

    Lieben Gruß

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Hallo Eva,

      lieben Dank für Dein Kommentar. Ja, Du hast völlig recht. Und ich verstehe oft nicht, warum sich darüber nicht mehr Menschen empören.

      Warum ist es erlaubt, dass Firmen uns Essen verkaufen, dass uns krank macht?

      Warum werden Technologien gefördert und am Leben gehalten, die ein zu hohes Risiko und immense Folgeschäden haben können?

      Warum lassen sich es die Menschen gefallen, ausgebeutet, benutzt und geängstigt zu werden?

      Warum stehen nicht immer mehr Menschen auf und beginnen, da nicht länger mitzuspielen?

  6. Fawkes

    Toller Artikel :)Habe gerade anderswo davon gelesen und danke für die Aufklärung.

    Meine Meinung: Wer sucht, wird auch weiterhin finden.

    Im Kräutergarten Artemisia werden Kardenwurzeln verkauft, ohne eine Andeutung, dass sie gegen Borreliose wirken sollen.

    Wer sich mit Heilkräutern befasst, wird auf Wolf-Dieter Storl treffen und so unweigerlich auch auf Artemisia.

    Übrigens: auch in den USA werden Heilkräuter seit Jahrzehnten als "Nahrungsergänzungsmittel" verkauft, weil diese "Indian medicine" ja eh nicht heilkräftig ist.

    Warum machen sich die Menschen eigenlich so viele Sorgen über die Schädlichkeit von Heilpflanzen/Wildkräutern? Ich habe noch keine Warnung gelesen, die mich über die Gefährlichkeit der Plastikverpackung des Gemüses im Supermarkt aufgeklärt hätte….

    liebe Grüsse

    Fawkes

  7. eva

    zwei Denkansätze dazu:

    1. Was bedeutet es, wenn ich 7 Jahr lang Zeit habe, meinen Hustentee auf Wirksamkeit zu testen?

    Das bedeutet erst einmal Zeit- und Geldinvestition. Wer kann das am besten? Große Betriebe. Also scheint mir dieses neue Gesetz/Richtlinie, was auch immer – dazu wie geschaffen, Kleine aus dem Rennen zu schmeißen.

    2. Ich habe am 30. April dazu im Radio gehört, dass es einige Kräuter geben wird, die ab jetzt halt jetzt keine Heilkräuter mehr sind, sondern eben Lebensmittel.

    Ich persönlich fühle mich nur bedingt "geschützt", wenn mir heilkräftige Kräuter, deren Heilkraft aufgrund von Zeit/Geld/Interessensmangel nicht offiziell nachgewiesen wurde, jetzt in Wellnessteen verkauft werden, die ich vielleicht täglich trinke. Eigentlich sollte man schon "harmlose" Drogen wie Pfefferminz oder Kamille ob ihrer Wirksamkeit nicht täglich zu sich nehmen …

    Heilkräftige Pflanzen als normale Lebensmittel zu verklopfen halte ich für bedenklich.

    Liebe Grüße,

    Eva

  8. michaela

    @ helga: über längere zeit getrunken wirken die meisten heilkräuter ziemlich "giftig" – zb kannst du dir mit pfefferminze den kreislauf respektive sogar das herz ruinieren, mit kamille (die alle für magenprobleme nehmen) den magen, usw. usw.

    selbst paracelsus sagte ja schon, dass die dosis entscheidend ist – und ich bewundere echt jeden, der öfter als ein paar mal hintereinander salbeitee runterkriegt, er ist bitter und das sagt unserem körper ja schon was, oder?

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  10. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

    Danke für das Kommentar, Helga, Du schreibst sehr wahre Worte.

    Ergänzend zu Deiner Anmerkung, dass sich für die alternativen Heilmethoden gerade viel tut, möchte ich auf die integrative Medizin hinweisen, die gerade erst beginnt sich zu verbreiten und die versucht das Heilwissen aus allen Bereichen zu kombinieren und nicht auf Grund einer Ideologie, sondern möglichst perfekt auf Erkrankung/Verletzung und Patientin zugeschnitten aus dem gesamten Pool der verschiedensten Heilweisen die richtigen Behandlungen zu kombinieren. Das spricht mir sehr zu.

  11. Helga

    @michaela, dein kommentar hat mir sehr zu denken gegeben. ich kenne auch privat mehrer menschen, die ein sehr grosses heilkräuterwissen besitzen und mit kräutern arbeiten, aber selbst die werden know-ho-mässig von allen pharmezeutInnen mit dem kleinen finger weggefegt.

    salbei für den darm? kein ahnung. aber wenn er nicht eine halbe stunde gekocht wird kann salbeitee ordentlich den magen ruinieren, wenn du ihn über längere zeit trinkst (einer freundin von mir ist das paasiert, als sie monatelang angina hatte). so einfach ist das alles nicht.

    verblödet wird man nur wenn man es zulässt. unsere gesellschaft lässt es in wachsendem ausmaß zu.

    einen trend zur vernichtung von alternativmedizinischen heilmethoden seh ich grad gar nicht, ganz im gegenteil, da tut sich löblicher weise sehr sehr viel in europa, was ich sehr gut finde. natürlich sind ärztekammer und pharmalobby da unerfreut – die sehen aber vor allem ständig jene leute, die bei pfuschern waren. die anderen kommen ja nicht zu ihnen… alles hat zwei seiten! liebe grüsse!

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  13. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

    Hallo Bella,

    Avaaz macht ausschließlich Online-Petitionen. Keine eigene politische Hintergrundarbeit, keine Fachexpertisen oder ähnliches, keine Projekte oder ähnliches.

    Avaaz möchte Aufmerksamkeit für Themen schaffen und vermeintlichen Druck über Online-Unterschriften aufbauen.

    Wenn ein Thema also so aufkocht, ist es natürlich interessant, um an weitere E-Mail-Adressen zu kommen. Das ist nämlich überlebenswichtig für eine Organisation wie Avaaz.

    Wie ernst es ihnen mit der Petition war, muss jede selbst entscheiden, allerdings haben sie selbst diese Petition nicht auf ihrer Startseite angezeigt – und auch über das Menü war sie nicht auffindbar. Nur über Direktlink.

    Nur meine Meinung. Eine Bewertung des Ganzen bleibt allen selbst überlassen.

  14. BioBella Stranzl

    danke michael für diesen artikel. auch ich habe verschiedene infos erhalten und mich gefragt, was genau dahinter steckt. leider habe ich die genauere recherchen in den letzten beiden wochen zeittechnisch nicht untergebracht. als ich aber vorgestern von avaaz.org angeschrieben wurde, ihre petition zu unterzeichnen, dachte ich, dass es nun doch seine richtigkeit hat mit der gefahr pflanzliche arzneimittel zu verbieten. so weit mir bekannt ist, ist avaaz.org doch eine organisation der man vertrauen kann, oder nicht? danke jedenfalls nochmal für die genauen ausführungen. werde ich sofort auf meiner seite teilen! lg, biobella

  15. michaela

    den artikel find ich im ansatz gut, was ich schlecht finde ist die vermischung von objektiver recherche und seltsamen ratschlägen wie: produziert kräuter, keine heilkräuter!

    was ist das ergebnis dieser seltsamen forderung:

    jedes "kraut" hat auch auswirkungen auf den körper, v.a. die TCM hat das sehr gut erkannt und bezeichnet den koch als quasi ersten apotheker. nur in unserer industrialisierten welt mit industrieller nahrungserzeugung tun wir so, als ob nahrung für den körper neutral ist, wissen aber doch, dass zucker und weißes mehl, vielleicht doch nicht so gut sind, sauerkraut blähungen verursacht, aber gut gegen skorbut ist, und kaffee anregend wirkt, hopfen aber beruhigend. und damit ist dann vielfach schon schluss mit dem wissen um die wirkung unserer nahrung. dass citrusfrüchte im winter zwar vitamin c liefern, aber abkühlend auf den körper wirken und damit in unseren breiten eigentlich kontraproduktiv sind, wissen die wenigsten und das hat seinen grund in den vielen orangen und mandarinen in den winterlichen supermarktregalen.

    wenn wir uns also weiterhin ernähren, machen wir einwirkungen auf unseren körper, aber nun halt unter dem titel "nahrungsmittel" oder "kräuter" – wobei das noch egal wäre. aber es dürfen keine auswirkungen auf die körperliche verfassung mehr kommuniziert werden, zb. dass kümmel bei der verdauung hilft, beiwell und arnika bei verletzungen, salbei bei darmbeschwerden, thymian bei verkühlungen, mistel bei blutniederdruck …. alles sind ja nur mehr schlichte kräuter ohne wirkung. und da solches wissen ja nur bei apothekern und ärzten gut aufgehoben ist und im täglichen leben auch nicht mehr präsent sein wird (sind ja nur mehr wirkungslose kräuter), wird es – mangels gelebt sein und mangels popularität – bald in vergessenheit geraten und hilfe nur noch von den pharmaunternehmen kommen. damit wurden heilkräuter zwar nicht verboten, die wirkung ist aber die selbe wie bei der inquisition – uraltes wissen um gesundheit und wirkung unserer umweltbestandteile wird zu gunsten einer "macher-philosophie" auf dem scheiterhaufen der ignoranz verbrannt – um die armen, dummen konsumenten vor scharlatanen zu schützen.

    in dem sinne werde ich auch weiterhin heilkräuter in meiner kräuterspirale produzieren und meinen kindern das wissen um ihre heilkraft weitergeben – ob sie nun ärzte und apotheker werden, oder nicht. denn ihre lehrer und die welt, in der ich sie leider leben lassen muss, tun ja alles dafür, sie dumm und handzahm bleiben zu lassen.

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Schade das Du meine Zwischenüberschrift am Ende für die Essenz meines Artikels hältst. Zur Erklärung, die Deinem Kommentar schon sehr nah kommt:

      Ich denke, wir sollten einfach aufhören so zu tun, als seien manche Gewächse Heilkräuter und andere nicht, sondern akzeptieren, dass unsere Nahrung generell und immer eine fördernde oder schwächende Wirkung auf unseren Körper – und damit indirekt auf unsere Gesundheit hat. Egal ob wir sie Heilkraut, Medizinaltee, pflanzliche Arznei oder sonst wie nennen. Zweiteres hilft uns nur beim kommerziellen Absatz unserer Produkte, wenn wir Naturkosmetik oder Hustentees herstellen. So dürfen Menschen, die Dinge verkaufen, das zukünftig nicht mehr nennen – und haben jetzt Angst um ihre Profite. Und ja, das ist mir ziemlich egal! Denn diese Hersteller/innen haben bisher auch nicht dazu beigetragen, das Wissen um die Heilkraft der Pflanzen zu fördern. Die schreiben Hustentee drauf. Lerneffekt: gegen Husten hilft also Hustentee – und das …. Hustenkraut?

      Wo ich Dir absolut zustimme ist, dass dieses Wissen nicht verloren gehen sollte und erhalten bleiben muss. Dazu muss aber das Wissen gelehrt, verbreitet, weitergegeben und niedergeschrieben werden. Nicht vermarktet werden. Und exakt das – das Wissen an sich und dessen Vermittlung – ist nach wie vor nicht verboten. Und wird auch nicht verboten werden.

      Das, um ein Beispiel von Dir zu nennen, Kümmel bei der Verdauung hilft, darf sehr wohl kommuniziert werden. Auch darf dieses Wissen weitergegeben und niedergeschrieben werden. Wenn Du aber Deinen selbstangebauten Kümmel schön teuer verkaufen willst und daher nicht sagst "Das ist Kümmel" sondern "Das ist Kümmel, ein Verdauungsförderer", dann ist das nach wie vor nicht verboten, sondern Du musst zwei Dinge tun:

      1. (wenn noch nicht von jemand anderem erledigt, da dies nur einmalig geschehen muss) Den allgemeinen Nachweis bringen das Kümmel diese Wirkung hat (für pflanzliche Arzneien in einem vereinfachten Verfahren, gerade weil man sie "trotz Konsument/innenschutz" fördern will).

      2. Nachweisen, dass Dein Kümmel das Mindestmaß an den Wirkstoffen hat, die die Wirkung erzielen.

      Also wer unbedingt Geld mit Werbebotschaften machen will, kann dies weiterhin – nur werden die Leute zukünftig mehr davor geschützt.

      Wer das alte Wissen über z.B. Kümmel weitergibt – und dann zufällig auch Kümmel als Kümmel verkauft, für den ändert sich nichts.

  16. Helga

    "heil"- oder "medizinische" produkte zu verkaufen durften schon bisher ausnahmslos promovierte ärztInnen und pharmazeutInnen, also apothekerInnen. schon bisher wurden viele tees nicht als tee verkauft, sondern als getrocknete pflanze. ein kleiner blick im teeregal der bioläden wirkt erleuchtend, die verkaufen nie "brenesseltee" sondern nur "brennessel". und entsprechen damit den rechtlichen verordnungen.

    finde ich auch ganz in ordnung, weil es zahlreiche kräuter gibt, die man nicht ohne gute beratung und nur unter bestimmten umständen einnehmen darf. lavendel zb nicht wenn man die pille nimmt, kamille keinesfalls ins auge, chrysanthemen nur kurzzeitig und nur bei schlimmen beschwerden… und vieles nicht in kombination mit bestimmten medikamenten! die notwendige information haben nun mal nur pharmazeutInnen.

    ganz verstehen tu ich also nicht was diese neue regelung ändern wird.

    @sonja – ich könnte vieles berichten was ich mit ausgebildeten ärztInnen schon erlebt habe. die misteltherapie ist schulmedizinisch bei krebserkrankungen anerkannt (ich kenne zwei ärzte die sie anwenden).

  17. Sonja

    Danke für den Artikel. Hab mich schon tagelang geärgert über die Kettenmails und bin ganz bei euch. Ich sammle Kräuter und verarbeite sie, mache Pestos, Wildkräutersalze oder Honig, zB.: Löwenzahnhohig. Ich sag auch dass Pflanzen wirken, etwa dass Spitzwegerich schleimlösende Wirkung hat. Damit kann er bei einer Bronchitis unterstützen, aber nicht heilen. Dass die Pharmaindustrie es den Heilkräuterproduzenten schwer machen will, ist natürlich eine Sauerei. Allerding wird da auch von Heilpraktikern viel Mist betrieben, vor dem man KundInnen auch schützen muss. Ich hab als Krankenschwester mehr einmal erlebt, daß eine Patientin mit Brustkrebs auf Anraten eines Naturheilespezielisten monatelang in Mistel getränkte Tücher auf ihre Brust gelegt hat, solange bis es für eine rettende Chemotherapie zu spät war. Das fand ich immer verbrecherisch! Also KonsumentInnenschutz ist da schon auch gut und wichtig.

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