Amazon verwendet unerlaubt unseren Text

Michael Hartl
Von Michael Hartl
7. März 2012

Jaja, ACTA ist in aller Munde, weil wir normalen Anwender*innen ja die Großen der Branche zu Fall bringen werden. Die gesamte Musikindustrie wird pleite gehen, Hollywood wird zum Slum verkommen und die großen Buch-Shops werden in sich zusammenfallen. Weil wir alle so böse kopieren. Das Urheber*innen*recht nicht achten. Schamlos nehmen und nutzen, was uns nicht gehört.

Nun, ich selbst bin auch Urheber. Von vielen der Texten auf dieser Website zum Beispiel. Darum kann ich so manchen Gedankengang zum Schutze der Urheber*innen*rechte durchaus nachvollziehen und unterstütze die meisten auch. Aber immer wenn die größten der Branche weinen und schimpfen, muss ich schmunzeln. Denn diese Konzerne arbeiten ausschließlich an der Profitmaximierung, drohen in ihren Impressen und Hilfe-Seiten ständig mit Klage bei Nutzung ihrer Texte und sind wenig zimperlich, wenn es um den Umgang mit „kleinen“ Kund*innen oder Konkurrent*innen geht.

Amazon nimmt das Urheberrecht nicht so genau

Einer dieser Großen ist mit Sicherheit Amazon. Auf dessen Seite bin ich gerade durch einen Link auf Facebook gekommen. Genau genommen auf die Seite eines Buches mit dem Titel „Der Garten – Anstiftung zur Selbstversorgung“. Und dort ist eine Produktbeschreibung zu lesen, die sich für mich echt gut anhört.

Komisch nur, dass mir der Text auch sehr bekannt vorkommt – weil ich ihn nämlich geschrieben habe. Zum Vergleich einfach die Absätze zwei, drei und vier von „Unser Traum“ hier auf dem Blog lesen.

Mail an Amazon

Also hab ich Amazon eine Email über das Kontaktformular geschrieben und warte der Dinge, die da kommen. Folgende Nachricht habe ich vor wenigen Minuten verschickt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

gerade bin ich mehr oder weniger durch Zufall auf ein Buch auf amazon.de gekommen. Der Titel ist „Der Garten – Anstiftung zur Selbstversorgung“. Auffindbar unter der URL www.amazon.de/gp/product/B004SM7LG2/

Ich möchte Sie freundlich auf die Verletzung meines Urheberrechtes hinweisen, denn der Text unter „Produktbeschreibungen“ ist ohne Genehmigung von mir 1 zu 1 von unserer Website übernommen worden. Den Artikel, aus dem der von mir auf Ihrer Seite beanstandete Text stammt, habe ich im Februar 2010 geschrieben und auf unserer Website veröffentlicht.

Auffindbar unter https://experimentselbstversorgung.net/unser-traum/
Der unerlaubterweise übernommene Teil umfasst im Original-Artikel den zweiten, dritten und vierten Absatz.

Ich bitte Sie mir zu erklären, wie mein Text auf Ihre Website kommen konnte und bis wann Sie diesen dort wieder entfernt haben werden. Außerdem möchte ich von Ihnen wissen, was Sie nun gedenken zu unternehmen, um zukünftig solche Urheberrechtsverletzungen auszuschließen.

Ich erwarte eine zügige Bearbeitung,

Michael Hartl

Update 07. April 2012: Vor einiger Zeit hat sich Amazon gemeldet und sich sehr entschuldigt. Sie haben mir ein spezielles Formular zugeschickt, das ich ausfüllen soll, damit sie gegen den Händler vorgehen können, der meinen Text als seine Buchbeschreibung eingestellt hat. Amazon hat den Text bereits gelöscht.

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15 Gedanken über “Amazon verwendet unerlaubt unseren Text

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Hallo "shuttlex",

      schön, dass Du erkannt hast, dass man unsere Texte kopieren und verbreiten darf. Vielleicht hast Du auch gesehen, unter welchen Bedingungen. Ansonsten empfehle ich Dir zu lesen: Creative Commons Lizenz 3.0

      Kurzfassung: es geht um drei wesentliche Punkte, die erfüllt sein müssen, um unsere Werke nutzen zu können: Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung und Weitergabe unter gleichen Bedingungen. In diesem Fall: keine Namensnennung, kommerzielle Nutzung und die Seite, die es hier nutzt (Amazon) hat eben genau keine Creative Commons Lizenz sondern droht sogar mit juristischen Folgen bei Übernahme von Inhalten. Also verstieß diese Geschichte in allen drei Punkten gegen die Nutzungsbedingungen.

      Und da wir im Übrigen nicht in den USA leben brauchen wir kein "Copyright" auf unsere Texte knallen – sondern haben nach hiesigen Gesetzen automatisch das nicht-veräußerliche Urheberrecht an allem, das wir schaffen. Und das behalten wir auch. Wir vergeben lediglich ein wiederrufbares Nutzungsrecht. Rein juristisch betrachtet.

  1. Aldarom

    Hi, ich verfolge nun schon seit geraumen euren Blog, finde es gut zu wissen das immer mehr Menschen Aufwachen und der mutierten Konsumgesellschaft den Rücken zukehren, zurück zur Mutter (Natur) kommen.

    Was Dein juristisches Problem anbelangt, so spiegelt es lediglich die Gesamtsituation wieder, in welcher wir Dank internationalem Handelsrecht mittlerweile Global stecken. Der Einzelne wird ignoriert, wenn es um Konzernrecht geht. 85% aller Staaten sind privatrechtlich organisiert.

    Falls ich Dir einen lieb gemeinten Tipp geben darf: Laß dich nicht zu sehr von den § ablenken, denn genau aus diesem Grund gibt es sooo viele von denen (§)… Ablenkung! Macht weiter mit dem was euch wichtig ist, dem Leben. Vergeben und Verbinden, statt Teilen und Herrschen. Ich schreibe dies aus Erfahrung, habe lange gegen Windmühlen gekämpft, bis ich meinen inneren Frieden mit der Jakobfraktion machen konnte.

    Respektvolle Grüße aus dem besetzten Deutschland

    Aldaron

  2. Gabi

    hej,

    du solltest dir dieses Buch vielleicht wirklich einmal ansehen, da die Buchbeschreibung oft der Text auf der Rückseite des Buches ist. Möglicherweise wurden ganze Teile deiner Ideen und deines Wissens in diesem Buch übernommen (nun, ich hoffe dass es nicht so ist…)

    lg Gabi

  3. Sven

    Nun, ich glaube, die Buchbeschreibung wird nicht von Amazon erstellt, sondern von denjenigen, der das Buch bei Amazon einstellt. Es ist also nicht Amazon, sondern der Verlag oder, im schlimmsten Fall, der Buchautor daran schuld.

    Vielleicht solltest du einen weiteren Schritt machen, und dir das Buch mal kaufen und es genauer unter die Lupe nehmen. Das meine ich jetzt ernst.

  4. Margaretha Becker

    …das ist ja eine irrsinnige Dreistigkeit, euren Text zu klauen und da einzustellen. Ich habe einmal aus Unwissenheit ein Stückchen Stadtplan kopiert und zur Beschreibung wie man zu mir kommt auf meine homepage gestellt. Daraufhin bekam ich eine Abmahnung jenseits allen Vorstellungsvermögens. Ich bin ihr nur entkommen, weil ich bei dem Anwalt gebettelt und geheult habe und gesagt habe, dass ich überhaupt kein Geld habe und alleinerziehend bin. Irgendwann hatte ich es tatsächlich geschafft ihn zu erweichen. Wahrscheinlich aber nur, weil er gesehen hat, dass bei mir absolut nix zu holen war. Ich wollte euch das nur auf den Weg mitgeben, damit ihr seht, wozu die großen Konzerne fähig sind, wenn es um ihre "Rechte" geht. Wäre sehr neugierig, wie Amazon darauf reagiert. Wünsche euch viel Glück bei eurem tollen Vorhaben Selbstversorger zu werden. Beste Grüße Maggy

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