Der grosse Bio-Schmäh

Wie uns die Lebensmittelkonzerne an der Nase herumführen

Ein Artikel aus dem Januar 2012

Bio boomt. Das wurde bereits so oft vermeldet, dass es zu einer Gewissheit wurde. Und wer durch einen der großen Supermärkte geht, sieht das auch. Mehr und mehr Bio-Produkte werden dort angeboten. Brot, Milchprodukte, Fleisch, Brotaufstriche, Obst und Gemüse. Alles in Bio-Qualität. Zumindest beklebt mit dem Bio-Siegel….

Die Idee der biologischen Landwirtschaft war mal eine ganz große und idealistische. Doch wie ernst können und wollen Supermärkte, deren einziges Ziel die Profitmaximierung ist, solche Ideen nehmen? Ist Bio vom regionalen Bio-Bauernladen vergleichbar mit den marketinglastigen “Bio-Produkten” der Supermärkte? Oder ist die Supermarkt-Ware vielleicht nicht so genau das, was die Kaufenden erwarten?

Ja! Natürlich, Zurück zum Ursprung, Natur pur – der Bio-Massenmarkt

Dies waren ein Teil der Fragen, die Lisa und mich auf diesen unseren Weg gebracht haben. Daher waren wir auch sehr interessiert, als sich der Agrar-Wissenschaftler Clemens Arvay unter anderen diese Frage gestellt hat. Er ist seine Recherche noch viel gründlicher angegangen als wir das je gemacht haben, hat intensiv hinter die Kulissen geblickt und lädt alle ein, sich das Ergebnis, das seit dieser Woche als Buch auf dem Markt erschienen ist, anzusehen.

Begleiten Sie mich auf eine Reise durch das Universum des Bio-Massenmarktes, der Goliaths der Lebensmittelbranche. Lassen Sie sich in eine Parallelwelt mitnehmen, die uns normalerweise verschlossen bleibt … außer wir sind frech genug, einfach durch die Tür hineinzuplatzen. Genau das habe ich getan.

Mit “Bio-Massenmarkt” bezeichnet Arvay in “Der grosse Bio-Schmäh” die Produkte mit Bio-Siegel, die durch die großen Supermärkte verkauft werden. Und seine Ergebnisse sind teils so bedrückend, dass vielen Supermarkt-Bio-Kund*innen der Bissen im Hals stecken bleiben dürfte.

Greenwashing, Marketing und Massen-Schlachtungen

Der Autor nimmt Werbungen, also die Versprechen der Supermärkte an uns alle, und unterzieht sie einem Reality Check. Die meisten Werbungen zeigen uns Bäuer*innen im Grünen. Wunderbare Natur außen herum. Frei über die Wiese tollende Tiere. Das Paradies auf Erden. Und von dort, so suggeriert die Werbung, kommen die “Bio-Produkte” der Supermärkte. Oder Backstuben, die so urig aussehen, als gehörten sie zu einer kleinen Traditionsbäckerei im nächsten Dorf.

Doch ein erster Blick hinter die Kulissen zeigte Backfabriken, die so riesig sind, dass die Betriebsleiter in der Fabrik mit Fahrrädern fahren. Unüberblickbare Areale, in denen ein Gewächshaus am anderen steht, und deren künstlicher Anbau von “Bio-Gemüse” aus Monsanto-Saatgut in keinster Weise an die Paradies-Bilder aus der Werbung erinnert. Arvay schildert all diese Orte. Auch die Schlachthöfe, in denen “Bio-Hühner” im Sekundentakt und “Bio-Rinder” gemeinsam mit konventionellen Rindern im Akkord geschlachtet werden. Er deckt auf, dass ungarische Erntehelfer*innen auch im österreichischen Bio-Anbau unterbezahlt sind, ohne Ausgleich Überstunden leisten müssen und in unhygienischen Baracken untergebracht sind.

Hofer und das Wasser

In meinem Kopf kommen dabei Bilder hoch, wie ich sie aus den Filmen “Food Inc.” oder “We feed the world” kenne. Nur mit dem Unterschied, dass die meisten Menschen diese unsäglichen Zustände doch in der heimischen Bio-Branche nicht erwartet hätten. Gut ist, dass Clemens Arvay darum auch im zweiten Teil des Buches gut darlegt, dass nicht “bio” an sich vertrauensunwürdig ist. Denn es gibt sie noch. Die Bio-Bäuer*innen und kleinen Bio-Läden, die der ursprünglichen Idee eines ökologischen Anbaus und möglichst direkter Vermarktung folgen. Denen die Erhaltung unseres Planeten und der Kontakt zu den Menschen, die die bäuerlichen Produkte essen, wichtig sind. Die wirklich versuchen, nachhaltig zu wirtschaften; um diese abgedroschene Formulierung zu verwenden.

Ganz anders, um ein letztes Beispiel zu bringen, verfährt da der Discounter Hofer, wie der Aldi-Konzern in Österreich heißt. Auf immer mehr seiner “Bio-Produkte” mit dem Marketing-Namen “Zurück zum Ursprung” wird abgedruckt, dass sie viel weniger Wasser verbrauchen würden, als vergleichbare konventionelle Ware. Das hat der Konzern auch berechnen lassen. Das erste Ergebnis zeigte halt, dass das “Ursprungsprodukt” sogar mehr Wasser verbraucht, als das vergleichbare konventionelle. Also wird einfach virtuelles Wasser mit reingerechnet, welches in der Realität zwar nie aufgewendet wird, aber am Ende einer rein theoretischen Berechnung dann zumindest werbekräftig als “40 % weniger Wasserverbrauch!” auf die Verpackung gedruckt wird.

Fazit

Das Buch habe ich an einem einzigen Abend verschlungen! Es ist inhaltlich fesselnd und für meinen Geschmack gut geschrieben. Clemens Arvay nimmt einen an der Hand, holt die Leser*innen dort ab, wo die meisten stehen dürften, und geht Schritt für Schritt durch die Bio-Massenmarkt-Welt. Er zeigt, was Hofer / Aldi, Billa, Merkur, Spar, Penny, Lidl und Zielpunkt lieber vor uns verstecken würden.

Sehr gut gefallen hat mir, dass Arvay auch Alternativen und Wege aufzeigt, wie sich kritische Menschen selbst organisieren können und damit sich selbst und den echten Bio-Bäuer*innen mehr als nur einen Gefallen tun werden. Denn dieses Anliegen von ihm wird im Buch gut vermittelt: Er möchte nicht “Bio” an sich angreifen, sondern aufzeigen, dass die Supermärkte die Bio-Idee nicht leben und unterstützen, sondern für Werbung und Profitmaximierung ausnützen.

Dieses Buch jetzt über den folgenden Link beim sozialen Buchhandel Buch7.de kaufen und dabei dieses Blogprojekt unterstützen:
Der große Bio-Schmäh: Wie uns die Lebensmittelkonzerne an der Nase herumführen

Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

29 Gedanken über “Der grosse Bio-Schmäh

  1. Irene Pachner

    super, dass gerade heute dieser Beitrag von euch erscheint. Ich hatte gerade heute mit BILLA Kontakt und Bio-Orangen reklamiert.

    Ich habe mir aus Bio-Orangen Marmelade gemacht und nach dem Genuß waren die Schleimhäute in meinem Mund ganz entzunden. Ich musste mir eine Pinsellösung dagegen besorgen.

    Auf jeden Fall bezweifle ich stark, dass diese Orangen BIO waren.

    Werde mir auf jeden Fall dieses Buch besorgen.

    Danke

    lg, Irene

    1. Clemens G. Arvay

      @ Irene!

      Orangen können auf empfindlichen Mundschleimhäuten manchmal zu Irritationen führen, das muss noch kein Zeichen dafür sein, dass sie nicht – zumindest im rein gesetzlichen Sinne – biologisch angebaut wurden. Wie aus obiger Rezension herausgelesen werden kann, geht es in meinem Buch nicht darum, wie Bio-Bauern heimlich Pestizide spritzen. Nein, die Sache ist um einiges komplexer.

      Wahrscheinlich wurden Deine Bio-Orangen aus dem Supermarkt nicht so angebaut, wie Du es Dir vorstellst oder wie es die Bio-Werbung Dir vorgaukelt. Das hat Gründe, die in meinem Buch ganze 208 Seiten füllen :-) Heimlicher Pestizideinsatz mag vorkommen, ist aber nicht die Regel.

      Mehr Information findest Du übrigens auf meiner Website unter http://www.arvay.info

      Lieben Gruß,

      Clemens

  2. Anne

    Bio in Österreich. Das einzige Land wo die Bio-Lebensmittel Supermärkte eingenmarke sind.

    Ja natürlich drückt die Preise! Arme österreichiche Bio-Bauern. Es ist leider nicht neu!

    Lösungen: Demeter kaufen! Oder zum Bio-Bauer gehen.

    1. Achim

      @ Anne:

      leider akzeptiert DEMETER auch GenFood, bei Soja ist weltweit keine Reinheit mehr zu garantieren, lt. Demeter.

      Wir versuchen so viel wie möglich SELBST anzupflanzen und alles verpackte zu meiden.

      Lichte Grüße aus Berlin, Achim

      1. Anne

        @ Achim: Kannst du mir die Quelle für diese Info geben? Danke.

        Demeter macht viel mehr als die Bio-Verordnug sich wünscht! Da GVO in der VO verboten sind, kann ich mich nicht vorstellen, dass es stimmt. Bitte wenn man sowas sagt Quelle angeben!!!!!!!!

        Demeter Prinzip ist:

        Selbst anpflanzen. Was produziert wird, wird dann verkauft. Die Tieren werden mit den Produkten die auf dem Bauerhof produzieren werden, gefüttert. Zyklus! Ich frage mich wo sie Soja dann brauchen !!! Macht kein Sinn! Passt nicht zu der Demeter Philosophie!

        Hast du schon ein Demeter Bauernhof besucht?

  3. Doris Presch

    Danke für den interessanten Artikel und den Buchtipp. Ja man fragt sich wirklich.. alles mögliche.

    Ich hatte jetzt wirklich zweimal hintereinander etwas von der Marke "vital" beim Spar gekauft, und muss sagen, das war echt beide Male richtig grauselig. Einmal die Gemüsechipps, die haben nach billigstem Diesel geschmeckt.. und diese komischen getrockneten Himbeeren haben mich auch sehr missbraucht angesehen.. und so weiter.

    Derzeit bin ich noch teilweise auf Supermärkte angewiesen, obwohl wir gottseidank auch einen bemühten Dorfladen haben im Ort.

    Ich bin gespannt, wie sich alles weiter entwickelt, in meinem eigenen Leben, und auch global. Es gibt ja gottseidank auch schon viele Leute die sich Gedanken machen und auch konkret verschiedenste Projekte angehen.

    Ganz liebe Grüße aus NÖ,

    Doris

  4. Anne

    War es nicht auch klar, als der "Bio-Boom" aufkam, dass lange nicht genug "Bio-Produkte" auf dem Markt zu erwerben sind?

    Was hier "Bio" ist, muss in Polen, Afrika, Neuseeland nicht auch "Bio" sein.

    Genauso wie regionale Produkte. Kann doch keiner kontrollieren, woher die tatsächlich kommen.

    Im Endeffekt können die glücklich sein, die genug Garten haben, um sich selbst zu versorgen.

  5. Karin Strissel

    Ich finde den Buchtipp sehr interessant. Ich bin auch eine Bio-Käuferin im Supermarkt, da ich in unmittelbarer Nähe leider keinen Bioladen habe. Bei Netto habe ich das erste Mal, letzte Woche Bio-Fleisch (Rindergulasch) gesehen und für meinen Mann gekauft, ich bin Vegetarier. Nun werde ich mir das Buch besorgen, um zu erfahren, ob alle meine Bemühungen, mit dem Kauf von Bioware, etwas gegen die Massentierhaltung zu tun, vergeblich sind. Das ist alles so entmutigent.

  6. Huberta

    Ich habe das Buch gelesen und kann es nur weiterempfehlen!

    Spannend und sehr informativ geschrieben. Einfach sein Gewissen beruhigt zu wissen, indem man eh nur BIO kauft ohne darüber nachzudenken, wo das Produkt eigentlich herkommt, reicht nicht aus. Vielen, vielen Dank für dieses Buch! Wenn dadurch einige Konsumenten aufgefordert werden, Werbung zu hinterfragen und sich mehr Gedanken über die "tatsächliche "Herkunft Ihrer Lebensmittel machen ist schon viel gewonnen. Ich habe heute den Beitrag auf FM4 "BioSchmäh"gehört und meine 5 jährige Tochter war total entsetzt, als ich erklärt hatte warum es geht. Sie meinte" Nur weil sie Geld machen wollen, lügen sie uns an". JA, sie lügen nicht nur uns sondern auch unsere Kinder an! Aber zum Glück haben clevere Kids ;-)

  7. Pingback: Interview mit dem Autor des Bio-Schmähs

  8. Silvia Fischer

    Eine tolle Entwicklung, die ich in letzter Zeit beobachten kann, ist die Initiative der sog. FoodCoops – Einkaufsgemeinschaften mit dem Ziel, gesunde & regionale Lebensmittel zu konsumieren. Hier gibt's auch einen Artikel dazu: http://www.biologisch.at/Bio-News/Leben/FoodCoops

    Der Konsument ist nun gefordert, seine Einkaufsgewohnheiten a bissl zu ändern, sich schlau zu machen wo's Ab-Hof-Verkauf, Bio-Läden, FoodCoops, etc. gibt und den Einkauf zu planen, wie z.B. am Di online bei der FoodCoop bestellen und am Freitag abholen. Und natürlich wenn geht, selbst garteln.

    biologisch.at ist jetzt schon 4 1/2 Jahre online und wir liefern in unserem Bio-Verzeichnis viele Adressen dazu: http://www.biologisch.at/Bio-Lebensmittel/ Die vielen wichtigen Klein- und Mittelunternehmer können sich gratis eintragen und so besser von euch gefunden werden :o) Und natürlich gibts auch eine Umkreissuche: http://www.biologisch.at/biosuche/

    Eins möcht ich noch erwähnen: Die großen Biolabel haben natürlich viel dazu beigetragen, dass Bio überhaupt für viele ein Begriff wurde. Es ist nun zu hoffen, dass diese neuen Bio-Konsumenten einen Schritt weiter gehen und Kriterien wie regional & fair berücksichtigen.

    1. Michael Hartl Beitrags Autor

      Danke für die Hinweise, Silvia. :)

      FoodCoops und ähnliches sind wirklich sehr wichtig. Und Du hast schon recht, dass die Bio-Label viel zur Bekanntheit beigetragen haben – aber so wie es die Supermärkte mittlerweile machen, ist es mehr Schaden als Hilfe, leider.

  9. Theobald

    Was jeder ohne nennenswerten Aufwand tun kann ist

    auf der Fensterbank mit der Eigenversorgung anzufangen.

    Hat jemand Erfahrungen oder spezielle Kenntnisse

    zum Keimen – gleich ob Getreide, Hülsenfrüchte

    oder Kräuter ? Besonders interessieren mich Daten zu

    Inhaltsstoffen und die Umsetzung in "akzeptierte "

    Gerichte.

  10. Simon

    Es ist mittlerweile sehr traurig, wie bereitwillig einem pseudoaufdecker geglaubt wird, der mit einer großen lust strukturen anpatzt, die er gar nicht kennt.

    was qualifiziert den autor zu diesem buch ? Ein großteil seiner argumente in seinem buch sind sehr emotional und unfair. ich selber bin ebenfalss agraringenieur und weiss aus eigener erfahrung wie wenig vom realen leben man nach einem studium mitbekommen hat. sicherlich kann der autor nicht durch ein kurzzeitaufenthalt bei hofer oder fibl sein know how bekommen. mich wunderts dass diese strukturen ihm die info gegeben haben.

    Strukturen wie hofer oder ja natürlich sichern für die heimischen bio bauern wichtige absatzkanäle. ein hauptgrund warum die ware im regal billiger ist, sind die optimaleren vertriebskosten. Die Qualitätssicherung in diesem strukturen hinsichtlich pestizid kontrolle und sonstigen schadstoffen ist europaweit führend

    ich will hier nicht den großen strukturen das wort reden, aber ich möchte gerne von dem autor wissen wie er sich eine vermerktung von bio produkten vorstellt, wenn 20 prozent der nutzfläche in AT bio produziert. nur durch direkt vermarktung oder slow food ? wen will er den dadurch veralbern ?

    Niemand erwartet von der biowerbung, dass hier eine romantische welt vorgegaukelt wird. so dumm ist der verbraucher nicht

    Auf dieses buch habe ich sicherlich nicht gewartet!

    1. Stefan

      Wenn man weiß, dass es im Supermarkt beispielsweise überhaupt kein Bio-Gemüse mehr vom "Bauern" gibt, sondern nur mehr von ganz wenigen industriellen Produktionskonzernen, fragt man sich, wo der von Ihnen behauptete Nutzen für Bio-Bauern liegen soll.

      Und das war nur ein Beispiel.

    2. Michael Hartl Beitrags Autor

      Hallo Simon,

      was macht für Dich denn einen "richtigen Aufdecker" aus, damit wir in Zukunft die "Pseudoaufdecker" entlarven können?

      Sag, hast Du das Buch gelesen? Deine Argumente wirken nicht so, sorry.

      Großhandel und Supermärkte sichern in erster Linie ihre Profite – und im Bereich der Landwirtschaft "sichern" diese höchstens die Betriebe von größeren Produzenten, die sich gerade mal an die Mindeststandards des EU-Bio-Siegels halten. Was leider weit von der echten, ursprünglichen Bio-Idee entfernt ist. Bio aus Überzeugung, das den Schwerpunkt in der Erhaltung dieses wunderbaren Planeten samt seines komplexen Ökosystems hat, lässt sich so nämlich nicht finanzieren.

      Die Versorgung der Menschen wird auch selbstorganisiert funktionieren, wenn 100 Prozent der Flächen biologisch bewirtschaftet wären. Menschen sind nämlich intelligent und organisationsfähig. Wer ständig versucht, dies Menschen abzusprechen und auszureden profitiert wohl ganz gut vom derzeitigen System, in dem mit die höchste Wertschöpfung in Groß- und Einzelhandel liegt.

  11. Simon

    hallo stefan leider entspricht dein informationsstand leider nicht der Realität. Bei den heute verkauften heimischen Mengen in den Naturkostläden und in den Supermärkten sind ein großer Teil bäuerlicher Bio -Ware im Sortiment. Bei Bedarf kann ich dir mal die Lieferanten nennen. Diese Bauern sind recht froh einen nachhaltigen Grundumsatz über diese Kanäle zu haben Ich wäre mal gespannt was du unter industrielle Gemüsekonzerne verstehst.

  12. Simon

    hallo michaelleider habe ich das buch gelesen…. 10 % berechtigt 90 % bösartig und weldfremd.mich ärgert insbesondere bei diesem buch dass der autor sich ungefragt  zu einem anwalt der bioproduzenten, – läden und – verarbeiter aufschwingt und ich keinen einzigen kenne der dies gut findet. gerne können wir einzelne absätze diskutieren. 10 % berechtigt 90 % bösartig und weldfremd.zu meiner person: ich habe landwirtschaft studiert und engagiere mich seit mehr als 15 jahre in der biovermarktung von rohproduktion bis hin zum endbraucherein wenig ärgert mich deine schwarzweiss Malerei. Selbstversogung ist gut und schön, aber wie glaubst du bekommen denn die Naturkostläden, Abokistenbetriebe und Direktvermarkter ihre Ware für den Hofladen ? nein viel besser und klimaverträglicher ist es mit dem privatpkw übers land zu fahren und sich die ware persönlich zu holen.Zu den Richtlinien der eu bio verordnung: Gerne diskutiere ich mit dir die richtlinienunterschiede zu demeter und bio austria aber mein verdacht ist es, dass dich das nicht interessiert. viel einfacher ist das bild vom billig bio im supermarkt. (was nur sehr eingeschränkt stimmt) aber das leben und der markt sind leider sehr viel komplizierter. es würde dich überraschen wie stark supermarktstrukturen richtlinienverschärfungen einfordern die einzelnen bauern gar nicht so recht sind, wie die zufütterung von konventionellen futter o.ä  Ich kenne selber eine ganze reihe von betrieben, die von der  direktvermarktung .nicht ausschliesslich leben können und auch wollen. diese sind recht froh ware an einen großhändler liefern zu können, der für sie die vermarktung organsisiert  so jetzt habe ich mir dne ärger von der seele geschrieben.verzeih mir

    1. Michael Hartl Beitrags Autor

      Hallo Simon, was bedeutet Du "engagierst" Dich in der Biovermarktung? Du arbeitest also für einen der Supermärkte oder Großhändler?

      Schade das Du denkst, mich würden die Richtlinienunterschiede nicht interessieren. Das tun sie durchaus. Und ich kenne sie zum Teil. Hättest Du das Buch gelesen, wüsstest Du auch, dass selbst der von Dir attackierte Autor da einen Unterschied macht. Aber schau in die Supermärkte – wie viele der Eigenmarken sind denn Demeter, Bioland oder Neuland (um die drei größten zu nennen)?

      Zwischen der Variante "Supermarkt" und der Variante "jeder fährt selbst überall mit dem Auto hin" gibt es auch Zwischenstufen wie CSAs, FoodCoops, Bauernmärkte, etc. Solltest Du aber eigentlich wissen…. Also sei nicht verärgert wegen der mir unterstellten Schwarz-Weiß-Malerei und male bitte auch nicht schwarz-weiß.

      Da die Konsumierenden derzeit voll auf Supermarkt, etc. gedrillt sind, ist es mit Garantie so, dass es die meisten Bauernhöfe derzeit schwer haben mit der Direktvermarktung. Stimme ich Dir also zu.

      Eine Denkweise, die uns ein Problem besorgt hat, kann aber nicht beitragen, sie zu lösen. Das sagte schon Albert Einstein. Ergo brauchen wir nicht noch mehr Supermarkt, Großhandel und Marketing, um die bäuerliche, biologische Landwirtschaft zu retten, denn diese profitorientierten Unternehmungen haben das Bauern- und Bäuerinnentum in die Problemlage gebracht, in der es jetzt steckt.

      1. Simon

        hallo lieber michaelich kann dich beruhigen, ich habe mehrere jahre bauerngemeinschaften  bei demeter und bei bioland geleitet und war veranwortlich dass diese bauern ihr gerechtes geld bekommen. neuland ist ein konventioneller verband aus norddeutschland (du weisst schon: die mit dem konventionellen futter) der bio als feigenblatt benutzt, vielleicht meintest du ja naturland…. na jain diesem zusammenhang habe ich intensiv richtlinien mitgestaltet und weiss recht genau wovon ich rede, was ich bei unserem autor des buches nicht so sehe. aber er muss ja fleissig plakativ anpatzen sonst kauft ihm ja keiner das buch ab.. Und die die es bicht besser wissen glauben ihm.Apropos: die Marken : Demeter und bioland sind von diesen Verbänden für den Fachhandels gedacht. ein erscheinen in den supermärkten: Ausnahme tegut und z.T edeka ist richtliniengemäß verboten.und ja ich arbeite für einen biogroßhandel und weiss daher recht genau in welchem ausmaß sog. food coops direktvermarkter etc ihre ware einkaufen um ihr sortiment zu vergrößern (was ja durch aus in Ordnung ist).jede dieser strukturen sind handelsstrukturen oder sind es geworden… wie wertest du dann abokisten systeme ? gut oder böse ? und wenn die zukaufen sind die dann böse ? in österreich sind die verbraucher anders wie in D oder Frankreich sehr stark auf den LEH geeicht, weil es keine andere strukturen gegeben hat. gott sei dank entwickelt sich nun etwas. aber die schwäche der eigenen struktur mit dem so ach BÖSEN anderen zu entschuldigen ist mir ein wenig zu einfach und naiv.Plakativ hast du die schlechte Lage der BäuerInnen und Bauern erwähnt, da bin ich nun echt gerührt. Über welche sprichst du denn da genau? und wie willst du den ca 12.000 österreichischen bio bauern, die so nebenbei bemerkt ca. 39 % ihrer ware ins ausland verkaufen (dürfen die denn das !?), dass sie ihre produkte selber vermarkten sollen. dies hat in den vergangenen Jahren einige in den finanziellen ruin getrieben weil sie an so fragestellungen wie distributionskosten etc gescheitert sind. ich kenne hier leider aus eigener erfahrung genug beispiele . Ein Großteil dieser Bauern ist gottfroh ihre ware in handelsstrukturen zu verkaufen, wo sie sicher sein können, dass sie ihr geld bekommen. ich freue mich über jeden bauern der seine vermarktung selbst in die hand nimmt und hoffe dass auch du erfolgreich sein wirst. aber verwende deine kraft darauf selber was vorweisen zu können als auf ominöse supermarktstrukturen zu schimpfen.

  13. Edeltraud

    Hallo!

    Ich habe selbst 20 Jahre biologisch gewirtschaftet kenne die Richtlinien und weiß um die Ausnahmen die die großen bekommen.

    Bio kaufe ich nie im Supermarkt sondern nur bei Bauern oder in kleinen Bioläden, bio billig heißt:Es muß auch billig produziert werden, und das ist nicht öglich.Leider kommt durch Skandale immer wieder auch der Biobauer in Verruf, dabei sind das immer wieder nur die "Großen". Leider sind auch die vielen Markenzeichen sehr verwirrend. Ist sehr oft sehr schlecht ersichtlich, was tatsächlich bio ist. Die EU quatscht überall drein, aber ein einheitliches Biologo ist nicht möglich.

  14. Pingback: Oh, ein Biolandwirt!

  15. Michael

    Bezüglich der Kritik an "Zurück zum Ursprung":

    "Also wird einfach virtuelles Wasser mit reingerechnet, welches in der Realität zwar nie aufgewendet wird, aber am Ende einer rein theoretischen Berechnung dann zumindest werbekräftig als “40 % weniger Wasserverbrauch!” auf die Verpackung gedruckt wird."

    Dieses virtuelle Wasser, nennt man Graues Wasser. Graues Wasser bzw. graue Energie, ist meines Wissens nach, die Wasser-/Energiemenge, welche für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Produktes benötigt wird.

    Da dies in meiner Branche, dem Baugewerbe, sehr wohl ein riesiges Thema ist, verstehe ich den negativen Aufruhr nicht.

    Mfg Michael

  16. Philipp

    Ich glaube herauslesen zu können, dass sich heute mehr Menschen gerne so Ernährung möchten, dass sie selbst und ihre Umgebung gesund bleibt. In der Steinzeit trug jede Persönlichkeit das gesamte Wissen der Menschheit in sich und musste auch nur mit eigenen Problemen fertig werden.

    Heute können nur noch alle zusammen das gesamte Wissen in sich tragen und auch ihre Probleme müssen sie sich teilen.

    @Simon: Ein stark diskutiertes Buch zum Thema, dass Du dir wohl zum Beruf gemacht hast, ist eine Rückmeldung für Dich, ein Feedback. Ist wirklich alles so unwahr? Dann wird es höchste Zeit für mehr Transparenz und Aufklärung. Und steckt selbst nicht in jedem Märchen ein Körnchen Wahrheit? Eine ehrlich gemeinte Kritik kann, sei sie gut oder schlecht formuliert, wertvoll sein, wenn man sie nutzt und annimmt. Gilt natürlich auch umgekehrt für Kritik am Buch.

    Eines ist klar: Das Füllhorn wurde noch nicht erfunden und man kann den Aufwand für die Erzeugung von etwas und das gilt auch für Nahrungsmittel nicht wegrationalisieren, sondern nur verlagern. (Energieerhaltungssatz).

    Unsere Wirtschaft ist auf konsequentes Wachstum ausgerichtet. Dies ist mein größter Kritikpunkt an einer echten Agrarwirtschaft.

    Unsere Erde und unsere Ressourcen wachsen nicht, sondern befinden sich in Kreisläufen. Daher entsteht zusehends eine Diskrepanz zwischen Wirtschaft und Ressource, die wächst und eine Lücke erzeugt, die zusammenbricht, wenn die Spannung zu groß wird. Deswegen finde Dich die Idee des Slowfoods nicht träumerisch sondern der Faktenlage entsprechend.

    Eine Bevölkerungsdichte lässt sich nicht ewig steigern und dann auch noch mit Nahrung versorgen. Sorry ist unmöglich.

    Und mir persönlich ist die Bevölkerungsdichte jetzt schon zu hoch. Das erzeugt Stress, erhöhte Konkurrenz, Krankheiten, Aggression, Unfruchtbarkeit, etc.

    Schönreden und "realistisch" sein hilft da wenig.

    Ich mache von meinem persönlichem Recht gebrauch und entschleunige mich. Das darf jeder andere auch und hat nichts mit träumerisch sein zu tun, sondern mit Grundrechten. Dieses Buch spricht mir da voll aus der Seele.

  17. Rija

    Hallo Michael,

    auch wenn die Buchempfehlung und die Kommentare schon einige Zeit zurückliegen, haben sie mich trotzdem neugierig gemacht.
    Zuletzt kam mir der Ausdruck Edel-Bio im Vergleich mit der Discounter-bioware zu Ohren, werden wir jetzt auch Essenstechnisch in reich und arm unterteilt? Wenn ich 20 Jahre zurückdenke und den Bioladen von damals mit den heutigen vergleiche liegen Welten dazwischen. Mir ist da irgendwo der ursprüngliche Grundgedanke verloren gegangen. Ich finde es sehr schade mit ansehen zu müssen wie die kleinen Bio- und Hofläden so nach und nach von den Großmärkten geschluckt werden. Im konventionellen Bereich haben wir es ja schon erlebt. Früher hatten wir in unserem 5000 Einwohner Dorf 3 kl. Lebensmittelgeschäfte, 1 Tante-Emma-Laden, 2 Metzger und 2 Bäcker, heute teilen wir uns mit dem Nachbardorf auf halben Weg 3 Discounter.
    Zu Simon: Wenn es die Großmärkte nicht gäbe könnten die Biolandwirte ihre Waren zu vernünftigen Preisen Selbstvermarkten und wären nicht gezwungen, aufgrund des Preisdrucks durch die Discounter, pleite zu gehen oder ihre Waren zu “verramschen”. (Ich meine natürlich an den Großmarkt zu verkaufen!!!!!!!)
    Ich wünsche mir die Philosophie der Bio-

Schreib uns Deine Meinung!

Wir freuen uns darüber, dass du zum Thema beitragen willst. Unterhalb des Sende-Buttons findest Du die Möglichkeit, ein Bild anzuhängen, bzw. Antworten zu Deinem Kommentar per Email zu bestellen. Wenn Du ein Nutzer*innen-Bild neben Deinem Namen haben willst, registriere Dich mit der E-Mail-Adresse die du angibst auf gravatar.com

Mit dem Absenden dieses Kommentars akzeptierst du die Kommentar-Richtlinien.

Achtung! Sie versuchen eine ungültige Datei hochzuladen. Wenn Sie auf speichern drücken, wird kein Bild im Kommentar angezeigt.