Abenteuer Bauwagen: Teil 1

Bauwagen finden und kaufen

Lisa Pfleger
Von Lisa Pfleger
1. März 2016

Eigentlich wollte ich nach dem Rückschauartikel für 2015 ja noch erzählen, was ich 2016 geplant habe. Nun ja, das wechselt eh im Wochentakt. Aber eines ist fix: Einen Bauwagen kaufen! (und ausbauen). Das ist nun endlich passiert und hier mal ein Bericht von der Such- und Kaufphase.

Wohnen auf kleinem Raum

Ich habe voriges Jahr schon mal berichtet, dass ich gerne „klein“ wohnen möchte. Damals war noch ein „normales“ Haus (mit Stroh und Lehm) geplant. Aber Pläne ändern sich nun mal, auch das Setting, die Voraussetzungen und die Personen haben sich geändert. Seit meinem Rückschau Artikel hat sich auch gleich mal schlagartig etwas geändert. Kurz danach stand fest: Ich ziehe vorübergehend nach Wien. Für meine Beziehung. Für meine Nerven. Kein stundenlanges Pendeln um sich zu sehen. Aber: Definitiv nur vorübergehend.

Das „neue Wir“ weiß aber so gar nicht recht, wo es mal landen wird. Der Nestbautrieb ist bei mir aber schon seit Jahren in vollem Gange. Menschen-Nester (=Häuser) kann man aber in der Regel schlecht mit sich rumtragen, weswegen man sich normalerweise vorher entscheidet, wo es stehen soll. Das geht aber gerade nicht.

Wohnen auf Rädern

Gut, dass mich schon seit ein paar Jahren Bauwägen und „Tiny Houses“ wahnsinnig ansprechen. Diese mobilen Bauformen haben leider auch einige Nachteile, weswegen ich damals – als ich mir sicher war, wo ich bleiben will – nicht ernsthaft darüber nachgedacht habe, zumal Bauen mit Stroh und Lehm das günstigste ist.

Wohnen auf Rädern, hat aber einen entscheidenden Vorteil: Die Räder! Ich nehme mein Haus einfach überall mit hin, wo ich es haben will! Wobei „einfach“ natürlich auch nur in der Theorie. Bauwägen und mobile Lösungen sind natürlich nicht überall erwünscht… Aber auch nicht unmöglich ;) (stell‘ mir diesbezüglich bitte auch noch keine baurechtlichen Detailfragen – ich weiß noch zu wenig)

Ursprünglicher Plan

Eigentlich wollten wir davor ja ein „richtiges“ Tiny House bauen. Also so aus Holz und mit Loft und so weiter…. Wir haben seit Weihnachten schon viel geplant und mit Leuten gesprochen, aber irgendwann hatten wir die Idee, es mal mit einem „kleineren“ (gar nicht so viel kleiner) Projekt zu versuchen. Inspiriert waren wir dabei von Freunden, die sich einen Bauwagen ausgebaut haben. Ich war total verliebt in die Dachrundung. Wir haben auch im Winter darin „Probegeschlafen“ um mal zu checken, ob es auch warm wird und so…

Die Idee dabei war, dass einfach das Grundgerüst schon steht und wir uns „nur“ mehr um den Innenausbau kümmern müssen. Auch wollen wir darin nicht alles so perfekt machen. Es ist einfach mal zum Austesten, bevor wir uns über das ultimative Projekt hermachen. Wie ist es überhaupt in so einem Wagen zu leben? Vielleicht nervt es ja nach wenigen Wochen und Monaten? Dann wäre es schön, nicht ein Jahr lang das Herzblut hineingesteckt zu haben… Jetzt hoffen wir in 3-6 Monaten in gemütlichem Tempo zu bauen.

Schritt 1: Suche & Kauf

Nun gut, jetzt erstmal zum ersten Schritt. Nach 3 monatiger intensiver Suche, haben wir ihn nun endlich gefunden, unseren Bauwagen! Bei der Besichtigung war ich sowas von nervös. Unzählige Bauwägen wurden Martin und mir vor der Nase weggeschnappt. Meist kam es nicht mal zur versprochenen Besichtigung. Angebote gibt es genug. Fast täglich kam ein neues Inserat online. Aber:

  1. So schnell wie sie da sind, sind sie auch schon wieder verkauft
  2. Waren die meisten zu klein. 3,5 -5 Meter sind so die Standardgrößen

5 Meter wäre gerade noch gegangen. In Wirklichkeit haben wir etwas ab 6 Metern bevorzugt. Unserer ist nun 6,5 Meter lang :)

Foto von Bauwagen, der gerade mit einem Geländewagen gezogen wird

So sieht das gute Stück aus. (Noch) nicht sehr hübsch, aber wird noch ;D

Tag X – der Kauf

Nach einem kürzlich zuvor riesigen Fail mit einem anderen Bauwagen aus München, war ich reichlich nervös. Immerhin hatten wir erst 400€ Lehrgeld bezahlt. Eine Anzahlung, die wir nicht zurück bekommen haben. Ich hasse solche großen Kaufentscheidungen und der damit einhergehende Druck. Aber ich bin heilfroh, dass wir dieses riesen Monster von Zirkuswagen damals doch nicht gekauft und auf die 400€ verzichtet haben.

Was kostet so ein Bauwagen?

Bei unserem jetzigen Traumstück sah das ganz anders aus. Das Bauchgefühl, ein haushocher Unterschied. Es stimmte von Anfang an.

1.700€ hat unser „Haus“ gekostet. Erstmal. So wie es jetzt ist, können wir darin nicht ganz jährig wohnen. Dämmung, Hausinstallationen, Verschalung, Einrichtung, neue Fenster usw… Das werden schon noch mal einige Tausend Euros. Aber gut. Verglichen mit Miete zahlen, ist das bald wieder herinnen. Und verglichen mit einem normalen Hauskauf… Pffff :)

Angeboten wurden die Bauwägen von 200-3000€. Je nach Zustand. Wobei unserer genau dem Mittelwert entspricht und der Zustand supergut ist.

Zufall

Das beste an der Sache war: Martin und ich waren gerade auf Heimatbesuch, als wir doch noch einen Tag länger blieben, weil er krank wurde. Genau in dieser Nacht kam das perfekte Angebot rein – 20 Kilometer entfernt!!

Also anrufen. Herzklopfen. Noch nicht verkauft. Besichtigung ab 17h. Mehrere Interessenten. Noch mehr Herzklopfen. Dieses Mal musste es einfach klappen!

Nach der Erfahrung, wie schnell diese Dinger verkauft werden. Wollte ich pünktlich eine halbe Stunde vorher vor Ort sein. 15 Minuten voher waren es dann. Wir liefen um den Wagen herum und drehten drinnen ein paar Runden und es war sofort klar: Den wollen wir! Noch zittrig ob wir ihn kriegen (nachdem ich schon Detailfragen gestellt hatte, „wie wir das mit dem Transport machen und so…“) kam der Anruf und die Erleichterung „Jaja, der kleinere ist noch da. Den großen Bauwagen hab ich gerade verkauft.“

Große Freude

1000 Steine vom Herzen. Endlich geschafft! Ich war den ganzen Tag unausstehlich nervös und gereizt. Beim Hinfahren so sehr, dass ich noch kund tat, wenn das jetzt nicht klappt, kann ich mich erst mal nicht mehr um die Suche kümmern. Erst da hatte ich gemerkt, wie das ständige Telefonieren, Besichtigen, Hoffen und wieder Absagen an meinen Nerven gezehrt hat.

So nervös wie ich davor war, umso besser meine Laune bei der Heimfahrt. Endlich. ENDLICH! Mein Grinsen war so breit, dass ich beinahe 2 Autositze gebraucht hätte. Mir ist zwar bewusst, das manche Menschen viel länger nach etwas Suchen, aber Geduld ist eben nicht meine Stärke :D

Der Transport

Eigentlich wollte ich ursprünglich einen Artikel nur über den Transport am letzten Sonntag schreiben und dann ist doch eine ganz schön lange Vorgeschichte daraus geworden. Also dann geht’s eben morgen weiter! Bleib dran ;)
Ich kann’s kaum erwarten. Das Video ist schon fertig geschnitten *hihi*

Und du?

Träumst du auch von so einer Art zu Wohnen? Oder schon mal so ein Ding oder etwas Ähnliches gekauft? Wie ist es dir dabei ergangen?

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19 Gedanken über “Abenteuer Bauwagen: Teil 1

  1. Kenichi

    Hallo Lisa,

    ich interessiere mich auch für Bauwagen.
    Studiere in Wien und habe bereits ein paar Wochen auf Wagenplätzen gewohnt. Ich hoffe etwas zu finden oder selbst bauen zu können, vorausgesetzt einer der Wagenplätze nimmt mich auf. Müsste aber in der nähe sein, weil ein zu teurer transport ist nichts für mich.

  2. Sarah Alruna

    Liebe Lisa.

    Ich versteh dich so gut! Mir ging es genau so. Es ist schon echt nervenaufreibend. Ich hab den Kauf jetzt auch endlich geschafft. Puh…
    Aber jetzt merk ich, dass die Arbeit jetzt erst richitg los geht….
    Oh Mann….aber ich versuch mich so wenig wie möglich zu stressen.
    Hab am Rande von Wien einen Pachtgarten…vielleicht magst du mal vorbeikommen…wäre schön, sich auszutauschen…da wir ziemlich am gleichen Punkt stehen und die Vorgeschichte mir auch so bekannt vorkommt….Meine Mailadresse: [email protected]

    Alles Liebe,
    Sarah Alruna

  3. Steffi

    Hallo Lisa,
    es ist sehr schön, von Deinem Projekt zu lesen.
    Wir haben ein ähnliches Projekt am Laufen. Mit dem kleinen Unterschied, dass wir unser rollendes Haus ganz selbst aufbauen wollen. Die erste Überlegung war auch, einen fertigen Wagen zu kaufen und ihn dann auszubauen. Doch nach längerer Recherche und etwas Druck im Nacken, da wir bald anfangen wollten und bald fertig sein müssen, haben wir uns spontan für ein Untergestell entschieden. Nun gehts bei uns um die Planung von Ständerwerk, Dämmung (!!!), Holzarten und und und.
    Unsere Motivation für das Projekt war die Sanierung unserer Häuser und dem damit verbundenem Rausschmiss. Daraus resultierte die Frage: Wie wollen wir denn nun wirklich leben??
    Das ist auf jeden Fall irre spannend. Ich freu mich darauf, von Dir weiteres zu lesen.
    Wenn Du magst kannst Du uns besuchen ;) Wir haben eine Webseite: http://derfliegendeteppich.net/ und fb https://www.facebook.com/teppichflug/
    Viele Grüße von zwei Gleichgesinnten
    Steffi und Ben

  4. Alex

    Hallo Lisa,

    danke für den Einblick in dein aktuelles Wohnprojekt.

    Einen Bauwagen als Wohnung umzubauen sehe ich als super Idee, flexibel zu bleiben und doch komfortabel zu wohnen.

    Die Frage die sich mir stellt ist, wie oft wird der Wagen seinen Standort wechseln bzw. wie häufig brauchst du eine neue Umgebung. Denn der Bauwagen muss immer von fremder Hand gezogen werden und das ist mit Kosten und Aufwand verbunden.

    Ich finde das Wohnen im Bauwagen dennoch aufregend und bin gespannt mehr darüber zu lesen. Vor allem wie es sich auf Dauer lebt und wie man das mit dem Wasser & Strom bewerkstelligt und wo man den Bauwagen abstellen kann oder darf.

    Viel Erfolg beim Umbauen und Einrichten deines neuen Reiches.

    Grüße aus dem Norden von Vietnam

    Alex

    1. Lisa PflegerLisa Pfleger Beitrags Autor

      Hallo Alex! Ich hoffe dass er so selten wie möglich umzieht aus eben genau den von dir genannten Gründen. Wir wollen lediglich günstig oder mietfrei wohnen, wissen aber einfach noch nicht wo wir mal endgültig wohnen wollen – sofern man das überhaupt wissen kann :) Da war es für uns naheliegend dass sich unser Haus einfach bewegen lassen soll :)

  5. Eduard

    Hallo Lisa,

    also weiß nicht, „Das werden schon noch mal einige Tausend Euros“ für den Innenausbau… schau einfach täglich in die eBucht-kleinanzeigen in Deinem Umkreis, wenn Du weißt was Du willst, kriegst Du da super günstig super Möbel und alles andere, Auch gebrauchte Fenster mit Rahmen, wobei man die auch auf dem Hinterhof von Firmen finden kann, die diese zwecks Modernisierung ausgebaut haben. Ich habe so schon ein ganzen Haus ausgebaut und eingerichtet (nach der neuesten EnergiesparVerordnung fragt ja keiner)! Viel Spaß!

  6. Thomas einfach Mensch

    Ich hab auch schon die ganze Zeit an einen Bauwagen gedacht. Aber damit kann man nicht weit reisen. Und ich reise halt sehr gerne. Als Standhäuschen, finde ich es total geeignet und toll, aber wenn jemand gerne reist, dann sollte er sich besser einen Bus nehmen und ihn innen ausbauen. Der kann ja dann die Leute besuchen, die in einem Bauwagen leben :-).
    Aber tolle Geschichte!

  7. Maria

    Liebe Lisa,

    ich stöbere immer gern bei Deinen Einträgen rum und finde es immer toll, dass du so vieles verwirklichst… ich hab mich von folgendem inspirieren lassen, was auch auf kleinem Raum ist, jedoch an Ort und Stelle ..kennst du sicher auch :
    http://bewusst-vegan-froh.de/im-einklang-mit-der-natur-diese-4-koepfige-familie-erbaute-ein-traumhaus-fuer-4000-euro/

    umgesetzt ist es noch nicht..aber nach Grundstücken schau ich schon… Alles liebe und weiterso!!! SO macht das Leben Spass“!!!!

  8. Agnes

    Klasse, gratuliere zu dieser Entscheidung :-)

    Ich habe mir ein 30 qm-Holzhaus gebaut, isoliert und verschalt, ich liebe es und werde irgendwann dort die meiste Zeit verbringen.
    (Im übrigen habe ich im Jahr zuvor auch einen mega-Fehlgriff getan und ganze 5.000 Euro in den Sand gesetzt ….)

    Wisst ihr schon wie ihr es isolieren wollt? Ich kann Euch nur den kostenlosen online U-Wert-Rechner ans Herz legen, der war für mich Gold wert, da ich alles alleine geplant habe und hier immer checken konnte, ob meine Vorstellungen realisierbar bzw. vernünftig waren! (Und sie waren) ;-)
    http://www.u-wert.net

    Ich halte das für immens wichtig, damit euch nicht irgendwann das Holz hinter der Isolierung wegfault und ihr keine Probleme mit Feuchtigkeit bekommt. Ich habe Hanffasermatten und Holzweichfaserplatten genommen, zwei Räume mit Lehmfarbe gestrichen innen. Perfekt und ökologisch, atmungsaktiv und schadstoffarm.
    Selbst wenn die Iso-Materialien was mehr kosten als Steinwolle oder so ein billiges Baumarktgedöns – auf die wenigen Quadratmeter sollte man sich und der Umwelt das wirklich gönnen!

    Gute Planung und Überlegungen sind das A und O bei so einem Projekt, damit es im Nachhinein keine bösen Überraschungen gibt. Aber ihr werdet euch schon damit intensiver auseinander gesetzt haben wie es scheint.

    Ich wünsche Euch viel Spaß und gutes Gelingen – bin sehr neugierig auf weitere Berichte.

    LG
    Agnes

  9. lalelu

    viel erfolg mit eurem projekt. ich habe selbst jahrelang in diversen bauwagen gewohnt ( der plural von wagen ist übrigens nicht wägen…) und es immer sehr geliebt. man lernt viel, vor allem handwerklich. und über die jahreszeiten und das dazugehörige wetter. aber das kennst du ja ohnehin schon. bin gerade ein bisschen neidisch, gerade im Frühling ist das Wagenleben am schönsten. hängt vermutlich schlicht mit der Erleichterung des überstandenen Winters zusammen. Naturnaher geht kaum. Frohes Werkeln euch, bin schon gespannt auf weitere Berichte!

      1. lalelu

        ja, klar. es gab ne menge veränderungen in der gruppe, die ebenfalls auf dem wagenplatz lebte, das hat dann für mich und meine familie nicht mehr gepasst. sowas kommt vor. wir haben aber unglaublich viel gelernt, und es war auch lange zeit genau die richtige lebensform für uns. jetzt sind wir, ähnlich wie du, in so einer zwischenphase, in der wir verschiedene zukunftsfähige möglichkeiten überdenken und noch nicht so richtig wissen, wohin die reise geht.
        es ist echt spannend, zu beobachten, wie jemand quasi „in die andere richtung“ unterwegs ist, als wir. hin zum wagenleben, anstatt wie wir in den letzten jahren davon weg. und ein bisschen wehmut ist natürlich dabei…

  10. geli*

    Liebe Lisa! Herzlichen Glückwunsch zu eurem neuen Zuhause!! Ich freue mich schon auf mehr Bilder, und Berichte zum neuen Wohngefühl… Ich habe deinen Blog erst vor ein paar Wochen entdeckt, eine begeisterte Freundin & treue Leserin hat mir davon erzählt. Ich wohne seit 2014 mit meinem Freund auf 6 qm in einer Art mobilen „tiny house“. Wir haben einen selbstgebauten kleinen Zirkuswagen auf die Ladefläche gesetzt. Schicke dir gerne mal ein Foto, wenn du möchtest. Alles Gute!!! Geli

  11. Natascha

    Jaaa,100%ige Zustimmung.
    Ich träum tatsächlich auch schon ewig davon.
    Allerdings war ich noch nie soweit diesen Traum auch mal „in Angriff“ zu nehmen.
    Abgesehen davon würde ich das gerne mit jemandem gemeinsam machen und habe diese Person noch nicht gefunden.
    Kenne zwar viele, die es prinzipiell toll finden aber sich schlussendlich doch nicht trauen.
    Liebe Grüße
    Nati

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