Autos gemeinsam nutzen

Ein Carsharing-Verein für unsere Region

Michael Hartl
Von Michael Hartl
3. Juli 2012

Wer uns kennt weiß, dass wir sehr gerne mit dem Fahrrad unterwegs sind. Wir fahren mit dem Fahrrad und dazugehörigem Anhänger auch die 10 Kilometer in die nächste „Stadt“. Hier können wir einkaufen, was wir benötigen: Werkzeuge, Material zum Konservieren, Lebensmittel, die unser Garten hier noch nicht hergibt. Aber alle paar Monate brauchen auch wir mal ein Auto.

Für den Umzug vom Hof in Tschechien zu unserem neuen Lebensort im Südburgenland zum Beispiel. Oder wenn mal schwere, große Dinge transportiert werden müssen. Oder die Strecke eines Transportes einfach zu weit ist, um sie mit dem Fahrrad in vertretbarer Zeit zu bewerkstelligen. Und immer funktioniert es nicht, Fahrrad und Zug zu kombinieren.

Autos als Teil einer intelligenten Verkehrsnutzung

Es gibt sie also, die Einsatzzwecke für Autos und Transporter, die notwendig scheinen. Wer in abgelegenen Gegenden wohnt und zu seinem Arbeitsplatz pendeln muss, kann manchmal schwer auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen. Von hier täglich nach Graz zu pendeln, ist zum Beispiel mit Bus und Bahn unmöglich. Ich selbst würde überlegen, näher zu meiner Arbeitsstelle zu ziehen, weil mir so viel Fahrerei jeden Tag auf den Senkel gehen würde. Aber wenn die Situation nun Mal so ist, dass ohne Bus oder Bahn gependelt werden muss, führt kein Weg an einem eigenen Auto vorbei. Hoffentlich wird dann möglichst oft eine Fahrgemeinschaft gebildet; aber das ist ein anderes Thema.

Denn neben berufstätigen Menschen, die täglich pendeln müssen, gibt es am Land auch viele andere Menschen. Solche wie Lisa und mich. Oder ältere Menschen, die nur einmal die Woche in die nächstgrößere Stadt fahren. Oder junge Familien, die einen Zweitwagen haben, damit viermal die Woche die Kinder irgendwo hin gefahren und später wieder abgeholt werden können. Und für solche Menschen lohnt sich ein eigenes Auto schon rein wirtschaftlich nicht. Ganz davon abgesehen, dass ein geteiltes Auto auch ökologischer ist.

Wenn ein Auto gemeinschaftlich genutzt wird und zum Beispiel dazu dient, die nächste Stadt zu erreichen, von der ein Zug fährt oder ein vernünftiger Busanschluss vorhanden ist, dann kann das in der Verkehrsplanung und -nutzung durchaus Sinn ergeben.

Mobilität selbst organisiert

Natürlich könnten sich solche Menschen jedes Mal ein Auto von Freund*innen oder Familie ausleihen – aber das würde jedes Mal einen größeren Aufwand erfordern. Und es würde bedeuten, dass Fahrzeuge irgendwo rumstehen, weiter in Privatbesitz, und wenig genutzt werden.

Klüger ist aus unserer Sicht die Idee, dass sich Wenigfahrer*innen am Land zu Vereinen zusammenschließen und sich über solch einen Verein gemeinsam ein Auto zulegen. Aus mehreren Gründen:

  1. Die Fixkosten werden gerecht aufgeteilt. Trotz modernem Fahrzeug mit Top-Versicherungsschutz und allem, was sich die Vereinsmitglieder wünschen, werden dadurch die Pro-Kopf-Fixkosten, verglichen mit dem individuellen Privatbesitz von Autos, massiv reduziert sein.
  2. Es ist ökologischer als mehrere Fahrzeuge zu produzieren und später zu verschrotten. Die gefahrenen Kilometer sind ja in beiden Fällen die selben. Das Carsharing-Fahrzeug wird aber im Schnitt technologisch fortgeschrittener sein als wenig genutzte Fahrzeuge, und so auch in diesem Punkt weniger belastend für die Umwelt.
  3. Der für mich wichtigste Punkt: Es ist für alle Beteiligten bequemer! Die Mitglieder haben einfach ein funktionierendes Fahrzeug. Keine Umstände oder Zeitaufwand für Hauptuntersuchung, Abgasuntersuchung, Wartung, Reparaturen, Reifenwechsel, ……

Carsharing hier und überall

Wir haben hier im Ort und den umliegenden Dörfern nun mit verschiedenen Freund*innen und Bekannten über diese Idee gesprochen. Der Anklang bisher ist deutlich größer als erwartet. Juhuuu!

Wir werden also gemeinsam mit einer Hand voll weiterer Menschen die Initiative ergreifen und einen Carsharing-Verein gründen. Einen Vorbild-Verein habe ich schon gefunden. Und das Auto würde wohl vorläufig eine der Gründungsmitglieder zur Verfügung stellen. Nun heißt es weiter recherchieren und berechnen – aber nicht zu lange, denn was zählt, ist einfach zu handeln!

Hat wer von Euch Erfahrungen mit selbstorganisiertem Carsharing? Was haltet ihr prinzipiell von der Idee? Und für wen könnte das lukrativ sein?

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12 Gedanken über “Autos gemeinsam nutzen

  1. TinkaBell

    Wir hatten uns vor unserem Umzug (als wir in der Großstadt gelebt haben) auch mal mit Car-Sharing beschäftigt, uns aber am Ende dagegen entschieden, weil wir so wenig Auto gefahren sind, dass Ausleihen bei irgendeinem Autoverleih für uns wesentlich günstiger war.
    Jetzt wohnen wir ein bisschen mehr auf dem Land und können ein Auto mitbenutzen. Das tun wir leider auch viel zu oft. Wir finden immer wieder ausreden, warum wir dann doch ein Auto „brauchen“. Im Endeffekt könnten wir viele von den Sachen, für die wir das Auto ausleihen, auch mit dem Zug erledigen. Tun wir aber nicht… Wir fahren zwar immer noch nicht besonders viel, aber viel mehr, als unbedingt notwendig. Und es wäre mit eigenem Auto noch viel schlimmer. Wenn das Auto dann nämlich schon mal vor der Tür steht, dann ist jeder Weg zur Bushaltestelle unbequemer.
    Ich glaube, je leichter der Zugang zu einem Auto ist, desto mehr Gründe findet man, es am Ende auch zu benutzen. Die Variante „Mühsam bei Freunden/Verwandten eins ausleihen“ halte ich daher für ökologischer (und wirtschaftlicher (natürlich mit Kostenbeteiligung!)), wenn man bisher kaum ein Auto verwendet hat.

  2. DerInderInDerInderin

    Also ehrlich gesagt – auch wenn ich den Ansatz von Carsharing und gemeinschaftlicher Nutzung von Wirtschaftsgütern gut finde (das sollte jeder, der seine Sinne beisammen hat, verstehen) – bei manchen Menschen sind mehrere Fahrzeuge einfach sinnvoll. Und ob ein eventuell günstiger Kleinwagen, der bei einem Carsharing-Projekt extensiv genutzt wird und entsprechende Verschleißerscheinungen zeigt wirklich für die Umwelt besser ist als sagen wir 5 Kleinwagen, die in entsprechend rein privat genutzt, dafür selten aus der Garage geholt werden, sei mal dahin gestellt. Ein Kollege hier fährt einen alten kleinen Franzosen, das Fahrzeug zählt beinahe als Oldtimer. Da er wenig genutzt wird, hält das Fahrzeug schon ewig (29 Jahre), und wird bei entsprechender Nutzung auch noch sehr lange vorhalten.
    Würde er sich dieses Fahrzeug mit mehreren Parteien teilen (und leider ist es so, dass gemeinschaftliche Güter nicht von allen mit dem gleichen Interesse gepflegt werden wie ein privates Gerät), wäre es wohl schon lange vom Nachfolger des Nachfolgers des Nachfolgers ersetzt.

    Versteht mich nicht falsch, Carsharing ist ein wichtiger und guter Ansatz. Er passt aber nicht in alle Lebensumstände und alle Umgebungen. Manchmal ist (um ein anderes Beispiel zu nennen) für eine ältere Person der alte Wagen vor der Türe auch das letzte Stück Freiheit, was man sich bewahren konnte, bevor es ab an die vorletzte Heimstätte geht – ins Altersheim.

    Das es die heutigen technologischen Monster mit teilweise 3 Tonnen und mehr Technik als in der Mondlandefähre nicht unbedingt bräuchte, ist hierbei wohl klar ;)

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Das ist eine Option, die wir derzeit auch besprechen. Da ist halt auf der einen Seite das massive Umweltproblem mit den Akkus, die auf Dauer dieser green economy Idee sowieso den Rücken brechen wird, auf der anderen Seite ist der Einstieg nicht ganz so einfach möglich. Aber wir haben schon Kontakt zu einem Anbieter solcher Fahrzeuge und suchen nach Wegen. :)

  3. Kristof

    Wir sind drei Autofahrer in der Familie, haben kein Auto und nutzen ausschließlich Carsharing. Manchmal – aber selten – kommt es vor, dass jeder vor uns ein eigenes Auto bucht, weil wir verschieden Ziele haben. Wer hat schon den Luxus drei Autos gleichzeitig zu nutzen. Anderer Vorteil ist, dass man sich das Auto – zumindest bei Carsharing -, je nach Einsatzzweck aussuchen kann. Vom Smart Cabrio bis zum Mercedes Transporten ist alles bei uns vorhanden. Wir können so – gerade, weil wir kein eigenes Auto haben – aus dem Vollen schöpfen.

  4. Monika

    Ich bin seit einigen Jahren Mitglied in einem Carsharing-Verein (in Deutschland)mit nur einem Auto, wir waren anfangs ca. 8 Leute, mittlerweile so um die 15, die Mitgliederzahl schwankt halt. Bei uns läuft es so, dass man zum Beitritt eine Kaution hinterlegt, dann zahlt man einmal im Jahr 35 Euro Vereinsbeitrag und dann gibt es noch je nach Tarif (Vielfahrer oder Wenigfahrer) monatliche Gebühren, Gebühren für die gefahrenen Kilometer und für die Zeit, in der man das Auto nutzt. Von diesem Geld wird dann das Auto finanziert, d.h. Benzin, Reparaturen, Wartung etc. Ich lebe in einer nicht sehr großen Stadt und finde das Prinzip super. Ach ja, noch kurz zu den Buchungen, wir können via Internet in unser Buchungssystem gehen und dort angeben wann wir das Auto nutzen möchten, wenn es frei ist, o.k., wenn nicht muss man nach einem anderen Termin suchen.

  5. Ferun Namid

    Ich gehöre auch zu denen, die ein Auto brauchen. Carsharing finde ich etwas abschreckend. Mit einem ehemaligen Arbeitskollegen zusammen hatte ich eine Fahrgemeinschaft. Carsharing wäre nicht meins. Ich habe lange auf mein Auto gespart und er ist erst 5 Jahre alt. Alleine dürfen damit allenfalls Familie und enge Freunde fahren. Aber das Auto fremden zu überlassen würde mir Bauchweh bereiten.

    Leider habe ich momtan niemanden, der die gleichen Arbeitszeiten hat wie ich und mit dem ich wieder eine Fahrgemeinschaft bilden könnte. Das ist leider immer so ein kleines Problem.

  6. Manuel

    Die Idee des CarSharing ist im Prinzip nicht neu. Und in Deutschland gibt es schon in vielen der größeren Städte CarSharing-Vereine. Wie gut die funktionieren und wie die Nutzerzahlen sind, weiß ich aber nicht. Es gibt eine Seite, die die CarSharing-Angebote bundesweit zusammenfasst. Zudem gibt es auch haufenweise Informationen zu Forschungen in diesem Bereich: http://www.carsharing.de
    Vielleicht findet ihr dort ja noch mehr Informationen, um euren eigenen Verein gut aufzubauen! Ich finde, es ist immer eine gute Idee, soweit wie möglich auf das Auto zu verzichten. Und wenn es dann doch mal nicht anders geht, solche Angebote zu nutzen!

  7. Gunnar

    Es wird auch Zeit das in diese Richtung ein umdenken stattfindet. Ich kann euer Vorhaben nur befürworten! Ich gehöre leider zu den Berufspendlern die ein Auto benötigen da ich weder eine anständige Bahnverbindung noch eine "Kurzstrecke" habe (einfach 62km). Der Umwelt zuliebe habe ich mir aber auch ein Elektroroller angeschaft, abgesehen von meinem Fahrrad.

    Über dein Thema habe ich mir auch schon mal Gedanken gemacht. Perfekt wäre wenn es in jedem Dorf ein Auto/Transporter für die Gemeinschaft gäbe. Durch ein Verein ist es leicht zu Regeln denke ich. Es sollte ein Monatlichen Grundbetrag(Versicherung) dafür geben, sowie eine Nutzunggebühr(mögliche Reparaturen/Tüv). Tank natürlich nur der Verbraucher. Ich bin gespannt ob euch das auch gelingen wird! LG

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