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Wie stellst Du Dir die Welt in 50 Jahren vor?

Michael Hartl
Von Michael Hartl
24. November 2017

Als die Frage auf mich zu kam, wie ich mir die Zukunft in 50 Jahren vorstelle, dachte ich zuerst: So wie heute, nur ein bisschen anders. Andererseits versuche ich seit so vielen Jahren mein Leben konkret zu verändern und auch auf gesellschaftliche Veränderungen hinzuwirken. Es wäre also fast schon schade, wenn sich so wenig tun wird. Daher möchte ich heute nicht unbedingt die Welt zeichnen, wie ich glaube, dass sie sein wird, sondern eine Utopie, wie sie sein könnte, wenn wir es wollen.

Kurz noch zum Anstoß für diesen Artikel: Der kam von der BSH Hausgeräte GmbH, einem Unternehmen der Bosch Gruppe. Die haben nämlich laut Ihrer Website weltweit verschiedenen Visionär*innen genau diese Frage gestellt: Wie leben wir in 50 Jahren? Die Antworten, die man auf der Website auch finden kann, sind bunt gemischt – und überwiegend sehr technologielastig. Ich weiß nicht, ob es sooo anders sein wird in der Zukunft, was unseren Alltag mit Technologie angeht. Aber ich bin bereit, eine Welt mitzugestalten, in der sich vor allem sozial vieles verändert und wir zu einem entschleunigten Lebensstil finden.

Ein Tag im Jahr 2067

Ich stehe in der früh auf, kurz nachdem ich gut ausgeschlafen erwacht bin. Ohne Wecker! Den hab ich schon lange nicht mehr gehört. Es ist ja zum Glück in den letzten 50 Jahren normal geworden, wieder mehr mit sich in Kontakt zu sein. Darum gehen viele von uns einfach ins Bett, wenn wir müde sind und schlafen dadurch ausreichend. Meine Morgenroutine besteht immer noch aus einer kurzen Meditation und Sport an der frischen Luft. Die es nun auch wieder in den Städten gibt. Trotzdem gehöre ich zu dem Teil der Gesellschaft, der sich für ein Leben mit weniger Bots und digitalen Assistent*innen und Sensoren entschieden hat. Draußen am Land, wo wir in Gesinnungsgemeinschaften leben, wie Grant McCracken das genannt hatte. Menschen, die sich aus den urbanen, hochtechnisierten Städten zurückgezogen haben, um wieder näher an der Natur zu leben und dort mit der Herstellung handwerklicher Produkte und Landwirtschaft beschäftigt sind.

Foto einer Gruppe von Menschen, die am CSA-Betrieb Sepplashof mitwirken

 

Aus solcher gemeinschaftlich betriebener Landwirtschaft kommt auch mein Frühstück, das ich mir in meiner kleinen Wohnung zubereite. Dafür habe ich eine kleine Küche, die nur sehr wenige technische Geräte beinhaltet. Diese sind im Gegensatz zu früher für Langlebigkeit und praktische Anwendung konzipiert. Auch wenn natürlich daneben eine andere Schiene entstanden ist, die mit sogenannten „intelligenten“ Systemen ausgestattet sind, die ein Anbrennen des Essens verhindern oder Produkte nachbestellen, die im Kühlschrank zur Neige gehen. Aber hey, ich bin vor bald 90 Jahren geboren worden: Ich kann selber kochen! ;)

Nach dem Frühstück gehe ich an meine Arbeit, denn trotz meines hohen Alters bin ich fit. Der fortschrittlichen Medizin und der guten Lebensweise sei Dank! Und obwohl ich nicht arbeiten müsste, denn in meinem Alter reicht mir das bedingungslose Grundeinkommen samt Rentenzulage völlig aus, arbeite ich gerne. Ich gebe meine Erfahrungen an andere Interessierte in unserer Gemeinschaft weiter, die dieselben landwirtschaftlichen und handwerklichen Tätigkeiten ausüben wie ich.

Meine Vision: Entschleunigtes, genügsames Leben ermöglicht Fairness und ökologisches Leben

Mittags bin ich dann bereits durch mit meinen bezahlten Arbeitsstunden. Denn die Zeiten, zu denen das Arbeiten und die damit verbundenen Zeitaufwände wie Fahrten zur Arbeit und ähnliches noch 45 Stunden die Woche und mehr vom arbeitenden Teil der Gesellschaft verschlungen hat, während der andere Teil sich ob seiner Arbeitslosigkeit schämen und in die Armut befördern lassen musste, sind zum Glück schon seit Jahrzehnten vorbei. Die 4 Stunden täglicher bezahlter Arbeit, der wir alle jetzt, im Jahr 2067 nachgehen, lässt sich gut erledigen, ohne dass wir nicht wissen, wann wir noch ein wenig Freizeit, ein wenig Sport und ein wenig Familie und Freunde unterbringen sollen.

Und genau dorthin, nämlich zu dem Teil meiner Familie, der in der nahen Stadt lebt, fahre ich nach dem Mittagessen. Die Fortbewegung ist heute viel ökologischer als sie in meinen jüngeren Jahren in den ersten dreißig 2000-ern war. Niemand braucht mehr eigene Fahrzeuge – und niemand will sich mehr mit einem eigenen Auto belasten. Auch wenn wir mal einen Transport haben oder irgendwo hin wollen, wo kein Zug hält, brauchen wir kein eigenes Auto. Selbstfahrende Autos, die uns allen gemeinsam gehören, werden ökologisch zu den eingetragenen Terminen geplant – teils sitzt Du alleine im Fahrzeug, teils mit anderen. Die Gespräche, die sich dabei entwickeln, tragen zu dem wieder persönlicher gewordenen Umgang untereinander bei.

Die Stadt als Ort der Technologie und Medizin

In der Stadt angekommen fühle ich mich heute viel besser, als es früher der Fall war. Damals stieg ich aus Bus oder Zug aus und war jedes Mal wieder erschrocken von der Lautstärke dort. Von der Hektik. Von der abgasschwangeren Luft. Ja, die Stadtplanung hat Gott sei Dank Ihren Beitrag dazu geleistet, einen entschleunigten, sozialen und gesunden Lebensstil zu ermöglichen. Es wurde immer mehr von den genialen Ideen umgesetzt, die unsere Städte und Dörfer tatsächlich als Lebensräume entwickeln. In denen Platz ist. Und Ruhe. Und Kultur.

Foto eines Paares, das über einen Markt schlendert

Die Städte sind ja nun so gut wie autofrei – abgesehen von Lieferfahrzeugen in einem schmalen Zeitfenster pro Tag und öffentlichen Notwendigkeiten wie Rettungsdiensten und Transporten von hilfsbedürftigen Menschen. Denn innerorts ist ja alles zu Fuß, mit dem Fahrrad oder über das sehr gute, unterirdische Netz von öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Die natürlich gratis für alle zu nutzen sind.

Mit diesem erreiche ich das Gesundheitszentrum, in dem ich präventiv untersucht werde und eine Beratung bekomme, wie ich weiter so fit bleiben kann. Dieser hoch-moderne, technologisch raffinierte Medizinbereich, der dadurch deutlich weniger Chemiebomben und grobe Eingriffe braucht als früher, ist eine der wunderbaren Anwendungen von Künstlicher Intelligenz und neuartigen Sensoren. Wie mein Unterhemd, zum Beispiel, das den Rettungsdienst alarmiert, wenn sich ein Herzinfarkt ankündigt, noch bevor er stattfindet. Und meine Position durchgibt. Undenkbarer Fortschritt noch vor wenigen Jahrzehnten.

Bäume statt Autos – auch in der Stadt

Die Wege, die wir alle zurücklegen müssen, sind kürzer und deutlich ansprechender gestaltet. Der Weg vom Gesundheitszentrum zum Wohngebäude, wo ich Teile meiner Familie besuche, führt am Bauernmarkt vorbei. Dort, und nicht im Lebensmittelversand, in dem viele nun bestellen, hole ich die Zutaten für ein wunderbares Abendessen. Der gesamte Weg, den ich dabei zurücklege, geht nicht mehr wie früher in Städten oft üblich, an lauten Straßen entlang, sondern ich spaziere zwischen großen Bäumen, in denen wieder Vögel leben und zwischen denen Kinder spielen. Dort wo früher Autos geparkt haben, ohne regelmäßig verwendet zu werden.

Bild eines Platten-Weges durch einen Park mit großen Bäumen

Das Abendessen ist so, wie jetzt, 2067, die meisten Menschen es gestalten: Es kommen mehrere Menschen zusammen, kochen gemeinsam und genießen das Leben, die Freundschaft und das gute Essen.

Und apropos Essen: Die Menschen ernähren sich jetzt großteils vegan. Der kleine Anteil der Ernährung, der an das Fleisch und den Fisch von damals im Jahr 2017 erinnert, ist synthetisch hergestellt. Gleiches Geschmackserlebnis ohne die ethisch hohen Kosten durch Umweltverschmutzung, Landverbrauch und Tiernutzung.

Die Ideen der anderen?

Wie eingangs erwähnt, wurde die Frage nach einer Zukunfts-Vision auch anderen Personen gestellt. Deren Ergebnisse sind aus meiner Sicht teils völlig abgedreht, teils sehr nah an meinen dran. Grant McCracken, kanadischer Kulturanthropologe, hat ebenfalls die Vorstellung einer Gesellschaft, die sich in die aufteilen wird, die vom Fortschritt große Vorteile ziehen und daher technologie-zugewandt in den Städten leben und in Menschen, die das nicht möchten oder können und sich dann einer „handwerklichen Ökonomie“ zuwenden, wie er das nennt. Auf technologischer Ebene habe ich einiges bei Xiaojing Huang, User Experience Designerin, gefunden, dass ich auch erwarte. Sie sieht in der Zukunft überall Technologie. Von KIs über virtuelle Realitäten hin zu ganz neuartigen Materialien und Anwendungen. Diese ganze Technik verstecke sich aber recht gut (wie in meinem Unterhemd) und unterstütze uns.

 

Auch in den anderen Experten-Visionen geht es vor allem um zwei Dinge: Technologie und Beziehungen. Wenn die Welt sich auch auf technologischer Ebene so positiv entwickelt, dann wäre das toll. High Tech, dort wo es Sinn macht – aber nicht als Spielerei oder reinem Fortschrittswahn, sondern um dem Menschen zu dienen. Ihm Zeit zu schenken. Die wir dann alle gemeinsam wieder mit dem Verbringen können, dass uns allen wichtig ist: Mit den Menschen, die wir lieben.

Wie sieht Deine Utopie für das Jahr 2067 aus?

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Ein Gedanke zu “Wie stellst Du Dir die Welt in 50 Jahren vor?

  1. Susanne

    Michael, ich lebe in Japan und werde gleich schlafen gehen. Die positive Kraft deiner Vision hat mich in den Bann genommen, sie entspricht meinem tiefsten Wunsch, und wird mich gut schlafen lassen. Wie kraftvoll!
    Es tut gut zu wissen, dass es „da draussen“ Menschen gibt, die solche Visionen schon beginnen zu leben. Ich lebe sie alleine so gut es geht, doch um mich herum sieht es hier noch ganz anders aus. Danke…

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