Ein Gastartikel auf Lisa und Michaels Blog:

Arbeit . Macht . Abhängigkeit

Ein Plädoyer für selbstbestimmtes Leben

Pia Selina Damm
Von Pia Selina Damm
2. Juni 2015

Sie ist omnipräsent. Die Frage: Und, was machst du beruflich? Oder bist du noch in Studium oder Ausbildung? Nein, keins von beiden. Können wir aufhören, in diesen Kategorien zu denken?

Wieso?

Ich habe mein Studium erfolgreich abgebrochen. Warum „erfolgreich“? Weil ich mit dieser Entscheidung absolut zufrieden bin und ich sie nicht aufgrund von „schlechten Zensuren“ getroffen habe.

Nach meinem Abitur dachte ich: Wuhey! Endlich frei, endlich nur Inhalte aus innerer Motivation lernen, zu denen ich Freude habe. Tja, falsch gedacht: Die Strukturen des Auswendiglernens und des institutionalisierten Leistungsdrucks werden im Studium eifrig reproduziert. Fragwürdige Lernmethoden werden angewendet und Wissen wiederholt und ausgekotzt.

So widmete ich mich schon während der zwei Semester, die ich an der Uni verbrachte, nur halbherzig dem vorgesehenen Studium. Viel spannender und erfüllender fand ich die Arbeit an gesellschaftspolitischen Projekten. Und so war die Entscheidung recht schnell getroffen: Ich breche ab und werde Vollzeitaktivistin.

Zu sehen sind abgelegte Stifte, eine Brille und ein Zettel mit "Herzlichsten Dank für..."

Herzlichsten Dank für… Ja, für was eigentlich?!

Verantwortung übernehmen

Auf jeden Fall ist Studieren ein Privileg. Ebenso sich die Freiheit herauszunehmen, einfach darauf zu verzichten. Auch mein jetziges Leben ist gespickt mit Privilegien. Aus dieser Position ziehe ich für mich den Schluss, dass es tagtäglich meine Entscheidung ist, diese Privilegien zu nutzen und für gesellschaftspolitische Veränderung aktiv zu werden. Aus dieser Entscheidungsmacht resultiert Verantwortung. Diese möchte ich wahrnehmen.

Also keine Arbeit?

Spannend ist, dass das Wort „Arbeit“ für uns sehr negativ konnotiert ist. Das kommt zum einen durch die Wortherkunft, die nicht ganz klar ist: Laut Wikipedia ist der Begriff entweder verwandt mit dem indoeuropäischen „orbh”: „ein zu schwerer körperlicher Tätigkeit verdungenes Kind” oder mit dem slawischen „robota” („Knechtschaft”, „Sklaverei”). Schauen wir ins Alt- und Mittelhochdeutsche überwiegt die Wortbedeutung „Mühsal”, „Strapaze”, „Not”. Das französische Wort für Arbeit („travail”) leite sich von einem frühmittelalterlichen Folterinstrument ab.

Die Zahl der Anti-Depressiva-Verordnungen der Erwerbstätigen hat sich seit 2000 verdreifacht. Quelle: Spiegel 2013

Eigentlich sollte eine Arbeit eine sinnvolle Tätigkeit sein, die unser Überleben sichert und ein nützlicher Beitrag für die Gesamtgesellschaft darstellt. Hm, wenn wir uns die Produktionsweise von Produkten anschauen, scheinen wir von einem gesamtgesellschaftlichen Nutzen weit entfernt zu sein. Immer höher, schneller, weiter versuchen wir zu wirtschaften, Arbeitsplätze zu schaffen und uns im Konkurrenzkampf unser Überleben – oder familienegoistisch gedacht das unserer Liebsten – zu sichern.

Zurück zur Berufsfrage

Ich wage die steile These, dass durch den Status Quo der meisten heute verrichteten Arbeit eher Elend, Ausbeutung und Not verursacht werden. Wo bleibt das sozial gerechte, zukunftsfähige Tun, welches unsere Welt wieder ein Stückchen gerader rückt?

Ich erlebe immer wieder, dass Aktivismus nicht als „Arbeit“ anerkannt wird. Bei der Frage „Was ist eigentlich dein Beruf?“ erwarten wir nicht die Antwort: „Ich habe keinen. Als Vollzeitaktivistin bei living utopia bringe ich mich mit meinen Talenten für den gesellschaftlichen Wandel ein. Außerdem möchte ich lebenslang lernen und bilde mich als Freilernerin selbst weiter.“ Aha, na ja, dann arbeitest du ja nicht…

Von Scheinen und anderen sozial konstruierten Dingen…

Als ich vor zwei Jahren noch eine andere, gesellschaftlich anerkanntere Antwort auf diese omnipräsente Frage geben konnte – „Ja, ich studiere. Ethnologie und Politikwissenschaften“ –, waren die meisten zufrieden. Dass so gut wie keine*r von ihnen wusste, was Ethnologie denn eigentlich ist, spielt keine Rolle, durch den Begriff „Studium“ bin ich abgehakt worden und in die Kategorie „gesellschaftlich akzeptiert“ gerutscht.

Den Begriff „Arbeit“ neu denken

Gerne verwende ich diesen Begriff nicht. Er ist oft verbunden mit dem Verb müssen: „Ich muss zur Arbeit“. Er löst das Gefühl des Unfreien in mir aus, des Zwanghaften. Des „Ich-schaue-alle-Stunde-auf-die-Uhr-und-hoffe-dass-es-bald-vorbei-ist“.

In meinem Artikel zu „People care“ sprach ich von den sozialen Grundbedürfnissen, die wir alle haben. Dazu gehört unter anderem sinnvolles Tun. Wenn wir in unserer Tätigkeit keinen Sinn sehen, sie als sinnlos erachten, ist das mehr als unbefriedigend und kann auf Dauer zu psychischen Belastungen führen.

Freilernen und selbstbestimmt leben

Mein Leben ist keine Aufopferung aus Verantwortungsbewusstsein. Es bringt eine Menge Freude Verantwortung zu übernehmen! Seit ich frei bin von Schul- und Unizwängen, lerne ich so viel wie nie zuvor und kann mich endlich für gesellschaftspolitische Veränderung vollzeit einsetzen.

Oft wissen wir gar nicht mehr, was uns interessiert und wo unsere Talente liegen, da wir jahrelang anders sozialisiert werden: In der Schule werden uns Themen vorgekaut, die wir lernen müssen.
Die Schuljahre hinterlassen dann neben der endlich ersehnten Freiheit oft auch eine Leere und Unsicherheit. Was nun, was tun?

Das erlebe ich oft in der Begegnung mit Menschen, die ein FÖJ (Freiwilliges ökologisches Jahr) machen. Auf deren Seminaren teame ich ab und an Projekttage, bei denen es meistens um Empowerment und Selbstwirksamkeit geht. Was ist mein Herzensthema? Was motiviert mich aktiv zu sein und wo sehe ich Hindernisse?

Simple Fragen, die im Alltag viel zu kurz kommen, jedoch tiefe Reflexionsprozesse anstoßen können. Denn neben Mathestunde, Hausaufgaben und für-Lateinklausur-lernen bleibt meist keine Zeit, um sich ernsthaft mit diesen Frage zu beschäftigen. Kinder und Jugendliche leiden unter Stress, was sie auf Dauer sogar krank macht.

Psychisch bedingte Krankheitsbilder nehmen bei Schüler*innen zu. Fast jede*r dritte leidet an Kopfschmerzen, Schlafproblemen, psychosomatischen Beschwerden oder Niedergeschlagenheit. Quelle: Sueddeutsche

Herzensthemen

Ich bin nun seit zwei Jahren an dieser kniffligen Frage um die Herzensthemen und kann mich ihr langsam annähern. Ich kann Themenfelder benennen und mich mit ihnen in meiner eigenen Art und Weise beschäftigen. Ich kann mir die Fragen stellen „Wie möchte ich lernen?“, „Was möchte ich lernen?“ und vor allem „Wie kann ich das Gelernte an andere weiter geben und für andere zugänglich machen?“. Also auch: Was bringt das Erlernte?

All diese Fragen kommen in Bildungsinstitutionen leider zu kurz.

Da gibt es nur vorgefertigte Schemata. Kein Wunder, dass wir denken, wir müssten uns irgendein Förmchen aussuchen und uns passgenau ausstechen lassen. Und wehe es fehlt ein wenig Teig – Dann lieber sich noch ein bisschen auspressen lassen, sonst entsteht da ja eine Lücke…

Entdecke deine Talente!

Es gibt nicht nur die schon bestehenden Förmchen! Wir dürfen kreativ sein und können auch ganz andere kreieren. Mit anderen Worten: Durch jede*n von uns können wir den Wandel gestalten. Es gibt keine Kompetenzen, die „besser“ oder „schlechter“ geeignet sind. Mit allen Talenten können wir unsere Gesellschaft zu einem schöneren Ort machen. Dafür musst du keine leidenschaftliche Planer*in sein.

Du bist IT-Checker*in? Dann kannst du wundervolle Websites programmieren! Du bist unglaublich gerne kreativ? Dann kannst du gesellschaftskritische Performances auf die Beine stellen, Menschen Perspektivwechsel ermöglichen oder ihnen sogar beibringen, wie sie selbst ihre Ängste, Abhängigkeiten und Wut ausdrücken können.

Es gibt nicht die Fähigkeit für gesellschaftlichen Wandel. Und genau das ist das tolle: Wir können uns selbst finden und dann einfach mal los legen. Die Frage „Wo kann ich am besten ansetzen, um Gesellschaft zu verändern?“ führt in theoretischer Betrachtung oft zur Stagnation und Ohnmacht. In allen Lebensbereichen brauchen wir utopietaugliche Alternativen. Lassen wir sie gemeinsam lebendig werden!

Und du? Was ist dein Talent und was machst du draus? Erzähle uns gerne in den Kommentaren davon! Vielleicht können wir uns vernetzen.

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Dieser Artikel ist ein Gastartikel. Vielen Dank an die Gastautorin bzw. den Gastautor. Dieser Blog "Experiment Selbstversorgung" wird von Lisa Pfleger und Michael Hartl betrieben. Solltest Du auch eine Idee für einen Gastartikel haben, lies Dir gerne unsere Informationen dazu durch!
Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

71 Gedanken über “Arbeit . Macht . Abhängigkeit

  1. Hachi

    Liebe Pia, danke für deine Texte. Ich lese sehr gern was du schreibst und wie.
    Gespräche über Sinn und Wirken, über unsere Rolle in der Welt und bestehende Missstände waren und sind immer wieder omnipräsent in den Kreisen in denen ich mich bewege. „Wofür lebe ich?“ scheint für viele unserer Zeit die treibende Frage zu sein. Immerwieder erlebe ich dabei, wie sich die Fronten verhärten und Denken in Schwarz-Weiß- Dichotomie abdriftet. Du bist entweder Utopist oder ein Rädchen im Getriebe, du bist Sozialschmarotzer oder Kapitalschwein, und egal in welche Richtung man blickt, überall finden sich Missbilligung und Kopfschütteln.
    Ich ernte von beiden Seiten viel Kopfschütteln, denn ich kann mich auf keine Seite positionieren. Ich habe mir ein Förmchen ausgesucht, und mag es füllen. Ich habe es mir sehr genau ausgesucht und nicht einen Tag bereut. Ich muss mich nicht ausstechen und keine Augen verschließen. ;)
    Ich studiere Psychologie, seit mittlerweile 10 Semestern. Ich teile die Erfahrungen die du gemacht hast und war auch immerwieder voller Abscheu angesichts sinnentleertem Reinprügeln und Rauskotzen. Aber es ist nicht alles so. Für mich ist es keine Option die Uni abzubrechen. Nicht wegen der Angst die ich davor habe, sondern weil ich es (für mich) nicht für das Richtige halte.
    Ich finde die Uni nicht per se schlecht. Die Idee Universität, als Raum für Lernen und Persönlichkeitsformung interessierter Menschen, als Sammelstätte des Angebots an Wissen und Methoden, gefällt mir sehr gut. Die Uni bietet sich mir so nicht an, schade. … Aber ich kann sie mir so nehmen.
    In den letzten fünf Jahren habe ich nebenbei Philosophie, Rechtsmedizin, Forensische Psychiatrie und Sexualtherapie studiert. Manchmal gabs am Ende einen Schein dafür, manchmal nicht. Mit der Fachschaft haben wir Vortragsreihen und Konferenzen abgehalten und jedes Semester ein deutschlandweites Treffen – ein herrlicher Raum für Netzwerke und Begegnungen. Bei den Philosophen geht der Werdens- und Wirkraum sogar noch weiter. Im Impulscafe der Uni finden ständig Workshops und Debatten statt und selbst wenn nichts stattfindet, können wir abends bei Rotwein und Kerzenlicht noch über das Gehörte diskutieren. Ich bin nach drei Semestern aus der Regelstudienzeit gesegelt und habe seitdem jedes Semester Prüfungen wiederholt- aber, was solls. … :)
    Ich habe das Privileg, das ich das machen kann. Nicht ganz umsonst, seit mittlerweile 10 Jahren jobbe ich nebenbei um mir das finanzieren zu können. Es war auch der eine oder andere kapitalistische Scheißjob dabei, aber je älter ich werde desto weniger ist das nötig. (Meine derzeitige Arbeit mit Kindern mit Behinderungen erfüllt mich sehr).
    Du schreibst, dass du ein Verantwortungsbewusstsein empfindest, aus der priviligierten Position heraus in der du bist, und das empfinde ich auch. Ich will Lernen, ich will naschen aus dem Angebot an kritisch reflektierten Menschen und Schriften, das mir in der Uni begegnet, ich will es erweitern, und ich arbeite gern dafür, um das tun zu können. Umso mehr, wenn mein Arbeiten nicht nur Geld sondern auch Wirkung mitbringt.
    Ich hätte mir das Jobben sparen können und stattdessen im Selbststudium mit Büchern und dem Internet lernen. – Ich habe das Selbststudium auch neben der Uni betrieben. Aber ich denke nicht, dass ich auf die Weise mehr hätte Lernen oder sinnvoller hätte Wirken können, als innerhalb des Systems Universität. Uni kann ein eigenes Impulsnetzwerk sein. Jede Frustration die ich dort erlebe, jede empörende Position eines Dozenten, jede Regel gegen die ich ankämpfen muss, bewegt etwas in mir und entwickelt meine Persönlichkeit (Widerstände, die mir im Selbststudium (Komfortzone) nicht begegnet wären) Und wirkt auch andersrum auf bestehende Struckturen, die- nicht zuletzt durch studentischen Einfluss- in den 5Jahren meiner Studienzeit auch immer wieder neue Freiäume eröffnet haben.
    Ich gehe auf dem sozial akzeptierten Weg, aber nicht weil er sozial akzeptiert ist, und nicht weil er bequem ist (das ist er nicht), sondern weil er von dem Punkt aus an dem ich stand als ich losgegangen bin der Weg war, auf dem ich mich am meisten entfalten und verwirklichen konnte.
    Das menschliche Denken ist von Natur aus kategorial. Menschen Denken in Schubladen, haben das Bedürfnis danach zu wissen wer „Ingroup“ und wer „Outgroup“ ist, und dem begegne ich privat und beruflich immerwieder: Ich erkläre mich nicht einverstanden mit den Universitätsrichtlinien, aber ich boykottiere die Uni auch nicht. Ich lehne das Streben nach Wachstum ab, aber ich arbeite mit vollem Herzen in meinem Job, für Geld. Ich bin die Outgroup. Die fade Mitte. Ohne eigene Meinung, gegen alles.
    Das stimmt nicht. Ich habe viel Meinung. ;) Ich bin für vieles. Ich bin der Meinung, Kategoriengrenzen müssen erkannt und überwunden werden um Wandel zu schaffen, keine Frage. Brauchen wir Ingroup und Outgroup?
    Ich finde, etwas ist nicht unbedingt der Feind, weil es sozial akzeptiert ist. Ich muss sie nicht unbedingt einreißen und neu aufbauen. Es kann uns Arbeit sparen, ein paar der Strukturen zu verwenden die es schon gibt, sie nutzbar zu machen für Selbstverwirklichung und solidarisches Miteinander. Wichtig ist dabei vorallem, dass ich wir uns achtsam und bewusst in dieser Welt bewegen.

    1. Pia Selina DammPia Damm Beitrags Autor

      Liebe Hachi,
      danke Dir sehr für Deinen langen, ausführlichen Kommentar. Ich komme erst jetzt dazu, Dir zu antworten und leider auch nicht ganz adäquat, weil ich so viel momentan um die Ohren, im Kopf und Herzen habe. Hoffe, Du hast dafür Verständnis… :)
      Deswegen versuche ich einfach mal auf einige Aussagen von Dir kurz einzugehen.
      1) „Immerwieder erlebe ich dabei, wie sich die Fronten verhärten und Denken in Schwarz-Weiß- Dichotomie abdriftet. Du bist entweder Utopist oder ein Rädchen im Getriebe, du bist Sozialschmarotzer oder Kapitalschwein, und egal in welche Richtung man blickt, überall finden sich Missbilligung und Kopfschütteln.“
      Ich verstehe voll, was Du meinst und erlebe das leider auch sehr oft. Manchmal macht es micht wütend/ traurig und in positiveren Momenten frage ich mich dann, wie sich die solchen Kategorien auflösen/ aufweichen lassen und wir zu gegenseitigem Verständnis/ Respekt/ Empathie kommen können…

      2) „Ich finde die Uni nicht per se schlecht. Die Idee Universität, als Raum für Lernen und Persönlichkeitsformung interessierter Menschen, als Sammelstätte des Angebots an Wissen und Methoden, gefällt mir sehr gut. Die Uni bietet sich mir so nicht an, schade. … Aber ich kann sie mir so nehmen.“
      Ich hoffe, Du hast meinen Artikel nicht generalisierend verstanden. Ich habe aus meiner persönlichen Perspektive geschrieben klar und für mich war/ ist Uni Zeitverschwendung. Ich war in letzter Zeit mit meiner lieben Mitbewohnerin zweimal in einer Medizinvorlesung aus persönlichem Interesse. Das war auch ganz ok, danach war ich jedesmal jedoch so erleichtert und froh, wieder nach Hause fahren zu können, dass ich wirklich dankbar war, nicht zu studieren und mir mein Leben selbstbestimmt einteilen zu können. Mir bietet das so unglaublich viele Möglichkeiten und vor allem immer wieder auch das Reflektieren. So oft werde ich auch mich selbst zurück geworfen, auf Fragen, Selbstzweifel, Ängste, Möglichkeiten, Chancen, durch die ich wachsen und meine Komfortzone erweitern kann. Das habe ich in meiner Schul- und Unizeit so nie erlebt.

      3) „Jede Frustration die ich dort erlebe, jede empörende Position eines Dozenten, jede Regel gegen die ich ankämpfen muss, bewegt etwas in mir und entwickelt meine Persönlichkeit (Widerstände, die mir im Selbststudium (Komfortzone) nicht begegnet wären)“
      Aus meiner Perspektive ist ein Selbststudium in keinster Weise eine Komfortzone, sondern jeden Tag aufs Neue eine Konfrontation mit Dir selbst und Deinem gesamten Umfeld. Es wirft unglaublich viele Fragen auf und bringt Dich zum Reflektieren. Nicht nur über die Inhalte selbst, deren Wirkung, sondern auch über die Fragen Wie möchte ich überhaupt leben, wirken, mich organisieren und wie möchte ich lernen?

      Mir kommen noch so viele weitere Gedanken zu Deinem langen Kommentar. Doch ich werde es erstmal dabei belassen :) Danke Dir auf jeden fall fürs Mitlesen und Bereichern!
      Alles Liebe und Sonne,
      pia

  2. Mont

    Sei du selbst. Alle anderen gibt es schon.

    Den Spruch habe ich mal auf einer Postkarte gelesen. Ich stelle ihn mir in unterschiedlichen Zusammenhaengen vor:
    Wenn er in einem Grossraumbuero in der Pazelle einer*s Arbeitenden an der Schreibtischlampe klebt, macht er mich traurig. Dann steht er womoeglich fuer die unerfuellte und weit entfernte Sehnsucht nach einem anderen Leben oder aber fuer in meinen Augen verdrehte Illusionen, die einem*r in der Konsumgesellschaft immer wieder angedreht werden. Zum Beispiel diese Werbungen von Klamottengeschaeften, wo sie uns vorgaukeln, wir wuerden unsere Individualitaet ausdruecken, wenn wir bei ihnen Klamotten kaufen. Ueh da schuettelt’s mich. Dummerweise gucke ich immer wieder auf diese bloeden Plakate und bin danach oft deprimiert.
    Doch beim Lesen dieses Artikels kam mir der Postkartenspruch auch in den Sinn und da stimmt er mich froh, weil er so wahr ist! Und wer ihn sich zu Herzen nimmt, kann echt was draus machen.
    Danke fuer den schoenen Artikel, Pia. Was Tobi und du so schreiben, bestaetigt mich immer wieder auf meinem Lebensweg und bringt mich zudem zum nachdenken und reflektieren.

    Viel Liebe und Freude sende ich dir aus dem sonnigen Valencia. Ich geh jetzt zum Strand, schaue auf das Meer und sortiere meine Eindruecke und Gedanken der letzten Tage.

    Dein Mont

    1. Pia Selina DammPia Damm Beitrags Autor

      Liebes Mont, wie schön hier von Dir zu lesen! Ich danke Dir für Deine Gedanken und hoffe sehr, dass wir uns ganz bald mal wieder sehen und austauschen können! Danke Dir auch von Herzen für den wunderschönen Brief, der in unserem Zimmer auf uns wartete. Tobi und ich haben ihn abends noch gemeinsam uns vorgelesen und durften lächeln :) Fühl Dich ganz fest umarmt! Deine pia

  3. Gerhard Rehak

    Nun ja. Prinzipiell bin ich auch für eine geldfreie Gesellschaft, Tauschhandel, Subsistenz-Wirtschaft und alles was dazugehört ist mir alles seit meiner neuen Beziehung mit einer wunderbaren Frau durchaus vertraut.

    Eine Antwort die aber alle Selbstversorger, vor allem jene die auf Geld so gut wie ganz verzichten (können?), betrifft bleiben auch alle wirklich schuldig.

    So einfache Dinge wie Grundsteuer, Krankenversicherung (ab einer gewissen Grundgröße zahlt man bei der Bauernsozielversicherung gnadenlos), Schulgeld, Sprit für das alte Auto um zum Tauschen fahren zu können… Pensionsvorsorge, wenn man – hoffentlich nie – wirklich zum Siechen wird.

    Es ist toll, wenn man dann gleich Antworten bekommt – das steht in einem Vortrag da, das steht in einem Blog dort und hin und her. Das zusammenzutragen ist etwas mühsam.

    Wie wäre es einmal einen Artikel zu schreiben in dem wirklicxh fundiert und konstruktiv drauf einegangen wird wie man die Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, in denen Geld notwendig ist (Ämter, Steuern, Versicherun(en), neue/alte Karre, Eisenbahntickets für Autoverweigerer, Strafzettel, Sprit, etc) meistert. Ich denk die ganze Zeit nach mir einen Bauernhof zu „organisieren“. Aber ihr werdet es kaum glauben – die wollen Geld – schnöden Mammon!

    Und, liebe Freunde – auf eure Antworten bin ich gespannt!

    viele liebe Grüße, Gerhard

    1. Andreas von LebWendig

      Hallo liebe Pia,

      Dein Beitrag spricht mir aus der Seele. Mir entzog es allmählich die Lebensfreude für und in einem gewinn- und konkurrenzorientiertem Wirtschaftssystem zu arbeiten. Endlich habe ich es geschafft, aus dem Erwerbsleben auszutreten. Das hat mich sehr viel Mut gekostet! Genau wie Dir, ist auch mir klar, dass dies ein Privileg ist. Auch dass ich als Akademiker so viel verdienen konnte, um davon nun sparsam leben zu können. Noch fehlt es mir am Vertrauen, dass ich alles für mich Notwendige bekommen werde, doch ich will unbedingt der Verschenkökonomie eine Chance geben.

      Andererseits hat die Arbeit mir leider auch Halt gegeben. Damals war für mich noch sonnenklar: Geld verdienen muss ich. Und mit einer angesehenen Arbeit habe ich mich auch gleich viel wertvoller gefühlt und zugehörig. Jetzt, wo ich tun kann, was ich mir von Herzen wünsche, egal ob mein Angebot auch genügend Gewinn abwirft, stecke ich fest. Zu groß ist meine Angst vor der Ablehnung meiner Lebensweise, denn bei den meisten sitzt der Glaube noch zu fest, dass es immer eine Gegenleistung braucht. Zu tief sitzt in mir auch noch der Gedanke fest „Das geht doch gar nicht!“. Dies alles hindert mich daran, meine Utopie zu leben.

      Ich brauche viel Annahme, um mich allmählich von meinen erlernten, abwertenden Gedanken zu lösen. Dann kann ich leichter mit der mir entgegen schlagenden Skepsis liebevoll umgehen. In meinem einfühlsamen Zuhörkreis (www.gradido.net/LebWendig/c/12) – den ich seit 1,5 Jahren geldfrei anbiete – erhalte ich schon viel bewertungsfreie und freilassende Annahme in meinem SoSein. Doch ich möchte auch wirksam werden, in Aktion treten. Die Teilnahme am AlWiZuKo scheint ideal, doch dies überfordert mich (noch): mehr als 120 Stunden mit mir fremden Menschen zu verbringen, ohne zu wissen, wo ich schlafe und was wir konkret machen. Ich bin sehr empfindsam für zwischenmenschliche Spannung, Stunden lange kopfig Gespräche strengen mich an und ich brauche Zeit, um Vertrauen zu fassen.

      Ich brauche Menschen, denen es auch so geht, die auch Unsicherheit, Angst und Skepsis kennen, so wie ich auf meinem Weg zu einem anderen Miteinander. WO SEID IHR? Ich suche Dich aus dem Großraum Aachen-Köln-Bonn, um gemeinsam durchzustarten. Schreib mich gerne direkt über die Kontaktmailadresse, die Du auf meiner LebWendig-Website findest.

      Herzliche Grüße
      Andreas, Vollzeitaktivist

      1. Pia Selina DammPia Damm Beitrags Autor

        Lieber Andreas, danke Dir sehr für Deine Gedanken, die Du so offen formulierst.
        Sehr spannend, was Du in diesem Prozess erlebst. Vielen Menschen – stückweise auch mir – geht es sicherlich sehr ähnlich und es ist toll, dass Du einfühlsame Zuhörkreise organisierst. So können sich Menschen gegenseitig bestärken, inspirieren und Mut sowie Vertrauen schenken.

        Alles Liebe Dir und weiterhin viel Motivation und Kraft,
        pia

  4. vizero13

    Gutes Essay zum Thema Arbeit und Selbstwert/Gesellschaftswert sowie zum Thema Lernen (dazu für alle Interessierten ein Hinweis: Gerald Hüther, ursprünglich Hirnforscher hat dazu viel bemerkenswertes geschrieben und gesagt- neustes Buch: Etwas mehr Hirn, bitte, Videos auf Youtube, seine Erkenntnisse passen zu dem hier Geschriebenen).
    Die Idee des Vernetzens und der alternativen Lebensgestaltung ist janicht neu, aber durch das Netz besser zu verwirklichen als jemals zuvor.
    Ich bin, nach der Standarddefinition jedenfalls, nun schon am Ende meiner „Arbeitslaufbahn“ angekommen, auch erfolgreicher Studiumabbrecher (Physik). Ich habe mir meinen Weg aus ähnlichen Gründen anderweitig gesucht, allerdings nicht im direkten sozialpolitischen Bereichen, aber ich habe gemacht, was ich wollte- Musik undArbeiten, die etwas damit zutun hatten. Knapp 10 Jahre habe ich von (untypischer) Straßenmusik gelebt („ja, ich kann davon leben, zwar am Existenzminimum, aber selbstbestimmt. Das Lebensniveau bestimmt durch den Grad von Lust oder Faulheit.
    Ich halte es auch mit dem Prinzip des lebenslangen Lernens- alles, was mich interessiert.

  5. Bjo

    Diese klaren Worte, der kritischen Hinterfragung finde ich gut. Ob Sie ein jeder für sich interpretieren kann oder sollte, möchte ich einmal offen lassen. Dennoch würde ich gerne den Begriff „Beruf“ von „rufen, da ruft Dich etwas“ mit in Verbindung bringen, zu einer Gesellschaft die mehrheitlich in Jobs und Arbeit scheint zu denken.
    Unser Großeltern Generation hat gearbeitet und hat die Anfänge von Berufen gelegt. Unsere Eltern hatten Berufe und haben gearbeitet. Unsere Generation hat vermeintliche Jobs und arbeitet…Mit in Verbindung, zu all den Definitionen gebracht werden muss das Thema „Angst“ die massiv in eine Selbstbestimmung einfliesst. Ich glaube das ein selbstbestimmtes Leben lohnenswert ist und sich weit aus mehr da draußen wünschen, als wie bereits wahr-nehmen. Wie ein jeder diese Angst überwinden kann, außer durch rebellische Aggression, betrachtet kaum einer.

  6. Grübler

    Hallo Michael,
    Hallo Tobi,

    mir ist schon klar wo ich mich hier befinde und ich befinde mich hier, weil mir euer Konzept der Selbstversorgung imponiert hat. Wir betreiben nur einen kleinen Garten, zu viel mehr reicht die Zeit als Berufstätiger nicht. Ich sehe im Moment Selbstversorgung nicht als mein Hauptziel, jedoch möchte ich im Bedarfsfall meine Familie autonom versorgen können.

    Zwischen einem eigenen? Garten und einem selbstbestimmtem Leben ist für mich ein haushoher Unterschied. Arbeit macht auch nicht abhängig, jeder Mensch ist von Geburt an abhängig. Eine Arbeit bzw. ein Einkommen wird von unserer Gesellschaft angestrebt um die Grundbedürfnisse abdecken zu können. Eine Vision zu haben ist schön und gut, jedoch sollte diese Vision auch Sicherung der Grundbedürfnisse beinhalten und zwar schlüssig, und nicht in Form von „das wird von den Leuten erledigt, denen das Spass macht“. Das ist dann kein selbstbestimmtes, sondern ein parasitäres Leben. Das ist jedoch nicht mein Ziel, daher hinterfrage ich bei solchen Visionen eben kritisch wie diese Punkte funktionieren sollen. Ich will eure Visionen auch nicht schlecht reden sondern hoffe, dass ihr das als konstruktuve Kritik seht.

    Zu den Punkten:
    a) Komplette Selbstbestimmung ist meiner Meinung nach nicht möglich, denn die hört dort auf, wie die Selbstbestimmung des nächsten anfängt. Es ist auch eine individuelle, persönliche Einstellung und nach dem Mauerfall wünschten sich viele die alte DDR zurück. Der Irak nach der „Befreiung“ ist ebenfalls so ein Beispiel, dass die Leute mit „Freiheit“ nicht zurechtkommen. In gewissen Religionen haben Frauen keine Rechte, ich habe mit ein paar gesprochen und die haben mir erzählt, dass sie so glücksich sind, wenn sie ihrem Mann „dienen“ können. Ob das auch der Wahrheit entspricht oder eine „Ausrede“ war kann ich nicht sagen.

    b) Anarchie ist nur ein Begriff für mich, der gegen das aktuelle, politische Konzept ist. Ob das nun Basisdemokratisch oder was auch immer ist, zumindest keine Schein-Zweiparteien-Demokratie.

    c) Die Geschichte der kleinen Schritte:
    Eine Expedition bricht im Urwald auf und bahnt sich einen Weg durch den Dschungel. Vom Ausgangspunkt aus hat der Teamleiter die Richtung bestimmt, danach arbeiten sich die Leute mit ihren Macheten durch das Unterholz. Dabei gehen sie den Weg des geringsten Widerstandes und beurteilen jeweils nach einigen Metern wo sie leichter vorwärtskommen. Nach einigen Tagen steigt der Expeditionsleiter auf einen Baum und sieht, dass sie sich in Kreisen bewegt haben. Er reden mit seinen Leuten, dass der Weg nicht der richtige ist. Die Leute jedoch sprachen: „Wir kommen doch so gut voran, lass uns doch so weitermachen“.
    Quintessenz ist also ein Ziel zu kennen und dann die Schritte in diese Richtung zu führen ansonsten ist jeder Schritt richtung Ziel ein rein zufälliger.

    d) Da freue ich mich drauf. Ich schaue auch öfters auf eure Website und bin schon gespannt wie sich euer Projekt entwickelt.

    1. Tobi RosswogTobi Rosswog

      Heyho Grübler,

      via Internet wirklich lange und intensive Diskussion zu führen, finde ich oft eher anstrengend und lade dich deswegen sehr gerne mal zu einem unserer Workshops und Vorträge ein. Unter http://www.livingutopia.org/termine findest du einige Termine und vielleicht ist ja auch was in deiner Nähe dabei. Da kommen nämlich genau die Fragen auf und wir können sie dann im Austausch schön miteinander klären ;)

      Ganz kurz möchte ich nur auf ein paar Punkte eingehen:

      @Anarchie:
      Wenn du Anarchie so definierst, bedeutet das dann in der Konsequenz, dass dein Satz „Ich bin ein absoluter Gegner des aktuellen Systems, halte aber auch nichts von Anarchie.“ rein logisch keinen Sinn ergibt. Er würde übertragen bedeuten: „Ich bin ein absoluter Gegner des aktuellen Systems, halte aber auch nichts von einem anderen System – egal wie das aussieht, aber hauptsache, dass es nicht das aktuelle ist.“

      @Wie selbstbestimmt ist der Mensch?
      Da kommen wir dann schnell ich Welt- und Menschenbildsfragen. Hier zu ein Artikel, den Pia bereits verlinkte, den ich dir im Allgemeinen zur Frage nach Konstruktion der Realität empfehlen kann: http://band1.dieweltdercommons.de/essays/friederike-habermann-wir-werden-nicht-als-egoisten-geboren/

      Konstruktive Kritik ist auf jeden Fall immer wichtig ;) Danke dir!

  7. Grübler

    Hi Pia,

    ich glaube die Mehrheit der Menschen wollen gar nicht selbstbestimmt leben. Ich bin ein absoluter Gegner des aktuellen Systems, halte aber auch nichts von Anarchie. Ich weiß einfach nicht, wie es besser funktionieren könnte, daher suche ich nach Ideen und Personen mit Visionen. Leider ist es bisher immer so, dass nach einem kurzen Blick unter die Oberfläche der Vision die „elementaren Stützen“ fehlen. Ich habe vermutlich die falschen Fragen gestellt, aber aus deinen Antworten lese ich nicht heraus wie du dir das Gesamtbild vorstellst.

    Z.B. fand ich die Idee von Newtopia gut, auch wenn mir absolut bewusst ist, dass es gescripted wird. 1 Jahr lang unabhängig leben und sich selbst versorgen – nur begannen die Teilnehmer schon nach nur 3 Wochen Ideen zu entwickeln, wie man Geld von der „Außenwelt“ verdienen kann.

    Kannst du ein Projekt aufsetzen, dass deine Vision umsetzt und für ein Jahr lang testen?

    1. Michael HartlMichael Hartl

      Lieber Grübler,

      entschuldige, wenn ich mich in Euer Gespräch einmische – aber Du bist hier auf einem Blog, auf dem Menschen wie Pia, Tobi, Lisa oder ich schreiben – also Menschen, die auf dem Weg sind, andere Wege, wie wir leben können, tagtäglich ausprobieren. Und darüber berichten. Eine Änderung wird eben Schritt für Schritt angegangen. Und ein komplettes Gegenkonzept zu einem über Jahrhunderte entwickelten System aufzustellen, ist ein großer Batzen. Und wäre kein Format für einen Blog sondern für ein Buch.

      Gute Idee eigentlich…. vielleicht machen wir ein Buch. Das Gegenkonzept – von Pia Damm und weiteren Autor*innen.

      Im Ernst, vielleicht sollte man sich da auch mal dran setzen. Für die meisten Menschen wird es aber einfach umzusetzende Schritte geben, erste Änderungen, die in Summe große Veränderungen ergeben und im Ziel die Welt verändern werden. Und zwar in großem Umfang.

      1. Maria

        Wieso GEGEN-Konzept,
        soll das die Lösung sein?

        Ich glaube Nein,
        denn ICH kann mich frei eintwickeln und Neue Wege gehen,
        die sich dann ggf. als besser für mich und bestenfalls auch andere herausstellen.

        Auf diesem Planeten sind wir IMMER von irgendetwas abhängig,
        und IMMER eingebunden in ein Umfeld und bestenfalls miteinander
        in Harmonie und Einklang verknüpft.

        Ohne Geld zu leben geht, doch es ist IMMER in Abhängigkeit oder besser Co-Existenz von irgendwas. Ich will ein Seminar machen und brauche einen Raum, ok. es gibt immer jemand, der mir den Raum zur Verfügung stellen kann.
        Ich habe Hunger, will etwas essen. ok ich gehe containern, es gibt immer jemand der Sachen verschenkt oder wegschmeisst, …

        FREI LEBEN ist ein hohes Ziel und wir alle können uns dem widmen,
        doch,
        so wie wir von unserer Mutter geboren wurden,
        auf einem Planeten, der uns geschenkt wurde,
        der uns alles schenkt, was wir zum Überleben brauchen (Luft, Wasser, fruchtbare Böden, …
        so dürfen wir auch anerkennen, dass wir kein Parasit sind,
        sondern ein Teil des Ökosystems Erde.

        Dies gilt für ALLE MENSCHEN
        und kein Mensch kann hier irgendwas sein Eigentum nennen,
        denn die Erde gehört allen Menschen gleichermaßen
        und jeder wird, aus welchen Gründen auch immer,
        an irgendeine Stelle hineingeboren –
        jedoch immer als freier Mensch,
        der in Freiheit dort leben kann.

        Kein einziger Mensch kann vollkommen autark/alleine/… leben –
        Mensch ist immer angewiesen auf Luft zum Atmen, Wasser zum Trinken,
        etwas zu essen und die Liebe seiner Mit-Menschen.

        Es ist eine Utopie zu glauben, dass wir anders sind,
        doch es ist die Wahrheit, dass wir miteinander ein natürliches Leben führen können, so, wie es einem lebendigen Menschen mit liebendem Herzen entspricht, jenseits von Kapitalismus, Gier und Macht.

        Der Kreis des Lebens ist ein Kreis
        und viele Kreise bilden die Blume des Lebens,
        die UNS ALLE zum Erblühen bringt
        in Schönheit.

    2. Tobi RosswogTobi Rosswog

      Heyho lieber Grübler,

      nur kurz ein paar Sätze und Fragen von mir, die vielleicht den Knoten im Kopf lösen mögen:

      a) Woher kommt dein Glaube, dass Menschen nicht selbstbestimmt leben wollen?

      b) Es wurde doch nirgends etwas von Anarchie geschrieben oder habe ich was überlesen? Weiter gedacht wäre auch zu fragen: Was bedeutet eigentlich Anarchie im wirklichen Sinne?

      c) Zu der Frage nach dem Gesamtbild kann ich mich Michael nur anschließen. Es geht darum im Hier&Jetzt utopietaugliche Alternativen lebendig werden zu lassen. Das kann immer nur einzelne Bereiche betreffen und wird dann durch den Austausch mit anderen Ideen zu einem klareren (Gesamt-)Bild. Das ganze ist aber ein Prozess. Die liebe Friederike Habermann sagt dazu passend:
      „Wir brauchen neue Erfahrungen, in denen wir uns verändern und so neue Erkenntnisse erlangen können. Insofern ist nicht nur realistisch, was im Augenblick durchführbar erscheint: Die Welt formt uns, und wir formen die Welt.“
      In meinem ersten Artikel hier auf dem Blog war dieses Zitat auch zu finden und vielleicht hilft der gesamte Text dir beim näheren Verstehen, warum wir eben kein Konzept liefern möchten:
      http://experimentselbstversorgung.net/zeit-fuer-veraenderung-utopien-jetzt-leben/

      d) Deine letzte Frage trifft gerade genau die Idee eines neuen Projektes von Pia, mir und weiteren Aktivist*innen. Mehr dazu aber zu gegebener Zeit ;)

  8. Annika

    Hallo ihr lieben,

    mittlerweile bin ich in der Endphase meines Studiums und ich kann nur für mich sprechen, dass ich zwar mit dem Bologna-System weitestgehend nichts anfangen kann, aber in keinster Weise mein Studium bereut habe.
    Mein Traum ist einmal in Entwicklungsländern die Wasserversorgung sicherzustellen. Also z.B. Wasserquellen zu finden, Grundwasserversalzung einzuschätzen und all solche Dinge. Nur für diesen Traum braucht man ganz knallhartes physikalisches Hintergrundwissen.
    In den ersten Semestern bin ich des öfteren dran verzweifelt, mittlerweile bin ich froh drum, wie die Grundlagen gelehrt wurden und ich mich auch damit beschäftigen musste, ob ich mich überhaupt durch den Anfang quälen wollte. Denn was ich heute für meinen Traum an Wissen brauche, hätte ich damals im Leben nicht abschätzen können.
    Parallel bin ich in der Fachschaft und vielen anderen sozialen wie ökologischen Bereichen aktiv geworden und bin wirklich zufrieden. Weil ich mir eben einfach nicht die Lust am lernen durch das Bologna System vermiesen lassen habe, sondern mich immer für Änderungen eingesetzt (und im kleinen durchgebracht) habe.

    Und vielleicht weil ich Naturwissenschaftlerin bin, bin ich ganz stark für die genaue Erforschung und Weiterentwicklung unserer Gesellschaft. Nämlich im ökologischen und sozialen Sinn. Und deshalb fällt es mir auch schwer zu glauben, dass Geld nicht benötigt wird, weil es gewisse Prozesse unglaublich erleichtert. Man stelle sich ein Künstlerdorf vor, mit vielen Talenten. Was macht es die Sache einfacher, die Werke in alle Welt zu verkaufen und dafür Geld zu bekommen, als z.B. Lebensmittelpakete oder einen bestimmten Stoff, der dann wiederum getauscht werden würde. Mit Geld kann von einem Menschen etwas bekommen, der vielleicht von mir gar nichts gebrauchen kann, ohne dass er es dann mit Aufwand weiter tauschen müsste und dann vielleicht nicht mehr so viel Zeit zum malen hat.

    Viele solcher Erfindungen sind bei verantwortungslosem Umgang, wie es die heutige Zeit mit sich bringt absolut problematisch. Aber ich finde, man muss auch die Chancen sehen, die solche Erfindungen mit sich bringen. Z.B., dass ich mir Forschungsprojekte finanzieren kann. Und wir hatten nie so unendlich viele Möglichkeiten haben uns einzubringen.

    Vielleicht klingt das jetzt ganz anders, aber ich glaube wir liegen gar nicht so weit auseinander.

    Viele liebe Grüße, eure Annika

    1. Pia Selina DammPia Damm Beitrags Autor

      Hallo Annika, ich spreche ja nur aus meiner Perspektive. Sicherlich ist ein Studium für viele Menschen bereichernd. Ich erlebe – in meinem Freund*innen/ Aktivist*innen-Kreis sowie im Austausch während Vorträgen allerdings eher das Gegenteil. Das Studium wird eher als einengender Zwang wahrgenommen, der nicht bereichert. Inspiration kommt eher durch eigene Lernfelder und Selbstorganisation.
      Ich freue mich aber sehr für dich, dass es bei dir anders war!

      Zu deinem zweiten Punkt: Geld hat immer das Prinzip Leistung-Gegenleistung inhärent. Damit werden Talente und Ressourcen auf ihren Tauschwert reduziert. Eine zukuntsfähigere Gesellschaft stelle ich mir viel dezentraler organisiert vor, nicht mehr mit langen Wertschöpfungsketten und externalisierten Arbeitskräften. Sicherlich wird es immer Produkte geben, die wir nciht „vor Ort“ bekommen können. Doch bis wir dahin kommen, dauert es noch eine ganze Weile. Wichtig finde ich, offen für den Prozess zu bleiben und JETZT Schritte zu gehen und dabei undogmatisch, aber authentisch zu sein für Herausforderungen, die kommen.

      Sonnige Grüße und alles Liebe,
      pia

  9. Andreas

    Hallo Pia
    In meiner 2. Ausbildung musste ich noch einen Nebenjob aufnehmen um meine Miete zu finanzieren. Wenn ich (auch alle Anderen) nun nicht mehr arbeite, auch im Hinblick auf alle Menschen in Großstädten, wird es keinen Strom mehr geben. Kein sauberes Wasser. Keine Hilfe in Krankheitsfällen oder Kriesensituationen (Feuer, Polizeikrams).
    Es gibt keine Supermärkte mehr. Wie würdest Du die Menschen ernähren?
    Wie würdest Du ihnen Obdach vermitteln? Ich finde es okay zu lernen was man möchte, aber unverantwortlich und egoistisch dazu aufzurufen, dass alle die Arbeit niederlegen. Die Gesellschaft wie wir sie kennen würde einfach zusammenbrechen und wir wären wieder im finsteren Mittelalter. Glaube und Scharlatanerie beherrschen das Weltbild. Diejenigen mit Landbesitz können sich ernähren und im Austausch für Arbeit gibts für die Knechte Nahrung und Unterkunft. GgF Schutz. Dem entgegen stellt sich die aktuelle Situation. Der Grundkenntnisstand ist identisch, was jedem ermöglicht (mit entsprechendem Aufwand) jedem Beruf nachzugehen. Sich selbst zu verwirklichen. Das Bildungssystem mag nicht perfekt sein, aber gerade die Allgemeinbildung empfinde ich als absolute Notwendigkeit für eine gesunde Gesellschaft. Ebenso die tägliche Arbeit die verrichtet werden *muss*. Wenn ich einen Arzt benötige, oder Medizin, gehe ich nicht zu meinem Nachbarn, weil ich weiss, dass er gerne Doktorspielchen spielt, um mir ein Schimmliges Brot auf eine Wunde zu drücken, ich gehe zu ausgebildeten Ärzten ins Krankenhaus und bekomme dort das Äquivalent – AB. Der Unterschied: die wissen ganz genau was sie da tun. Erfahrung und Bildung. Wenn es in der Stadt einen Großbrand gibt, kann ich natürlich versuchen alle Männer zusammenzutrommeln und wir versuchen das Feuer gemeinsam auszupinkeln, aber ohne Einsatzwagen die mit etwas Druck Wasser (aus Unkenntnis wie was korrekt gelöscht wird, hier pauschalisiert) ins Haus pumpen, wirds eine Katastrophe. Siehe die Stadt Marburg in Hessen. Wie würdest Du hier vorgehen? Mit einem Pferd gezogene Bollerwagen voller Wassereimer? Menschenkette?
    Die Krankheiten werden Überhand nehmen, da es keine funktionierenden Kanalisationen mehr geben wird. Aquedukte mögen in Rom funktioniert haben, heute fehlt der Platz und die Arbeitskraft und wenn die Bildung abgeschafft wird, auch die Kenntnis darüber. Wer berechnet die Statik?
    Hier wirst Du dagegenhalten, dass man lernt was einen interessiert. Aber woher kommen die Informationen? Keine Bücher mehr, keine Schulen, keine angemessene Bildung. Aktuell wird viel Wissen in die Kinder gestopft. Vieles wird vergessen, weils nicht „liegt“ oder kein Interesse besteht. Dennoch hat jeder die Möglichkeit alles zu lernen. Einheitlich einen Bildungsstand zu erreichen. Darauf aufbauend können alle Probleme bewältigt werden. Meiner persönlichen Meinung nach ist es kontraproduktiv, wenn jedeR macht was er/sie möchte, statt zu tun was getan werden muss. Ich bin egoist. Ich arbeite in einem Job der mich (in dieser Konstellation) nicht erfüllt, mir aber ordentlich Geld einbringt. Das ermöglicht mir mich weiterzubilden. Täglich. Aber ohne die Vorarbeit der Anderen wäre dies nicht möglich. Deren Wissen ist ebenfalls endlich, aber durch gemeinsame Plackerei ist es erreichbar. Ich kann in einem Buchladen Wissen erstehen. Im Internet mit Menschen in Kontakt treten, die mehr wissen als ich (der überwiegende Teil der Gesellschaft). Das Leben selbst wird, zumindest für mich, leichter und angenehmer. Nicht nur auf kurze Sicht. Dafür opfere ich 9-10h am Tag meine Lebenszeit. Und ich mache es gerne. Arbeite ich nicht mehr, verliere ich auf Kurz oder Lang alles. Mein Haus (Ratenkauf, mitten in der Grundsanierung), meine Familie (Neugeborenes ohne gescheite ärztliche Versorgung, Frau) sowie mein eigenes Leben durch Unfall oder mangelhafte Ernährung. Wenn wir heute alle sofort aufhören zu arbeiten, Weltweit, es wäre unser Untergang.
    Grüße und so
    Andreas

    1. Pia Selina DammPia Damm Beitrags Autor

      Lieber Andreas,

      Ich rufe in dem Artikel nicht – wie du es darstellst – dazu auf, dass alle Menschen ihre Arbeit nieder legen, sondern, dass Menschen anfangen, selbstbestimmter zu leben und nicht nur im Arbeitsmarkt als Arbeitskraft funktionieren.
      Meine Vision ist nicht, dass alle von heute auf morgen ihre Arbeit nieder legen und wir dann wie du es schreibst „im tiefsten Mittelalter“ ankommen. Selbstbestimmer zu leben sehe ich eher als einen Prozess, der mit vielen Perspektivwechseln einher geht und sicher nicht von heute auf morgen das kapitalistische System lahm legen wird.

      Ich stelle deine These, dass die momentanige Bildung und damit einhergehend die vermittelten Werte essentiell sind, stark in Frage. Du hast meiner Meinung nach Recht damit, dass sie existenziell sind für unsere Gesellschaft, wie sie momentan funktioniert. Unser Menschen- sowie Weltbild ist absolut konstruiert und voll von Vorurteilen, Diskriminierungen, Normen und Konkurrenzdenken. Wenn das die Bildung ist, von der du sprichst, dann finde ich es essentiell diese zu verweigern und Alternativen dazu zu leben.

      Woher kommt deine Annahme, dass, wenn Menschen lernen, was sie interessiert, es plötzlich keine Bücher mehr gibt? Denkst du, sie lösen sich plötzlich alle auf und kein Mensch möchte mehr Texte verfassen? Ich sehe da eher die Tendenz in die Richtung, dass Wissen und Erfahrungen immer mehr „creative commons“ und open source werden.
      Ich teile ebenso nicht deine Ansicht, dass es momentan allen Menschen möglich ist, einen gleichen „Bildungsstand“ zu erreichen – diese Annahme blendet soziale Klassenunterschiede einfach aus.

      Natürlich gibt es weiterhin Tätigkeiten, die zum Erhalt der Gesellschaft getan werden „müssen“. Diese aber mal gerechter aufzuteilen wäre ein spannender Gedanke.

      Du sagst du bist Egoist. Die Frage, die ich hier stellen möchte: Denkst du, du bist als Egoist geboren worden oder zu einem solchen gemacht worden? Hierzu gibt es einen sehr spannenden Text: http://band1.dieweltdercommons.de/essays/friederike-habermann-wir-werden-nicht-als-egoisten-geboren/

      Vielleicht magst du ja mal rein lesen. Dir alles Gute und einen sonnigen Tag,
      pia

  10. Grübler

    Hi Pia,

    du würdest also deine Tätigkeit als Aktivistin unter soziale Grundbedürfnisse einstufen?

    Was ist so schlecht daran, wenn Talente verglichen werden? Als Mann liegt es in unseren Genen, dass wir gerade den Wettbewerb suchen, uns vergleichen wollen, unsere Stärken und Schwächen finden. Um beim Hausbeispiel zu bleiben, ich möchte in keinem Haus wohnen, dass von einem talentfreien, hoch motivierten jedoch unfähigem Baumeister errichtet wurde.

    Ich bin auch dafür, dass jede Stunde jedes Menschen gleich viel „Wert“ ist. Allerdings würde sich das sehr stark auf die Motivation und Leistungsbereitschaft auswirken. Wie so ist unsere Gesellschaft in Europa so fortschrittlich im Vergleich mit anderen Kontinenten? Es ist der kontinuierliche Zwang sich anzupassen, auf die Jahreszeiten zu achten (Ernte/Vorratshaltung), den Winter zu überstehen, Kriege zu überleben usw.

    Wir haben in Europa noch das Paradies auf Erden. Wir leben im Luxus und Überfluss, aber wird das von Dauer sein? Ich würde es auch bevorzugen in der Hängematte neben dem Pool zu liegen, einen Cocktail genießen und über unsere Gesellschaft philosophieren, anstatt 12h am Tag für ein paar Euro Software zu schreiben. Aber ich möchte nicht auf Kosten anderer Leute leben.

    1. Pia Selina DammPia Damm Beitrags Autor

      Hallo Grübler,

      Ja, auf jeden Fall stufe ich meinen Aktivismus als Hilfestellung, Empowerment etc. für soziale Grundbedürfnisse ein. Und weiter gedacht auch unter „materielle Grundbedürfnisse“, denn in meinen Projekten geht es vor allem um die Frage, wie wir diese zukunftsfähig decken können.

      Ich stelle sehr stark in Frage, ob sich aufgrund von „Genen“ Verhaltensweisen ableiten lassen. Der Großteil unserer Verhaltensmuster ist sozial konstruiert. So lässt sich meiner Meinung nach generell die Frage stellen, ob der „Mensch an sich“ rational, egoistisch und auf Konkurrenz getrimmt ist oder nicht. Das ist die große Frage des Menschenbildes…

      Eines der sozialen Grundbedürfnisse ist übrigens sinnvolles Tun. Kein Mensch möchte den ganzen Tag am Pool chillen.

      Was genau meinst du mit „Paradis“? Was ist das für ein Paradies, das andere menschliche wie nicht-menschliche Lebewesen leiden lässt, quält, tötet, ausbeutet? Nicht nur externalisiert, sondern auch in Europa selbst. Da bringt es wenig brav in der Arbeitsmühle zu bleiben und immer weiter in der Maschinerie der Ausbeutung mitzutreten.

      Auch wenn wir (oder gerade wenn wir) arbeiten – wir leben alle auf Kosten anderer. Vermutlich können wir die Ausbeutung sowie das „Auf-Kosten-anderer“-Leben verringern, wenn wir uns mehr und mehr selbstversorgen und Vorhandenes nutzen, um das System nicht durch noch mehr Nachfrage weiter anzukurbeln.

      Alles Liebe Dir,
      pia

  11. Tobi

    Hallo Pia,

    es freut mich, solch einen Artikel zu lesen. Was ich sehr schade finde, dass ich solche Leute wie ihr kaum im realen Leben treffe.

    Zu meiner Person: Ich hab auch mit 24 ein Studium abgebrochen (Informatik), weil ich kaum irgendwas bestanden habe. Echt, ich hab jahrelang da in Vorlesungen gesessen und nichts verstanden. Man hat mir gesagt, das geht jedem so, irgendwann gewöhnt man sich daran und dann versteht man es.

    War aber nicht so. Ich hab in 3 jahren Studium nichts gelernt. Danach hab ich an einer Techniker-Schule Elektrotechnik gemacht. Und wieder genau das selbe: ich verstehe nur Bahnhof.

    Dann bin ich auf reisen gegangen. Bin auf Ökodörfer gestossen und bin dort ans Gärtnern und handwerken gekommen. Im ersten Ökodorf hats mir nicht so spass gemacht. Jeden Tag Unkräuter rupfen, 8 Stunden am Tag, wochenlang , das wars auch nicht.

    Hab das mehrere Jahre lang gemacht.

    In Korsika bei einem Selbstversorger bin ich an die Permakultur gekommen. Das hat mir schon viel besser gefallen. Hügelbeete bauen, Terassen bauen, Kräuterspiralen bauen. Das war was kreatives.

    Seitdem beschäftige ich mich mit Permakultur und Selbstversorgung.

    Jahrelang hatte ich einen Prass auf Technik, wegen dem abgebrochenen Studium, hab sogar mal ein Jahr im Wald gelebt, mir einen Gemüsegarten angelegt und im Zelt gelebt.

    Also komplett ausgestiegen.

    Doch mir wurde klar, das Technik einem schon das Leben erleichtern kann. Z.B die Waschmaschine, oder ein elektrischer Herd. Und mein Hobby ist Mountainbiken.

    Allerdings baue ich mir diese Sachen selber. Quasi eine alternative Technik.

    Und Technik hab ich mir dann auch selbst beigebracht: Mit Kinderbüchern und Experimentierkästen, wo alles einfach und verständlich erklärt wird. (Was im Studium und Ausbildung nicht der Fall war)

    Seit ein paar Jahren versuche ich mein Hobby zum Beruf zu machen. Ich bauen Mountainbikes aus Holz und Metall.

    Aber da ich keine abgeschlossene Ausbildung habe, habe ich auch keinen Job. Und ehrlich gesagt will ich auch keinen. Ich finde 8 Stunden am Tag einer sinnentfremdeten Arbeit nachgehen unerträglich. Dazu kommen noch diese spiesbürgerlichen Arbeitskollegen und immer ist jemand dabei, der einem auf den Sack geht. Wenn´s nicht der Chef ist, dann jemand anderer.

    Ich wohne bei meinen Eltern, und hab hier einen Gemüsegarten, wo ich Gemüse anbaue, Obstbäume habe ich auch.

    Leider ist der Garten nicht gross genug, dass wir uns komplett davon das ganze Jahr ernähren könnten.

    Deshalb überlege ich mir gerade im moment Containern zu gehen, da im moment kaum was im Garten wächst und ich auch keine Gelegenheitsjobs finden kann(undwill) und mein Geld vor ein paar Wochen ausgegangen ist.

    Die Arbeit im Garten empfinde ich nicht als Arbeit, sondern als das, was ganz natürlich zum Leben dazugehört. Ohne das wäre das Leben langeweilig.

    Und die Arbeit in der Werkstatt brauche ich auch. Mich kreativ austoben. Mit Holz und Metall.

    Aber ich hab ganz klar erkannt, das eine Ausbildung einem die Freude am kreativen Tun total kaputt macht. Allein schon die Schule, dann das viele Auswendiglernen, die Prüfungen usw…

    Aber mein komplettes Umfeld ist mir total überfordert. Meine Familie hat ein total Problem, dass ich keine Ausbildung und auch keinen festen Job habe. Und auch mein emaliger „Freundeskreis“ kann mit dem was ich tue nichts anfangen. Wir haben irgendwann den Kontakt miteinander abgebrochen,weil wir uns nicht mehr verstehen.

    Für die gibt es nur : Arbeiten gehen, Geld verdienen, Haus abbezahlen, Karriere, schönes Auto, usw…

    Liebe Grüsse

    Tobi

    1. Pia Selina DammPia Damm Beitrags Autor

      Hallo lieber Tobi,

      ganz herzlichen Dank fürs Teilen deiner Gedanken und deiner Lebenssituation. Ich verstehe voll gut, wie du dich fühlst.
      Wundervoll, dass du dir so viel selbst beigebracht und freilernend deine Talente entdeckt hast!
      Ich bin sicher, es gibt einige Möglichkeiten, wie du mit deinem Talent auch deine Existenz sichern kannst.
      Du könntest mit deiner nachhaltigen Idee zum Beispiel eine Crowunding-Kampagne starten. Vielleicht dann nicht „nur“ Montainbikes bauen, sondern auch viele andere kreative Alternativen mit Fahrrädern: Fahrradmixer, fahrradbetriebene Waschmaschinen etc.
      Ich kann mir vorstellen, dass das Interesse daran richtig groß wäre! Dann kannst du, wenn du magst, Seminare anbieten, wie mensch selbst solch tolle Dinge bauen kann…. und und und :)

      Ich drück dir die Daumen, dass du, was das angeht, auch noch ganz kreativ werden darfst und deine individuelle Lösung für die Frage der Existenzsicherung finden kannst :) Viel Freude, Motivation und Kraft!

  12. Nina

    Danke für deinen tollen Artikel -Es ist immer schön, von jemandem zu lesen, der sich traut, die gesellschaftlichen Selbstverständlichkeiten diesbezüglich in Frage zu stellen.
    Ich selbst lebe sehr zufrieden mit sehr wenig Geld und zwar mit viel weniger, als es dem aktuellen Arbeitslosengeld-Satz entspräche. Daher arbeite ich entsprechend wenig. Meinen Fokus lege ich lieber darauf, mein Leben nach und nach immer naturnaher zu gestalten, mich selbst kennen und lieben zu lernen und anderen Menschen genau das zu vermitteln.

    Man mag es kaum glauben, wie verpönt es ist, wenn man es wie ich nicht erstrebenswert findet, eine Arbeit zu haben. Die meisten Menschen, mit denen ich darüber rede, wollen nach dieser Antwort gar nichts weiter wissen, ihr Urteil ist bereits gefällt.
    Ich finde es traurig, dass die Frage nach der Arbeitsstelle zumeist die allererste (gleich nach der Frage nach dem Namen) ist, wenn zwei Menschen sich kennenlernen. Als gäbe es nichts bedeutsameres als das.
    Alleine die Frage: „Was bist du von Beruf?“ ist bezeichnend dafür – Nein, ich BIN nicht von Beruf, ich HABE einen Beruf.

    Für mich persönlich macht es viel glücklicher und ist es viel erstrebenswerter, einen direkten Bezug zu den Dingen zu haben, die man tut: Holz zu sammeln, um es warm zu haben, Gemüse zu pflanzen, um satt zu werden usw. Dann fühlt es sich auch nicht mehr nach Arbeit an – statt dafür zu arbeiten, jemand anderes Traum zu verwirklichen und seine Bedürfnisse quasi über den Umweg „Geld“ zu erfüllen.

    Man muss einfach lernen, sich von der Meinung anderer nicht entmutigen zu lassen und trotzdem offen zu bleiben.

    Liebe Grüße,
    Nina

  13. Birgit

    Hallo Pia und Hallo alle Leser*innen!
    Ein schöner Artikel, ich mag deine ’steile‘ These.

    Ich erlebe die Frage „was machst du?“ ebenso als omnipräsent und scheinbar unglaublich wichtig für so viele von uns… Meine Erfahrungen decken sich sehr gut mit dem, was du beschreibst. Ganz gerne mache ich mir den Spaß und tu so, als ob ich nicht wüsste das mein Gegenüber meint, was ich BERUFLICH mache und antworte zB. mit „ich unterhalte mich gerade mit dir“ ;-)
    Ein Jahr vor der Matura hab ich die Schule abgebrochen – ich hatte genug von Lerndiktatur. (Es gab bis heute keinen Moment in dem ich diese Entscheidung bereut hätte, im Gegenteil) Dann hab ich ein freiw.soziales Jahr gemacht, danach weiter in der Pflege gearbeitet und nach einigen Jahren die dafür vorgesehen Ausbildung begonnen. „Erwachsenenbildung“ hab ich mir dann doch etwas anders vorgestellt, als das was es dann tatsächlich war. Nebenbei noch berufsbegleitend Arbeiten + unbezahlte Praktika…
    Letztendlich hat mich das ewige Versuchen-in-die-Form-zu-passen krank gemacht. Das hat mich in weiterer Folge dazu gebracht, mir zum ersten Mal diese Fragen zu stellen „Was anfangen?“ „Was will ICH?“ „Was macht Sinn?“ ….

    Ich begann, einen Garten anzulegen. Gemeinsam mit 5 Freunden bewohne ich seit etwa 1 Jahr einen Bauernhof und nach und nach hauchen wir diesem Ort wieder Leben ein.
    Doch weiterhin wuchs in mir das Bedürfnis, sinnvolle Arbeit zu tun und diese Arbeit mit meinen Bedürfnissen in Einklang zu bringen. Sinnvoll nicht nur für meine 5 Freunde und mich, sondern sinnstiftend für die gesamte Gesellschaft.

    Meine bezaubernden Neffen halfen mir dabei herauszufinden, dass ich ein besonderes Talent dafür habe, mit Kindern in Kontakt zu treten und ihnen auf Augenhöhe und in tiefstem Respekt vor ihrem Kind-Sein zu begegnen. So entwickelte sich in mir die Entscheidung: Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen, das ist es. Und eines war klar: Nicht im „alten“ System ….
    kurz darauf bin ich auf „Laising – natürliches Lernen“ gestossen und war nach dem Besuch des ersten Moduls im vergangenen Oktober – indem ich selbst zurückgeführt wurde zum natürlichen lernen – Feuer und Flamme dafür.

    Was daraus entstanden ist: Wir gründen eine LAIS.Schule im Raum Vöcklabruck (OÖ) !!! :-D
    Das gesamte Projekt ist darauf ausgelegt, dass sich Menschen mit ihren vielfältigen Talenten im WIR finden und gemeinsam – wie ein Mosaik – ein Kunstwerk entstehen lassen. Bisher funktioniert das erstaunlich gut. Wo meine Talente ihre Grenzen haben, finden sich andere Menschen die genau dort ihre Stärken haben und es ergänzt sich alles auf wunderbare Art. Jeder bringt einen (kleinen) Teil ein und tut, was ihm Freude bereitet und so entsteht und wächst dieses geniale Projekt!! :-)
    Zu deinem Stichwort der Vernetzung: Wer sich beteiligen will kontaktiert mich einfach unter [email protected] oder schaut mal auf unsrer Homepage vorbei: http://www.natuerlich-lernen.jetzt

    Alles Liebe und viel Freude euch allen beim Entdecken eurer Talente und nicht Vergessen: immer wieder ausprobieren! Und: Wir lernen nur durch unsere Fehler, sie sind wertvoll! <3

  14. kahalla

    Hallo Pia und hallo all ihr Kommentatoren und Lesinnen.

    Frei lernen ist eine tolle Sache, ich bin mit einer Unterbrechung von wenigen Jahren seit dem Abbruch meines Studiums zu Anfang der neunziger jahre dabei. In dieser zeit habe ich mehr als 100 verschiedenste Jobs gemacht, in denen ich nicht nur etwas Geld verdient, sondern auch jeweils etwas gelernt habe, das ich jetzt praktisch anwenden kann. Scheine oder Zertifikate habe ich für die wenigsten dieser Fähigkeiten und Kenntnisse. Allerdings habe ich mich immer bester Gesundheit erfreut. Ein Abstecher von wenigen Jahren ins „ordentliche“ Berufsleben hat mich ziemlich krank gemacht und mein freies lernen ist inzwischen nur noch bedingt möglich. Trotzdem halte ich daran fest. Habe ich als „langes Lernprojekt ein „Autodidaktikum“ an mehreren Theatern gemacht wo ich sämtliche dortigen Berufe ausgeübt habe, also vom Kulissenschieber zum Bühnenbildner, Beleuchter, Bühnenmeister, aber auch Schauspieler und Regisseur, Dramaturg und Requisite, Maske und Kostüme etc. Ein siebenjähriges Autodidaktikum, das mir in den letzten drei Jahren sogar ein kleines Einkommen verschafft hat. „Autodidaktikum“ ist der Ausdruck, den ich mir überlegt habe um diese Zeit in Lebensläufen zu beschreiben.
    In den letzten Jahren habe ich ein selbst entwickeltes Sozialprojekt vorangetrieben und in meinem Laden für Philosophie philosophische Lebensberatung angeboten. (Mein Philosophiestudium war von Anfang an ein Neigungsstudium auch wenn ich den Magisterabschluss nicht gemacht habe.
    Zur Zeit wird hier in Wuppertal ein sogenannter Lernort gegründet, der genau sowas macht. Vom 13. bis zum 26. Juli gibt es hier ein Sommercamp, indem die alte Silvio-Gesell Freilichtbühne wieder hergestellt werden soll.
    Dieses Sommercamp ist ein 2-wöchiger Testlauf für den Lernort, also eine „Schule“, die inspiriert von den Amsterdamer „knowmads“ anderes Lernen dauerhaft ermöglichen wird.
    Infos dazu: lernort-wuppertal.blogspot.de oder auf facebook.

    Wer Lust dazu hat… einfach anmelden.

    Ich bin ziemlich begeistert davon, weshalb ich diesen Link überhaupt setze. Danach werde ich gerne berichten, falls mir mein eigenes Projekt die Zeit dafür lässt. Es wäre natürlich auch schön, einige von euch dort zu treffen.

    kahalla

  15. Ingrid Obermaier

    …mein erster Beitrag ist irgendwo im www verschwunden, drum start ich nochmal.

    Ich bin mit 71 vermutlich die Älteste hier und ich hab einfach meine Probleme mit dem Begriff „Aktivistin“.
    Oder auch „geldfrei leben“.
    Das klappt nicht. Nie und nimmer – es sei denn Du gibst Dich in die Abhängigkeit von Familie oder Staat.
    Wir leben ja nicht in der Steinzeit.
    Selbst das Stück Land, das Du bewirtschaftest und das Dich ernährt muss irgendwo herkommen.
    Wenn Du Glück hast, hat es Deine Familie eingebracht.
    Aber Du musst dafür Steuern bezahlen.
    Du brauchst Frischwasser – das musst Du bezahlen.
    Du brauchst Elektrizität – und sag jetzt nicht, dass Du ohne auskommst…. die kostet auch bei Selbsterzeugung – sogar in sehr sonnenreichen Gebieten.
    Und – auch die Rohstoffe müssen für ein Minimum angeschafft werden.

    Die Liste der Grundbedürfnisse ist ellenlang.
    Allein der Hinweis auf die Familien Krankenversicherung sollte zu denken geben.

    An Kinder mag ich noch garnicht denken.

    Auch bei sehr vernünftiger und absolut luxusfreiem Leben kommst Du nicht ohne aus – und wirst das auch nicht wollen.

    Ich habe nur Hauptschule, eine kaufmännische Lehre, jung geheiratet, mein Mann hat als Beamter einen sehr kleinen Verdienst gehabt, wir hatten eine Wohnung, bald zwei Söhne, ich war 8 Jahre zuhause, hab dann Teilzeit gejobbt, Familie war immer vordergründig.
    Ich hab „auf ein Haus gespart“ und das auch geschafft, seit 22 Jahren hab ich nun Haus und Garten. Ich habe meine Mutter betreut, meinen Mann gepflegt und bin seit einem Jahr Witwe.
    Durch die Pension meines Mannes gehts mir jetzt gut, ich lebe sorgenfrei, kann meine Kinder finanziell unterstützen und endlich mein Leben frei gestalten. Meine vielschichtige Kreativität ausleben.

    Aber das geht nur durch mein vorausgegangenes, solides Leben.

    Was tut ein Aktivist? Reden, planen, Wünsche haben, wie, bitte w i e erreichst Du etwas für die Welt?
    Du kannst nur Deine eigene kleine Welt für Dich und Deine Bedürfnisse gestalten. Du kannst mit einem kleinen Kreis Gleichgesinnter den Spermarkt meiden – aber davon wirst Du die Welt nicht verändern.

    Du kannst experimentieren, entwickeln, darin erfolgreich sein – aber das wirst Du nicht lebenslang durchhalten, denn auch Dur hast einen ganz natürlichen Anspruch auf ein gesundes, reales Leben – das nichts mit Fernreisen oder Tierversuchen zu tun haben muss.

    Wach auf! Mach eine Ausbildung in einem Beruf, der Dich fasziniert und verdiene Geld um zu leben – nicht um Dein Leben zu vergeuden mit weltfremden Wünschen.

    So, und nun haut drauf, auf das Wort zum Sonntag!

    1. Pia Selina DammPia Damm Beitrags Autor

      Liebe Ingrid, danke dir für deine Gedanken.
      Eigentlich geht es in dem Artikel nicht um „geldfreies Leben“, sondern darum, selbstbestimmt zu leben und die eigenen Talente ins Gemeinwohl einzubringen. Wie das jede*r individuell schaffen kann, dafür gibt’s vermutlich keine Allgemeinlösung ;)

      Wir stellen uns immer wieder die Suffizienz-Frage. Was brauchen wir eigentlich wirklich und wie lässt es sich (geldfrei) organisieren? Wenn es Bereiche gibt, in denen das mal nicht so einach möglich ist, gilt es kreativ zu werden und zu schauen, wie dieser Bereich gedeckt werden kann.

      Es geht uns vor allem darum, geldfreier zu werden – unabhängiger von Zwängen und Lohnarbeit sowie von dem Prinzip Leistung-Gegenleistung. In einigen Lebensbereichen funktioniert das eventuell nicht ganz konsequent (bspw. Krankenversicherung), da gilt es dann kreative Lösungen zu finden.

      Zwei Jahre lang haben Tobi und ich vollkommen geldfrei gelebt und sind nun gerade am schauen, was sich weiterhin für uns gut und sinnvoll anfühlt.
      Deswegen auch geldfrei und nicht „ohne Geld“: Es trägt einen befreienden Akt in sich und impliziert, dass wir uns bewusst sind, dass es in einer kapitalistischen Gesellschaft momentan nicht „ohne Geld“ funktioniert.

      Einen Punkt, den du aufgreifst, finde ich besonders spannend:
      Du sagst, Menschen, die sich vollzeit für gesellschaftspolitische Veränderung einsetzen, können die Welt nicht verändern. Klar ist, dass sie das nicht alleine können. Doch können wir Schritte dahin unternehmen und uns nicht von dem Gedanken „Was kann ich alleine schon tun?“ lähmen lassen und stagnieren.
      Was kann deiner Meinung nach „die Welt verändern“?
      Ich bin der Ansicht, dass wir Verthältnisse ändern können, indem wir a) sie so wenig als möglich aktiv weiter unterstützen b) den gesellschaftlichen Diskurs mitbestimmen und c) Alternativen auzeigen und leben.
      Du stellst in Frage, wie ich als Aktivistin etwas „für die Welt erreichen“ kann und sagst dann, ich solle arbeiten und Geld verdienen. Das verstehe ich nicht: Denkst du, – plakativ gesprochen – durch Arbeit und Geld verändern sich gesellschaftliche Verhältnisse?
      Es braucht Menschen, die neue Wege gehen und zeigen, dass ein Leben in Kooperation udn Solidarität und nicht in Koknurrent- und Leistungsdenken möglich ist.

      Ich bin gespannt auf deine Gedanken.
      Alles Liebe,
      pia

  16. Nadine

    Wie schön, liebe Pia!
    Ein Thema, das mich auch gerade viel beschäftigt.
    Tatsächlich habe ich ein klassisches Studium mit dem Bachelor abgeschlossen. Das erste was man uns bei der Einführungsveranstaltung sagte war, dass wir nach diesem Studium schon jeder einen Arbeitsplatz sicher hätten…
    Solche Prognosen gibt es immer wieder. Und irgendwie gab uns das während dem Studium ein gutes Gefühl.
    In der Realität sah es dann aber schon anders aus – laut meiner Kommilitonen von damals. Selber hab ich mich schon während dem Studium selbständig gemacht. Und seit Anfang des Jahres schmeiße ich das alles über den Haufen, um das zu machen, was ich seit Jahren schon als mein Ziel sehe.
    Lange dachte ich, dass ich jetzt nochmal ein Studium dran hängen würde – fand aber, zum Glück, nichts was mir gepasst hätte.
    Einzelne Fächer: klar.
    Aber diese Wahnsinns-Kombinationen mit so vielen leeren „Inhalten“ und Fächern und Bla… hauptsache am Ende kommt ein Abschluss dabei raus.
    Dann doch lieber MOOCs, Kurse zu bestimmten Themen, …
    Viele liebe Grüße,
    Nadine

  17. Grüner Alltag

    Hi Pia,
    Ich habe oft das Gefühl, dass es nicht unbedingt darauf ankommt wieviel Geld wir verdienen sondern vielmehr für was wir es letztendlich ausgeben.
    Viele Menschen manövrieren sich unabsichtlich immer weiter in eine Spirale aus immer mehr Arbeit (gegen Geld) und immer mehr Ausgaben/Schulden/Besitz. Dabei sehen sie ihren Ausweg überhaupt nicht und das ist doch genau was unser heutiges Wirtschaftssystem will. Die Frage ist nur wozu?
    Ich habe zwar eine relativ genaue Vorstellung davon, was ich kann und machen möchte, aber ich weiss noch nicht wie ich es anstellen soll um davon auch in unserer modernen Welt leben zu können.
    Ich finde es toll, dass du den Schritt gewagt hast und alles für dich funktioniert. Danke für deinen Artikel!
    Liebe Grüße! ~Anne

    1. Pia Selina DammPia Damm Beitrags Autor

      Danke für deine Gedanken :)
      Meiner Ansicht nach geht es nicht nur darum, für was das Geld letztendlich ausgegeben wird, sondern auch, wie es verdient wird (Arbeitsverhältnisse, Ausbeutungsmechanismen, Zinsen etc.).
      Außerdem finde ich Geld (auch wenn es nur noch ein reines Tauschmittel wäre) problematisch, da damit immer die Leistungs-Gegenleistungs-Logik reproduziert und Talente auf ihren Tauschwert reduziert werden.

      Wunderbar, dass du so genau weißt, wo deine Talente liegen :) Den letzten Schritt schaffst du bestimmt auch noch – einfach kreativ werden! ;)

  18. markus

    tja das hamsterrad – arbeit. wie können wir da ausbrechen?

    für mich gibt es eine superlösung: plan-b von http://www.wissensmanufaktur.net
    leider würde das einen radikalen umbruch bedeuten und dazu wird es wohl kaum ein gruppe haben, die den mut zusammenbringt.

    aber da es nun mit der gesellschaft und wirtschaft massiv bergab geht, wird es ev. eines tages so weh tun, dass solche modelle doch zukunft haben. nur befürchte ich, dass ich das nicht mehr erleben werde.

    schade….ich liebe den plan-b. wohl durchdacht, und so was von gerecht und menschlich.

  19. Grübler

    Hallo Pia,

    natürlich wäre die Welt perfekt, wo jeder nur das macht, was ihm Spass macht. Irgendwie muss jedoch ein gemeinschaftliches Leben geregelt werden, sonst hat der Stärkste das Sagen. Unsere Zivilisation hat sich leider in eine technische Richtung entwickelt, aus der es nun sehr schwer ist, wieder auszubrechen. Wenn jeder nur sich selber versorgen würde, dann wäre das meiner Meinung nach ein Rückschritt. Gerade die Arbeitsteilung hat uns den aktuellen Wohlstand gebracht und auch einen Wirtschaftsüberschuss, so dass sich ein Staat auch Arbeitslose leisten kann. Und wir müssen(?) uns einen Staat leisten, der Regeln aufstellt, kontrolliert und dabei dem Mehrheitswunsch folgt. Durch den Technikfortschritt sollten eigentlich viel weniger Leute arbeiten müssen, leider ist unsere Gesellschaft aber so profitorientiert, dass man nicht ohne Geld auskommt. Früher wurden die Leute zur Arbeit gezwungen, heute werden sie mit dem Zwang nach Geld zu einer Tätigkeit genötigt. Wenn jeder nur noch das machen würde, was ihm Spass macht und dann keiner mehr Lust hat z.B. Häuser zu bauen, dann würden wir wieder in Höhlen leben. Ich bezweifle jedoch, dass es noch genügend Höhlen gibt um alle Menschen Europas aufzunehmen. Geld an und für sich ist ja nichts schlechtes, nur wie es heute verwendet wird ist verwerflich. Wir leben hier in Europa im Luxus und lassen die Waren überall auf der Welt produzieren, hauptsache billig. Dadurch kann man mit viel bequemeren Jobs Geld verdienen anstatt etwas zu produzieren. Da jedoch jeder etwas Essen will müssen andere dieses Essen erzeugen, aufbereiten, anliefern, zubereiten. Jetzt hat aber auch nicht jeder Lust für andere Lebensmittel zu erzeugen und damit beißt sich die Katze in den Schwanz.

    Deine Tätigkeit als Aktivistin bedingt also, dass jemand anderes für dich arbeitet und zur Waren zur Verfügung stellt (Wohnung, Wasser, Nahrung, Strom, Kleidung, Transportmittel,…). Es gibt ja viele Tätigkeiten, bei denen nichts hergestellt wird (z.B. Kunst) jedoch gesellschaftlich anerkannt sind und mit Arbeit vergleichbar sind, essentiel jedoch nichts für die Sicherstellung der Grundbedürfnisse eines Menschen leisten.

    1. Karin K.

      Hallo Grübler,
      wie kommst du darauf, dass niemand Häuser bauen will? Und warum sollte jeder Nahrungsmittel für andere erzeugen müssen, damit die bequem Geld verdienen können? Geld wofür? Glaubst du, dass jeder Bock auf Luxusartikel hat?
      Dein Beitrag wirft bei mir viele Fragen auf, das finde ich spannend und wenn ich gleich wieder im Garten „arbeite“ , werde ich weiter nachdenken.
      LG, Karin

    2. Pia Selina DammPia Damm Beitrags Autor

      Hey Grübler, danke für deine Gedanken.
      Die Themen, die du ansprichst, gehen sehr weit in die gesamtgesellschaftliche Ebene, die zu beleuchten spannend, aber sehr umfangreich ist. Du stellst einige Annahmen in den Raum, die ich so nicht gesagt habe und von denen ich auch nicht ausgehe.

      Zu so vielen Aspekten deines Kommentars kommt mir viel in den Sinn. Deswegen greife ich nur mal zwei heraus.
      1) Du sprichst an, dass es viele Tätigkeiten gibt, bei denen nichts hergestellt wird, diese also nicht zur Sicherstellung der Grundbedürfnisse beitragen. Wenn du nur von den materiellen Grundbedürnissen sprichst, mag das sicherlich sein. Wir haben allerdings nicht nur materielle, sondern auch soziale Grundbedürfnisse. Insofern sind Tatitgkeiten, durch die materielle Güter hergestellt werden wichtig, aber nicht das einzige, was wir als Individuen und Gemeinschaft brauchen.

      2) „Geld ist an und für sich nichts Schlechtes“. Geht aus meinem Artikel eine so vereinfachte Aussage hervor? Im Grunde geht’s in diesem Artikel um selbstbestimmtes und sinnerfülltes Leben. Ich sehe viele Problematiken im Geldsystem und auch in Geld als reinem Tauschmittel, würde allerdings keine vereinfacht These aufmachen, die sagt „Geld ist schlecht“. Geld hat immer die Leistungs-Gegenleistungs-Logik inne und Talente werden auf ihren Tauschwert reduziert.

      Soweit meine Gedanken dazu :) Sorry, dass ich nicht auf alles eingehe, aber das würde den Rahmen hier sowie meine zeitlichen Ressourcn sprengen.

      Alled Liebe Dir,
      pia

  20. Andreas

    Hy Pia,

    Ich und meine Freundin denken so wie du, wir haben auch vor uns so schnell wie möglich Autark zu Ernähren und Energie Autark zu leben um endlich frei von diesen krankmachenden System zu werden.
    Ich hab vor 4 Jahren das Studium abgebroch und bin seitdem im Sozialen breich Tätig, was die beste Entscheidung meines Lebens war.

    Ich arbeite gerade an einen Verein, der Jungen leuten Freiraum zu Kreativer (Sport, Musik, Spiel) entfaltung bietet. Wir renovieren derzeit noch, aber seitdem ich an etwas für mich arbeite, und nicht für irgendeinen Gewinnbringenden Großkonzern fühle ich mich um Welten besser.

    Ich finds super das es solche leute wie dich gibt, das gibt mir noch ein bisschen Hoffnung in dieser Welt.

    lg Andi

  21. Christopher

    Grüßt enk,

    ich bin seit 5 Jahren dabei, mir ein Leben ohne „Arbeit“ vorzustellen und aufzubauen, habe nach und nach die lohnabhängige Arbeit als Angestellter reduziert und nebenbei immer wieder Kurse und Workshops zu Themen mitgemacht, die mich interessieren, habe daheim viel gelernt und lerne noch immer. Dabei lerne ich querfeldein, was mir grad zusagt, ob systemische Pädagogik, Kinderschminken, Märchenerzählen, Puppenspiel, Filzen, Baum-und Strauchheilkunde, Feuermachen und -nutzen, Bildbearbeitung auf dem PC, Sprachen oder Akkordaufbau für die Gitarre…

    Vor 5 Jahren habe ich mir gedacht, das ich mein Leben am besten mit einem Baukasten aus verschiedenen Tätigkeiten und Talenten zusammenbastel. Und jetzt bin ich schon auf dem Weg, seit letzten Jahr finanziert sich meine Familie zum Teil aus kreativen Projekten, die zudem auch noch extrem familienfreundlich sind, was mein voriger Broterwerb überhaupt nicht war.

    Und es ist endlich Zeit und Energie übrig, bei sozialen Projekten mitzuhelfen, ich kann mich an vielen verschiedenen Orten einsetzen, Wissen weitergeben, Fähigkeiten zur Verfügung stellen. Dabei bin ich recht zwanglos, da es immer meine freie Entscheidung ist, zu tun oder zu lassen.

    Ich bin derweil als Erzähler tätig, als Gitarrenlehrer, als Koch, als Vater sowieso. Ich versuche an den Gewissheiten der bestehenden Weltsicht und des Alltags zu kratzen :0)

    Ist auch nicht immer einfach, faul bin ich nie, weil immer irgendetwas zu machen oder vorzubereiten ist und manchmal reicht die Zeit eines Tages kaum, um alles zu tun, was ansteht. Aber meine persönliche Motivation ist groß und die Freude, die ich in der kreativen Lebensgestaltung erlebe, ist ein Geschenk.

    Ob das, was ich versuche, tatsächlich langfristig funktioniert, ob ich es immer weiter ausbauen kann, weis ich nicht. Aber Versuch macht Klug.

  22. Yvonne

    Liebe Pia.
    Deine Gedanken zu diesem Thema sind interessant und sehr lesenswert.
    „Was ist dein Talent und was machst du draus“? Autsch! Viele Leute üben Jobs aus, die nicht unbedingt den eigenen Talenten entsprechen, oft ist das auch nicht gefragt. Da wird eine junge, intelligente, aktive Frau, die sich nicht ins gängige System einfügt und ihre Arbeit frei und selbstverantwortlich organisiert schon mal als Provokation empfunden.
    Weil sie zum nachdenken anregt. Und man dann vielleicht realisiert, dass es auch anders sein könnte. Das macht unzufrieden, deshalb wird ‚das andere‘ lieber kritisiert, das ist einfacher. Sonst müsste man ja bei sich selber aktiv werden, hinterfragen, neu denken und organisieren… Definitiv würde unsere Gesellschaft anders aussehen, wenn wir das alle tun würden. Gemeinsam sowieso.
    Danke Pia! Herzlich, Yvonne.

  23. Frederic

    Hallo Pia,

    vielen Dank für diesen sehr gut geschriebenen und inspirierenden Beitrag.
    Für deine Entscheidung für das Aktivisten-Leben und das Freilernen und gegen den Erwerb eines Hochschulbildungszertifikats habe ich großen Respekt.
    Ich war leider nicht so mutig, habe mein Studium mit dem ordnungsgemäßen Abschluss beendet und konnte auch in der Arbeitswelt Fuß fassen. Kann ich diese Entscheidung, wie du, als „erfolgreich“ bezeichnen? Nein, absolut nicht. Schon am Ende meines Studiums wurde mir immer mehr bewusst, dass „etwas“ für mich nicht stimmt und nun bin ich in einem Job gestrandet, der zwar einigermaßen gut bezahlt, aber eigentlich vollkommen sinnentleert ist. Deswegen suche ich nun für mich alternative Wege und es würde mich wirklich freuen, wenn wir uns vernetzen könnten. :)

    Gruß

    Frederic

  24. Jenny

    Liebe Pia,

    das ist ein unglaublich wertvoller Artikel! Ich bin inzwischen etwas über 40, habe 2 gelernte Berufe, übe aber keinen der beiden aus, sondern frage mich immer noch, was wohl meine tatsächliche Berufung/Bestimmung ist.
    Viele Jahre war ich – wie die meisten anderen auch – einfach nur fremdgesteuert und habe nur versucht die Erwartungen anderer zu erfüllen. Die ganzen Glaubenssätze und Haltungen müssen jetzt erst mal abgebaut werden …
    Zumindest weiß ich schon mal, was ich NICHT machen möchte. Immerhin – ein guter Anfang zur Selbstfindung!
    Und ich weiß, was mir wirklich Spaß macht :-) Ich weiß nur noch nicht, wie ich mit meinen 4 Kindern davon leben soll …
    Aber ich bin zuversichtlich :-)

    Liebe Grüße!
    Jenny

  25. Rosanna

    Toll geschriebener Artikel!

    Ich selbst stelle mir auch immer öfter die Frage, ob ich mein Landwirtschafts-Studium abschlusslos beenden und endlich beginnen sollte, meine persönliche Utopie (Waldgarten-SoLaWi-Alternativ-Gemeinschaft) vor der Haustür zu leben … Man könnte denken, dass das Studium in gewisser Weise brauchbar sei, allerdings ist dieses unfreie, einheitsbrei-lernen nicht das, was für mich eine zukunftsfähige Gesellschaft ausmachen würde.

    Liebe Pia, wie finanzierst du dein Leben eigentlich?

    1. Pia Selina DammPia Damm Beitrags Autor

      Hej Rosanna. Wow, spannend, was du vorhast! Das klingt wirklich nach einer tolles Utopie! Ist sie schon ein bisschen konkreter? Wo möchtest du den Waldgarten entstehen lassen? Jetzt bin ich neugierig :D
      Sag unbedingt bescheid, wenn du damit loslegst! :)

      Max hat dir schon den Artikel empfohlen, der vermutlich Antworten auf deine Fragen geben kann – auch wenn Tobi und ich vielleicht nicht mehr alles heute genauso beantworten würden.
      Wir stellen uns immer wieder die Suffizienz-Frage. Was brauchen wir eigentlich wirklich und wie lässt es sich (geldfrei) organisieren? Wenn es Bereiche gibt, in denen das mal nicht so einach möglich ist, gilt es kreativ zu werden und zu schauen, wie dieser Bereich gedeckt werden kann. Ein Allgemein-Lösung gibt’s dafür wohl nicht ;)

      1. Rosanna

        Danke für deine Antwort, den Artikel kannte ich schon :)
        Ich finde es ist auch ganz wichtig, dass man „geldfrei“ nicht so radikal sieht. Für später könnte ich mir z.B. auch vorstellen mit anderen lieben Menschen eine Regionalwährung zu initiieren. Unser heutiges Finanzsystem ist für mich der Ursprung allen Übels (globale Handelskreisläufe, Wachstumszwänge usw.) … ich glaube, wenn man etwas ändern will, muss man mit dem Finanzsystem anfangen, sprich Komplementärwährungen schaffen, um so wieder die Menschen für regionale Kriesläufe zu gewinnen.
        Hmm .. sehr viel konkreter ist mein Plan noch nicht, ich bin auf jeden Fall für vieles offen, was mir noch so begegnen wird :) Ich glaube es ist besser, wenn ich erstmal mein Studium abschließe, das wird wohl noch ein Jahr dauern, und danach kann endlich das echte Leben losgehen :D
        Und naja, ein bisschen Grund und Boden würde mir zur Verfügung stehen … den alten Obstgarten als oberste Schicht für den Waldgarten hat meine Oma zum Glück schon vor Jahrzehnten angepflanzt ;)
        Ich möchte mich auch mit Leuten aus dem Dorf vernetzen und so eine lebenswerte Welt (am besten mit allem was so eine Gemeinschaft braucht, wie etwa eine freie Bildung) vor der Haustür schaffen, für alle die daran teilhaben wollen.

        Auch wenn nicht alles gelingen wird, allein der Weg dahin zählt :)

        Liebe Grüße

        1. Pia Selina DammPia Damm Beitrags Autor

          Klingt auf jeden Fall toll, was du vor hast!
          Ich persönlich finde Regionalwährungen auf jeden Fall eine spannende Alternative, was ich daran kritisiere ist, dass es noch immer eine Währung ist, also das Prinzip „Leistung – Gegenleistung“ weder hinterfragt noch versucht zu überwinden. Talente und Ressourcen werden weiterhin auf ihren Tauschwert reduziert. Da finde ich persönlich Ansätze der share-, gift- und Umsonst-economy spannender :)

          Dir viel Freude und Motivation auf deinem Weg!

          1. Rosanna

            ja, da hast du auf jeden Fall Recht, das stört mich auch daran … aber ich hab da irgendwie noch meine Zweifel, dass der Mensch schon bereit wäre, für so ein freies, auf Liebe basierendes System … den äußerst idealistischen Anspruch will ich mir aber im Kopf behalten :)

            Ich glaube Michael hat auch schon mal irgendwo etwas von Zeit als Währung geschrieben, das klingt für mich auch sehr spannend!

  26. fillina

    Hallo Pia,
    gute Gedanken!
    Ich selbst beschäftige mich auch schon seit langem mit diesem Themengebiet und habe viele Definitionsfelder durchlebt.
    Empfehlenswert ist u.a. das Buch von Eberhard Straub – Vom Nichtstun: Leben in einer Welt ohne Arbeit.
    Um mal gründlich darüber nachzudenken, was Arbeit eigentlich sein soll/war/ist/ sein kann ….

  27. Claudia Pollack

    Hallo Pia! Deinen Artikel finde ich spannend und er erreicht mich in dem Moment wo ich zweifelnd an dem sitze was ich nicht Arbeit nennen kann. Ich bin Künstlerin (Schmuck und Malerei) und war gerade heute wieder einkaufen für den Schmuckkurs den ich wöchentlich an einer Schule gebe. So viele schöne Materialien , so viele Möglichkeiten! Und während ich mir das Körbchen fülle und auch ein paar Sachen für mich mitnehmen will stellen sich mir die unangenehmen Fragen: Wo kommt das alles her? Wer hat es hergestellt und zu welchen Bedingungen. Ist Künstler sein ökologisch vertretbar? Scheiße, kann ich eigentlich noch mit Acrylfarbe malen? Ist Acrylfarbe abbaubar? Warum eigentlich noch mehr herstellen (ja, auch Kunst)?
    So, ich hab auch keinen Job. Ich gehe meiner Kunst nach, gebe wöchentlich den Schmuckkurs und widme mich sonst inneren Prozessen und – habe auch selbst ein Kind.
    Ich bin nicht so der Performancetyp und doch will auch ich mich einbringen in den Prozess des Wandels. Sicher ist die Arbeit mit den Kindern in der Schule ein Anfang und wertvoll für die Kinder weil ich ihn so halte wie ich ihn halte. Weil ich nicht pro Schule eingestellt bin und ihnen nebenbei andere Dinge vermittle. Aber irgendwie fühle ich mich in Abständen gerade als Künstlerin unnütz. Meine Kunst ist nicht politisch. Das ist einfach nicht das was bei mir raus kommt. Meine Kunst ist vielleicht poetisch und natürlich will ich damit Geld verdienen. Leider- irgendwie. Gibt es zufällig Netzwerke in denen man sich als Künstler einbringen kann? Oder- wie macht Ihr das? Liebe Grüße an alle! Claudia

    1. Tom

      Aber Claudia, wie kann den Kunst unnütz sein?

      Kunst ist, zumindest so wie ich sie sehe, ein Spiegel, ein Medium.

      Entweder um die Eindrücke des Künstlers wieder zu geben oder um Emotionen darzustellen.

      Egal ob politisch, poetisch, humorvoll.
      Wo die wissenschaft den Geist berührt, da berührt die Kunst die Seele.

      Und gerade das macht sie gerade in unserer Zeit so verdammt wertvoll und wichtig. egal welcher Art sie ist.

      Wir leben in einer Zeit des Konsums, in dem eigene Werte und Ziele durch Konsum verdrängt wurden.
      In der viele Menschen die Orientierung verloren haben.

      Was sie brauchen sind Wegweiser zurück zu ihren Herzen. Zu ihren Träumen, Hoffnungen und Vorstellungen.
      Zurück aus den Glitterglitzer-Welten zu ihren eigenen herzen.

      Und das ist es was Kunst ist.

      Der Weg zurück zu unseren Herzen und damit zu unseren Träumen.

      Und damit ist Kunst eins der wertvollsten Güter, die du erschaffen kannst.

      Wenn das Kunst schöpfen das ist, was dich erfüllt dann bitte lebe es!

      Lieben Gruß,
      Tom

    2. malereike

      hallo claudia.

      ähnlich wie dir gehts mir auch. ich habe freie kunst studiert und mir nun ein paar haushaltsjobs besorgt damit ich meine malerei plus comiks plus liedermachen ausleben kann. meine kunst setzt sich eher mit mir als mit politischen themen auseiander. und manchmal frage ich mich wie ich so ein teil der gesellschaft sein kann.

      aber politik fängt im kleinen an und kann große kreise ziehen sage ich mir immer wieder. ich glaube nicht dass man sich im megaaktivismus ausleben sollte um bessere gesellschaftliche veränderung stattfinden zu lassen. es kann genausoviel bewirken, wenn man z.b. „nur“ sein kind gut erzieht oder wenn man mal hier mal da ein interessantes gespräch führt. ich bin auch überhaupt kein performancetyp und halt mich gerne im hintergrund auf, bin eher ein passiver typ, das soll auch so bleiben, wird schon seinen sinnn haben denk ich mir… es kann unheimlich druck verursachen, die welt unbedingt zum positiveren verändern zu müssen. mein beitrag zu einer besseren welt scheint vielleicht kleiner als der von grossen aktivisten oder berühmten persönlichkeiten/künstlern… aber wer weiss wohin das führt?

      …also arbeite ich weiter an meinen Gedankenskizzenmalereien, meinen autobiografischen comiks und sentimentalen liedern :)

      achso und zu deiner frage wegen acryl…da hab ich auch schon oft nach alternativen gesucht. ich male hauptsächlich mit öl, mit terpentine und leinöl, noch schlimmer als acryl… ich mache diesen kompromiss, habe auch schon mit blütenstaub, gewürzen etc gemalt, war mal ganz nett, aber ich brauche die ölfarbe einfach…

      1. Pia Selina DammPia Damm Beitrags Autor

        Danke euch für eure offenen Worte! Ich finde, dass gerade persönliche Geschichten und Emotionen sowie Veränderungsprozesse oft viel bewirken können. Denn als Menschen suchen wir oft nach Beispielen von anderen, um uns zu orientieren und inspirieren zu lassen. Deswegen: Jede*r auf die eigene Art und Weise ;)

        Und ja, ich bin auch neugierig: Wo kann mensch deine Comics sehen?

  28. Philipp

    Hallo Pia,

    ich finde gut, dass du das Stichwort Vernetzung ansprichst! Viel zu oft bemerke ich, dass sogar außerhalb finanzieller Aspekte ein Konkurrenzdenken besteht. Dabei wäre das nicht einmal bei eben diesen nötig.

    Häufig heißt es, dass Konkurrenz belebe, zu viel Konkurrenz macht aber kaputt. Stell dir vor, was wir als Gesellschaft erreichen könnten, wenn sich Konkurrenten plötzlich vernetzen würden und geballte Wissen und Erfahrungen vereinen!

    Wir brauchen nicht mehr Leistung, um konkurrenzfähig zu bleiben, sondern mehr Zusammenarbeit, um leistungsfähig bleiben zu können.

    Alles Liebe,
    Philipp

    1. Pia Selina DammPia Damm Beitrags Autor

      Es geht mir nicht um ein dogmatisches „ohne Geld“ leben, sondern selbstbestimmter zu werden und kreative Lösungswege zu finden, um die eigene Existenz zu sichern. Michael hatte Tobi und mich dazu vor einer Weile mal interviewt: http://experimentselbstversorgung.net/living-utopia-ein…/

      Nicht alles davon würden wir vermutlich heute noch genauso beantworten, aber es gibt einen Einblick. Ansosten geben wir auch viele Workshops und Vorträge zu diesen Themen. Die Termine findest du hier: http://www.livingutopia.org

  29. Marion

    Hallo,

    ich glaube dass bei vielen die Angst vor der Arbeitslosigkeit (Erwerbstätigkeit) dazwischen steht.sich kreativ voll zu entfalten.
    Als erstes müssten mal die ganzen Stacheldrähten aus den Köpfen raus , dass Hamsterrad „Arbeit oder doch eher Erwerbstätigkeit “ entfernt werden….für viele bedeutet der Begriff „Job“ nur noch dass sie erwerben “ um ihre Familien wenigstens einigermaßen über die Runden zu bringen ( was oft mit einem Job allein schon garnimmer klappt)
    mit Spaß und Freude am Beruf hat dies schon längst nix mehr zu tun. Nicht umsonst gibt es ständig steigende Burn-Out Diagnosen und manche wundern sich auch noch drüber weil sie aufgrund von Stress, Schnelllebigkeit plötzlich nicht mehr „funktionieren“.

    Arbeit steht laut Wiki für:

    Arbeit (Betriebswirtschaftslehre), Komponente der Produkterzeugung und ein Produktionsfaktor
    Arbeit (Philosophie), das bewusste schöpferische Handeln des Menschen
    Arbeit (Physik), Energiemenge, die bei einem Vorgang umgesetzt wird
    Arbeit (Sozialwissenschaften), bezahlte Erwerbstätigkeit und unbezahlte Reproduktionsarbeit
    Arbeit (Volkswirtschaftslehre), einer der Produktionsfaktoren in menschlichen Gesellschaften
    Erwerbstätigkeit, Tätigkeit, mit welcher der menschliche Lebensunterhalt bestritten werden kann
    Klassenarbeit, Leistungskontrolle in der Schule
    Kunstwerk (z. B. „die Arbeit des Künstlers“)
    Lohnarbeit, nach der Form des Entgelts, für Arbeiter (in Unterscheidung zum Gehalt des Angestellten)
    wissenschaftliche Arbeit, Produkt einer Forschungstätigkeit
    Beschäftigungsverhältnis
    Quelle : http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeit

    es ist die Frage wie man des Wort „Arbeit“ definiert, auch ich arbeite , zwar nicht erwerbsmäßig aber ich arbeite , entweder an meinen Bildern oder im Haushalt, demnächst hoffentlich auch wieder in einem eigenen Garten….
    es ist nur der Unterschied dass ich für mich und meine Familie arbeite (ausser Bilder malen/zeichnen, dies mach ich auch für andere)
    und nicht für einen Firmeninhaber der sich auf Kosten von anderen und deren Gesundheit die Taschen vollstopft.

    Zitat: “ Immer höher, schneller, weiter versuchen wir zu wirtschaften, Arbeitsplätze zu schaffen und uns im Konkurrenzkampf unser Überleben – oder familienegoistisch gedacht das unserer Liebsten – zu sichern“

    für was das alles? Nur damit die Wegwerfgesellschaft nicht zum erliegen kommt? Wie weit soll denn die Wirtschaft noch in den Himmel wachsen?
    Wieviel Lebensmittel sollen noch überproduziert werden, wieviel Elektroschrott soll es noch geben? Wieviele wertvolle „grünen“ Lungen sollen noch vernichtet werden? „MENSCH“ werd endlich wach !!!

    mehr schreib ich jetzt nit dazu, sonst steigere ich mich zu sehr rein
    sollte auch eher mal zum nachdenken anregen :-)

    LG Marion

  30. Sara

    Hey, der Text ist echt inspirierend.
    Ich studiere gerade Biologie und fühle mich völlig eingeschränkt, weil mir viel zu vieles vorgegeben wird.
    Nach dem Abi hatte ich auch gedacht, endlich lernen zu können was mich interessiert, aber ich bin noch eingeschränkter als jemals zuvor. Es bleibt nicht mal mehr Zeit für meine Hobbys.

    Pia, wäre es möglich, dass du mir per Mail mehr über deinen Job erzählst und die Aussichten, falls ich deinem Beispiel folgen möchte?

    Grüße

    1. Ingrid Obermaier

      Hmmm …. nix gegen den Text, nix gegen die Idee, die Wünsche, das Leben, aber – wovon lebst Du?
      Ich bin 71, Hauptschule, kaufmännische Lehre, mit 19 geheiratet, 2 Söhne, 6 Jahre nur Hausfrau, dann Teilzeitjobs, sehr sparsam gelebt um ein Haus auf dem Land zu kaufen, mit 56 aufs Land gezogen, mit 58 meine Mutter gepflegt und wieder zuhause geblieben, mit 60 verkürzte Rente in Anspruch genommen, mit 70 verwitwet…..
      Nachdem ich damals einen Beamten geheiratet hatte, geht es mir jetzt in der Rente gut. Der Anfang meiner Ehe war sehr sparsam….

      Erst jetzt kann ich „leben“. Mich selbst verwirklichen und das hat nichts mit Altenclub und Kaffeefahrten zu tun.

      Mein Lebensweg war schlicht. Zuverlässig, meine Ansprüche angepasst.

      Mein Aktivismus fand in gesicherten Verhältnissen statt.

      Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie „man“ ohne gesichertes Einkommen leben kann. Eine Grundversorgung.

      Wie machst Du das, wie lebst Du?
      Ich kann mir unter „Aktivistin“ nichts vorstellen – sag’s mir!
      servus
      Ingrid

    2. Pia Selina DammPia Damm Beitrags Autor

      Hej Sara, ich verstehe gut, was du meinst und finde es toll, dass du dein Studium so reflektierst. Letztendlich darf jede*r ihren*seinen eigenen Weg finden, das Leben selbstbestimmt zu gestalten.

      Ich kann aber au jeden Fall auch gut nachvollziehen, dass es Orientierung schenkt, mitzubekommen wie andere ihr Leben gestalten. Gerne würde ich dir da weiter helfen, allerdings stehen bei mir momentan sehr viele Projekte an.

      Wenn du magst, schreib mir doch einfach mal deine konkreten Fragen an pia[ät]livingutopia[punkt]org. Ich schaue dann, wann ich dazu komme, sie zu beantworten – es kann sein, dass das eine Weile dauert…

      Bin gespannt!
      Alles Liebe Dir,
      pia

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