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The One-Straw Revolution

Michael 21. November 2011 2 Kommentare

So der englischsprachige Titel des Buches, dass ich Euch heute vorstellen möchte. Dieses Buch war einer der Auslöser für mich, Lisa vorzuschlagen, Bücher auf unserem Blog vorzustellen. Denn dieses Werk von Masanobu Fukuoka ist aus meiner Sicht eines der wichtigsten Bücher, das Selbstversorger*innen, Gärtner*innen, Landwirt*innen, Wissenschaftler*innen – eigentlich alle Menschen – lesen sollten.

Eine Einführung in den naturnahen Landbau

Der Unterttitel verspricht eine Einführung in den naturnahen Landbau – doch das Buch geht weit über das hinaus. Es geht um ein ganzes Weltbild. Um ein ganzheitliches, genügsames und kritisches Herangehen an das Leben als Ganzes.

Wer sich vom Buch erhofft, eine exakte Anleitung für den eigenen Gemüseanbau in unseren Klimabreiten zu finden, wird enttäuscht werden. Wer aber offen ist, auch durch Beschreibungen von Reis- und Zitrusfrüchteanbau inspiriert zu werden, wird einen großen Gewinn durch das Buch haben. Und wer sich von Fukuokas geamter Weltsicht inspirieren lässt, wird beginnen, die Welt, den Garten und vielleicht sogar das eigene Leben aus etwas anderen Augen zu sehen.

Vom Wissenschaftler zum Wisschenschaftskritiker

Ich finde wunderbar, dass Masanobu Fukuoka sein Buch damit beginnt, seinen Lebensweg zu beschreiben. Dadurch holt er die meisten seiner Leser*innen dort ab wo sie sind. Im normalen Denksystem, mitten in der ganz normalen Welt. Fukuoka selbst war nämlich mit 25 Jahren Wissenschaftler. Spezialisiert auf Pflanzenkrankheiten. Er arbeitete täglich im Labor und hatte eine wissenschaftliche Karriere vor sich. Doch dann begann er, ich denke, auf Grund seiner mehr und mehr gewonnen und gelebten buddhistischen Lebensweisheit, dieses wissenschaftliche, mechanistische Weltbild zu hinterfragen.

Diese Schritte, die ihn vom Wissenschaftler zum Wisschenschaftskritiker werden ließen, sind sehr nachvollziehbar beschrieben. Er verstand mehr und mehr, dass der menschliche Intellekt niemals alles erfassen kann, was „Natur“ oder „Leben“ bedeutet. Das Wissenschaft sich fokussiert, auf einen einzelnen Bestandteil, und bei all ihren Untersuchungen immer hunderte von Zusammenhängen und Beziehungen zu anderen Bestandteilen wissentlich außer Acht lassen muss – und unendlich viele mehr, derer sie sich nicht einmal bewusst ist.

Die „Nichts-Tun-Landwirtschaft“

Trotzdem leitet die moderne Wissenschaft aus diesen Einzelbetrachtungen und unzureichenden Nachahmungen der Natur im Labor Regeln, Erkenntnisse und Handlungsanweisungen ab. Die Menschen sollen ihre Felder exakt so und so behandeln, genau diesen Dünger zu genau dieser Jahreszeit anwenden, so und soviel Wasser geben, dieses und jenes jäten, pflügen, auf exakt diese spezielle Weise ernten, gegen diese Krankheit jene Chemiekalie verwenden.

Da aber dieses außer Acht lassen aller Zusammenhänge nicht der Realität vor Ort entspricht, hat sich Fukuoka davon abgewendet. Das Stück Land, dass eine Bäuerin oder ein Bauer Jahr für Jahr bewirtschaften muss, ist immer das Gleiche – keine*r kann so einfach seinen oder ihren Acker in einen „besseren“ austauschen. Der Regen der fällt, und damit die Bewässerungsmenge, ist jedes Jahr unterschiedlich. Der Nährstoffgehalt im Boden variiert. Die Anzahl an sonnigen Tagen ändert sich. Und so weiter. Daher Fukuokas Idee, das landwirtschaftliche Tätigsein individuell an der Natur und ihren Bedingungen auszurichten, anstatt den irrsinnigen Versuch zu wagen, die Natur an unsere wissenschaftlichen Ergebnisse anpassen zu Wollen.

Da Fukuoka den Wissenschaftler aber glücklicherweise nie ganz beseite gelegt hat, formulierte er vier Prinzipien des naturnahen Landwirtschaftens und erkärt sie dann in eigenen Kapiteln ausführlich.

  • No cultivation – also weder pflügen noch anders (Spaten, etc.) die Erde wenden
  • No chemical fertilizer or prepared compost – also keine chemischen Dünger oder auf einem Komposthaufen erzeugten Kompost aufbringen
  • No weeding by tillage or herbicides – es soll also weder chemisch noch durch komplettes Umhacken versucht werden, sämtliche „Unkräuter“ auszurotten, sondern lediglich ein unter Kontrolle halten des Unkrauts angestrebt werden
  • No dependence on chemicals – wer anfängt, chemische Pflanzenschutzmittel oder Insektizide einzusetzen, tötet damit meist nicht nur „Schädlinge“, sondern auch „Nützlinge“, so dass die Natur den nächsten „Angriff“ der „Schädlinge“ nicht abwehren kann – die Abhängigkeit ist da!

Da alle diese Prinzipien beschreiben, was man alles nicht tun soll, hat er seine Form der Landwirtschaft gerne als „do-nothing-Landwirtschaft“ bezeichnet. Die „Nichts-Tun-Landwirtschaft“. Wer das Buch liest und versteht, wird dann aber dem häufigen Trugschluß nicht aufsitzen, es handle sich um eine „Es-tut-sich-von-selbst-und-erzeugt-keine-Arbeit-Landwirtschaft“. Er selbst dachte nach meinem Verständnis bei der „do-nothing-Landwirtschaft“ eher an eine „Nichts-Tun-was-die-Wissenschaft-dir-vorschreiben-will-Landwirtschaft“.

Die Grenzen der Wisschenschaft und Wirtschaft

Masanobu Fukuoka legt im weiteren Buch seine Sicht über die Grenzen der Wisschenschaft sehr detailliert dar, schreibt über eine genügsame Lebensweise in Einklang mit der Natur und über seine Weltsicht insgesamt.

Warum brauchen wir ständige Weiterentwicklung? Wenn das Wirtschaftswachstum von 5 auf 10 Prozent ansteigt, verdoppelt sich dann die Zufriedenheit der Menschen? Was ist so falsch an einer Wachstumsrate von 0 Prozent? Wäre das nicht eine viel stabilere Art des Wirtschaftens? Kann es denn etwas besseres geben als einfach und genügsam zu leben und alles ein bisschen locker zu nehmen?

Masanobu Fukuoka, The One-Straw Revolution, S. 158, frei übersetzt von mir

Aus meiner Sicht kann es nichts besseres geben.

Fazit

Das Buch lege ich wirklich allen ans Herz. Es ist ein philosophisch angehauchtes Buch, das die richtrige Denk- und Lebensweise vermitteln kann, um einen naturnahen Landbau aus tiefstem Herzen zu verfolgen. Nicht um alles zu verstehen und erklären zu können – aber um ein Gefühl dafür zu bekommen.

Seine Idee, ab und an ein wenig Hühnerkot auf die Felder aufzubringen, kann ich aber nicht nachvollziehen, da er sich ansonsten bei seiner Methode strikt daran hält, was in der Natur von selbst vorkommt. Daher ist er beispielsweise gegen das Wenden der Erde mit Pflug oder Spaten, denn dies würde so in der Natur nicht passieren. Eine konzentrierte Ansammlung von Geflügelkot auf einem kleinen Bereich gibt es in der Natur so aber auch nicht. Konsequenterweise führt seine Gedankenwelt aus meiner Sicht daher zu einem bioveganen Anbau.

Diese Rezension bezieht sich auf eine englischsprachige Ausgabe von „The Other India Press“.

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2 Kommentare zu “The One-Straw Revolution

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