11 Schritte zu einer Wirtschaft ohne Wachstum

"Weg mit dem Wohlstandsschrott, der nur unser Leben verstopft!"

Michael Hartl
Von Michael Hartl
30. August 2013

Mit Prof. Dr. Niko Paech, Autor des Buches Befreiung vom Überfluss, habe ich für dieses Interview wohl einen der bekanntesten und glaubwürdigsten Vordenker der Postwachstumsökonomie gewinnen dürfen. Sehr vereinfacht ausgedrückt versucht die Postwachstumsökonomie ein Wirtschaftssystem zu definieren, in dem wir kein Wachstum der Produktion mehr brauchen. Ein wissenschaftlicher Ansatz, der aber einen ganz klaren Praxisbezug hat. Aber versuchen wir den Begriff gemeinsam mit Herrn Paech zu klären.

Am Ende des Interviews kommen dann auch 11 ganz konkrete Vorschläge von Niko Paech, wie jede einzelne Person einfach schonmal anfangen kann mit einem Leben abseits des Wachstums-Wahns.

Michael Hartl (MH): Hallo Herr Paech, stellen Sie sich doch zunächst bitte kurz vor.

Niko Paech (NP): Ich lehre und forsche an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg als außerplanmäßiger Professor, vertrete derzeit den Lehrstuhl für Produktion und Umwelt. Zudem bin ich Vorstand der Vereinigung für Ökologische Ökonomie (VÖÖ) und Sprecher des Aufsichtsrates der Oldenburger Energiegenossenschaft (OLEGENO).

MH: Es heißt ja: Never change a winning horse. Warum sollten wir als Gesellschaft aufhören weiter so zu wirtschaften wie bisher?

Foto des Wissenschaftlers und Autors Prof. Niko PaechNP: Weil wir ungebremst auf mehrfache Krisenszenarien zurasen. Es gibt überhaupt kein einziges ökologisches Problem, dass sich nicht – zumindest wenn wir mal ehrlich alle räumlichen und systemischen Verlagerungseffekte einbeziehen – mit hoher Dynamik verschärft. Die Quantität jener Produkte, Dienstleistungen und Technologien, mit denen man den Planeten optimal zerstören kann, bricht ständig neue Rekorde: Flugreisen, Kohlekraftwerke, Gebäude, PET-Einwegflaschen, SUVs, Coffee-to-go-Becher, Schuhe, Elektronikschrott, agrarindustrielle Anlagen und so weiter. Die Frage, ob eine Postwachstumsökonomie wünschenswert, politisch durchsetzbar oder vereinbar mit modernen Vorstellungen von individueller Selbstverwirklichung wäre, verweist auf eine Gespensterdebatte, so als sei das Wachstumsregime fortsetzbar.

Was bestenfalls noch wachsen kann, ist die Gewissheit darüber, dass weiteres Wachstum des Bruttoinlandsproduktes aus mindestens vier Gründen keine Option mehr ist. Erstens scheitert Wachstum absehbar an Ressourcenengpässen, zweitens verringert es nicht per se Verteilungsdisparitäten, drittens sorgt es nach Erreichen eines bestimmten Wohlstandsniveaus für keine Glückszuwächse und viertens ist es nie ohne ökologische Schäden zu haben.

Weg mit dem Wohlstandsschrott, der nur unser Leben verstopft!

MH: In vielen Diskussionen und auch hier auf dem Blog weisen Lisa und ich immer wieder mal beispielhaft auf den Rebound-Effekt hin – oder einfach auf die simple Tatsache, dass auch ein faires Produkt aus Öko-Ressourcen produziert werden muss – sprich: das auch ein solches Produkt die negativen Auswirkungen von Konsum hat. Die „green economy“ oder der „green new deal“ sind für uns also keine echten Alternativen. Wie sehen Sie das?

NP: Jede BIP-Zunahme hat erstens eine Entstehungsseite, setzt also gestiegene Güterproduktion voraus, und zweitens eine Verwendungsseite, weil zusätzliches Einkommen und somit Nachfrage entsteht. Somit müssten beide Seiten entmaterialisiert werden. Selbst wenn jemals ein materieloser Anstieg der Güterproduktion möglich wäre – was nahezu undenkbar ist, weil Häuser, Autos, Flugzeuge, Handys nun mal physische Objekte sind –, verbliebe auf der Verwendungsseite ein unlösbares Problem: Wo bleibt das zusätzliche Einkommen, das durch Wachstum notwendigerweise entsteht? Wenn etwa zusätzliche LehrerInnen und KrankenpflegerInnen eingestellt werden, werden diese Personen ihr Geld mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wohl kaum verwenden, um damit ausschließlich weitere LehrerInnen oder KrankenpflegerInnen zu finanzieren. Aber absurderweise müsste genau dies erfolgen, damit ein qualitatives Wachstum herauskäme! Natürlich werden sie mit dem Geld kaufen, was sich jeder Konsument wünscht und somit die Nachfrage nach Autos, Flugreisen, Einfamilienhäusern, Smartphones etc. anheizen. Würde das zusätzliche Einkommen abgeschöpft, um diesen Rebound-Effekt auszuschalten, würde das BIP-Wachstum praktisch im Keim erstickt. Damit beißt sich die Katze in den Schwanz.

MH: Aber wie kann eine Alternative dann aus Ihrer Sicht aussehen?

NP: Grob vereinfacht und in aller Kürze sind zwei Stoßrichtungen vonnöten, nämlich erstens ein Zeitalter der Entrümpelung, also eine Suffizienzbewegung, und zweitens eine neue Balance zwischen Selbst- und Fremdversorgung, also mehr Subsistenz. Suffizienz kehrt das moderne Steigerungsprinzip ins Gegenteil um: Kreative Reduktion als Gestaltungsprinzip. Wir könnten viele Energiesklaven, Komfortkrücken und Infrastrukturen ausfindig machen, die wir gar nicht nötig haben – ganz gleich ob elektrisches Küchengerät, Wellness-Rezeptur, Flugreise oder Tiefseehafen. So sparen wir Zeit, Geld, Raum und ökologische Ressourcen. Weg mit dem Wohlstandsschrott, der nur unser Leben verstopft!

Der zweite Ansatzpunkt zielt darauf, unabhängiger von geldbasierter Fremdversorgung zu werden. Eigenarbeit ist angesagt! Wer durch handwerkliche und manuelle Versorgungsleistungen unentgeltlich produktiv ist, und zwar sowohl für sich selbst als auch für das nahe soziale Umfeld, schlägt drei Fliegen mit einer Klappe: Erstens ist es der beste Selbstschutz gegenüber zukünftigen Ressourcenknappheiten, die das aktuelle Wohlstandsmodell unbezahlbar machen. Zweitens schützen wir direkt die Umwelt. Und drittens mildern wir strukturell Wachstumszwänge, die einem geldbasierten, arbeitsteiligen Industriemodell innewohnen.

 20 Stunden arbeiten genügt

MH: Wir versuchen ja seit längerem in diese Richtung zu gehen und unser Leben nach solchen Idealen auszurichten. Recht schnell bekamen wir den Vorwurf „zurück ins Mittelalter“ zu wollen. Ist das, was Sie fordern, und selbst ja auch vorleben, ein großer Schritt rückwärts?

NP: Wenn man am Abgrund steht, weiß ich nicht, was falsch daran ist, sich vorsichtig zurück zu bewegen. Im Übrigen: Was ich unter moderner oder urbaner Subsistenz verstehe, bedeutet doch nur, die Quantität der zu produzierenden und zu entsorgenden Objekte zu reduzieren, aber nicht notwendigerweise deren Innovativität. Wenn wir Dinge reparieren und gemeinsam nutzen, sinkt die benötigte Menge, aber nicht die Fortschrittlichkeit der Objekte – im Gegenteil: Wenn die Güter zu diesem Zweck viel langlebiger und reparabler würden, wäre genau das Fortschritt!

MH: Wie sieht die Arbeitswelt von morgen aus, wenn Sie, Herr Paech, diese gestalten dürften?

NP: Erstens wäre eine Verkürzung der regulären Erwerbsarbeitszeit wichtig, also eine 20-Stunden-Woche, wobei das natürlich ein Durchschnittswert für die Lebensarbeitszeit ist. Zweitens könnten wir tendenziell weniger kapitalintensive Produktionsprozesse reaktivieren, so dass wieder mehr Arbeitskraft benötigt wird, also: Mehr lokales/regionales Handwerk – weniger Automatisierung und Globalisierung. Drittens kann durch einen hinreichenden Grad an marktfreien Versorgungsformen, also Subsistenzformen die Abhängigkeit von Geld und somit Arbeitsplätzen verringert werden.

Eine Energiekrise für die Gesellschaft

MH: Wir versuchen ja mit unserem „Experiment Selbstversorgung“ vieles selbst anzubauen und vieles weitere in der Region zu tauschen oder kaufen. Aber was ist mit bestimmten Konsumbedürfnissen, die vielleicht noch da sind, die wir aber regional nicht befriedigen können? Wie bestimmte Gewürze, Salz oder Schuhe. Wie würde ein solcher überregionaler Markt in Ihrem System der Postwachstumsökonomie aussehen?

NP: Fair Trade, wenig Zwischenhändler, transparente Liefer- und Wertschöpfungsketten, genossenschaftlich organisierte Unternehmen wären einige Ansatzpunkte. In einer Postwachstumsökonomie würden globalisierte Lieferbeziehungen verbleiben, jedoch erstens bezogen auf Güter, für die das ökologisch darstellbar ist, deshalb geht’s nicht ohne Ökobilanzierung, und zweitens innerhalb quantitativ vertretbarer Grenzen. Übrigens: Schuhe… ich glaube, die können wir auch in Europa verdammt gut herstellen und vor allem dann auch reparieren.

MH: Herr Paech, wenn Sie einen Wunsch für sich, einen für die Gesellschaft und einen für unser Projekt frei hätten, was würden Sie jeweils wünschen?

NP: Für mich wünsche ich mir mehr Zeit zum Radfahren, Lesen und Saxophon spielen. Der Gesellschaft insgesamt kann ich leider nur eine Energiekrise wünschen, die uns sesshaft werden lässt und entgrenzte Gütertransporte erschwert. Ihrem Projekt wünsche ich, dass die daran Beteiligten konsequent bleiben, also durchhalten und Ihnen viel Aufmerksamkeit zuteil wird.

Legen wir los!

MH: Zum Abschluss des Interviews bitte ganz konkret: Was kann fast jede Person machen, um einfach heute schon mit der Postwachstumsökonomie anzufangen?

NP:

  1. Orientierung an einem individuellen CO2-Budget von 2,7 Tonnen pro Jahr,
  2. Flugreisen vermeiden,
  3. ohne Auto leben,
  4. Arbeitszeit verkürzen, so dass im Lebensdurchschnitt ca. 20 Stunden pro Woche herauskommen,
  5. weniger tierische Produkte,
  6. Produkte mit anderen teilen,
  7. Gebrauchsgüter achtsam nutzen und so weit möglich selbsttätig pflegen/reparieren,
  8. Nahrungsmittel selbst oder mit anderen anbauen und zubereiten,
  9. Bank wechseln und Regiogeld nutzen,
  10. Einwegverpackungen meiden,
  11. politischen Widerstand gegen die Kohle-, Flug- und Agrarindustrie etc. organisieren oder unterstützen.

Wir hoffen das Interview hat Dir gefallen. Möchtest du zukünftig immer mitbekommen, wenn wir ein neues Interview oder einen anderen Artikel veröffentlichen, kannst du dich gerne in unseren Verteiler eintragen. Über diesen senden wir maximal einmal die Woche eine Information über die aktuellen Artikel raus. Bei Interesse hier deine Email-Adresse eintragen:

zur interviewten Person
Photo ofNiko Paech
Name
Niko Paech
Website
Beruf
Professor am Lehrstuhl für Produktion und Umwelt
Firma/Uni/Projekt
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Dieser Artikel ist mehr als ein Jahr alt. Es muss daher nicht sein, dass wir jedes einzelne Wort immer noch so schreiben würden wie damals. Wenn Fragen sind, kommentiere einfach zum Artikel, dann antworten wir Dir gerne.

47 Gedanken über “11 Schritte zu einer Wirtschaft ohne Wachstum

  1. Pingback: Wirtschaft ohne Wachstum | Kinder der Mitte

  2. La vida es pesada

    Stellt euch vor alles ist vernetzt, wir schreiben das Jahr 2050, das ganze Zukünftige Leben hängt am WLAN, wir sind nicht mehr wir selbst, unser Leben findet nur noch im Netz statt!
    Unser Kleidung, sowie Eva´s Slip Einlage ist mit der Scanner Kasse von Aldi, DM Markt und Lidl verbunden, in wahrsten Sinne des Wortes..
    Unsere Autos unsere Wohnungen samt Haushaltsgeräten und Computern
    werden miteinander kommunizieren. Wir reden dann nicht mehr miteinander, sondern wir werden dann nur noch mit Maschinen reden, so als wären sie lebendig.
    Wie wird dann wohl die Beziehung zum andern Geschlecht aussehen, diese Frage stellt sich mir jetzt schon mal.
    Es ist so schade, dass „auch“ schon die „beziehungsfördernde Vernetzung“
    aus vielen Gründen geschwächt ist.
    Damit meine ich wahrhaftige reale Beziehungen,
    die freundschaftlich und liebevoll sowie wahr sind.
    Ich finde die „Kommunikations-Entwicklung“ zwischen Menschen schon seit Jahren mehr als bedenklich,
    da brauch ich eigentlich fiktiv gar nicht mal bis ins Jahr 2050 schauen, das Jahr 2014 finde ich teilweise schon erschreckend genug!
    Sehr sehr Traurig, aber es gibt Hoffnung, weil es in unser aller Händen liegt,
    wie wir Beziehung Leben.
    Wer hätt‘ je geglaubt das 1984 (Orsen Wells) noch harmlos war,
    gegen das was da auf uns zukommt.
    Eigener Wille ist eben nicht mehr gefragt, die Zukunft wird fernbestimmt.
    Jedoch vergessen dies verantwortungslosen in ihren Oberhäusern, Prunkvillen und sonstigen Prachtbauten deren Goldenen Sesseln, dass das kleine Völkchen – wenn zusammenhalt bestünde – mächtiger denn je ist.
    Nur die meisten habens weder Mumm inne Knochen, noch’n Arsch inne Hose um dem entgegenzuwirken. Weicheier wohin man blickt.
    Schönes Weihnachten denn mal und noch mehr an Elektroschrott und was weiß der Geier noch alles an unnützen Zeugs, was eh nach paar Tagen aufm Müll oder Speicher landet, jenen Kids und wen weiß was ich noch geschenkt wird..

  3. Pingback: Blog – Postwachstum

  4. Der TypoGraf

    moin. mal etwas anderes :

    ich liebe den inhalt eurer beiträge, aber eure artikel sind schwer zu lesen. das liegt zum einem am bild/text-aufbau, zum anderen an der schrift selbst. bitte wählt eine andere. vor allem für die überschriften. das geht wirklich ganz arg auf die augen. auch die größe stimmt nicht. Verdana, Tahoma, Helvetica wären z.B. um eines Augenfreundlicher ;)
    Grüße

  5. Dyre Espana

    Suche noch einen Anwalt, Mathematiker und Steuerberater der mit mir Punkt 4 durcharbeiten will. Habe da auch schon lange ein Konzept in Kopf und bin mir sicher das, dieser Punkt ausschlaggebend sein kann für 0 Arbeitslosenrate, mehr soziales Denken fördert und die Eltern haben endlich mal wieder mehr zeit die Talende der Kinder zu sehen und zu fördern :-)

  6. Armin Lünser

    Ich bekomme eine Gänsehaut beim Lesen. Leider nicht die gute Art. Bin bin leider kein Professor, nur ein bescheidener Bachelor, aber dennoch möchte ich widersprechen. Ich paraphrasiere die schlimmsten Aussagen des Professors einfach mal.

    „Wir rasen ungebremst auf mehrere Krisenszenarien zu. Es gibt kein einziges ökologisches Problem, dass sich nicht verschärft.“
    Unsinnige Allaussage. Das Ozonloch haben wir binnen einiger Jahrzehnte wieder geschlossen, bis 2050 ist die Situation komplett wieder in Ordnung.

    „Flugreisen, Kohlekraftwerke, PET-Flaschen sind schlecht und zerstören den Planeten.“ „Diese Produkte/das Wachstum ist nie ohne ökologische Schäden zu haben.“

    Was ist hier ein ökologischer Schaden? Eine PET-Flasche die komplett recyclet wird richtet keinen Schaden an. Und auch der CO2-Ausstoß einer Flugreise ist nicht per se schlecht. Alleine zur Klimaproblematik und auf den Wärme- und Stromkonsum gibt es ein mannigfaltiges Repertoire CO2-Ausstoß zu vermindern. Als Volkswirt, der sie ja ihrem Diplom nach sind, sollte ihnen klar sein, dass sich die Welt nicht in wünschenswerten Konsum und „Wohlstandsschrott“ einteilen lässt. Wenn es ein Problem gibt (CO2-Ausstoß) muss die günstigste Lösung gefunden werden (Millionen Sachen verursachen CO2-Ausst0ß, Verbote einzelner sind entweder zu teuer oder gehen am Problem vorbei) und das mittels einer marktkonformen umsetzbaren Lösung (CO2-Zertifikatemärkte).

    Auch die Einteilung in „Wohlstandsschrott“ und Sachen die wir „nötig haben“ ist, unabhängig von meiner eigenen Meinung zum Thema oder ihren eigenen Beispielen, ein sehr gewagter Schritt. Meines Wissens nach haben diese Einschränkung oder Einteilung nur wenige getroffen (Mao? Die roten Khmer? Mit denen teilen sie übrigens auch die erhöhte Subsistenzwirtschaft und das Misstrauen gegenüber dem „arbeitsteiligen Industriemodell“).

    Alles in allem eine Idee der Selbstaskese, die sie gerne auf sich selbst anwenden sollen, aber niemand verschreiben können (überzeugen sie so viele sie wollen!).

    PS: Die konkreten Punkte zur Postwachstumsökonomie befolge ich zum guten Teil mit 5/11. Aber hier wird etwas moralisiert, was mir aufstößt, nicht nur auf logischer Ebene. Es besteht in der modernen VWL durchaus die Gefahr in dieser Loslösung vom moralischen Element (denkt man z.B. den Homo Oeconomicus stringent) gewisse Facetten zu übersehen bzw. ein bisschen die Frage nach dem guten Leben vergessen. Hier müssen sie mir aber erstmal noch erklären was so schlecht am Konsum und Reichtum ist, den (fast) alle so genießen. Das Interview nimmt diesen Allgemeinposten einfach unhinterfragt auf, da sich ja anscheinend beide in der Thematik beide ziemlich einig sind.

    Zu mir: Ich bin Wirtschaftsingenieur und reise sehr gerne. Meine letzte Reise führte mich auf dem Fahrrad durch 20 Länder Nord- und Südamerikas in denen ich z.B. niemanden gefunden habe, der sich diese Argumentation hätte vorstellen können.

    Ich weiß, der Kommentar geht sicher ungelesen unter. Wer mich noch einmal darauf ansprechen möchte kann das gerne per Facebook oder Email ([email protected]) tun.

  7. Katherine Dunning

    Nico Paech ist auch dieses Jahr bei den Utopiewochen in HH – siehe das Programm des Hamburger Netzwerks Grundeinkommen.. absolut zu empfehlen.. u was Selbstversorgung anbetrifft, ist es für mich nicht nur eine Frage des Geldes und Landerwerbs sondern auch des eigenen Anspruchs.. was bedeutet mir mein Wohlbefinden, meine Gesundheit, was die Gemeinschaft und Gemeinschaftsaktivitäten, Soziokultur und Kulturgestaltung, Zeit mit Kindern.. all diese Fragen sollte man beantworten können, bevor man sich für ein Selbstversorgungsexperiment entscheidet..letztlich hängt an manchen Entscheidungen sehr viel Verantwortung, die nicht so leicht wieder abgegeben werden kann..
    Ich kann als Besitzerin eines Häuschens mit 2 500 qm Grund davon ein Lied singen.. und ich habe einen hohen ökolog Anspruch.. Aber Danke, Ihr beiden für das tolle Interview u all die interessanten Kommentare..

  8. Andreas Fuchs

    Erst einmal lieben Dank an Euch, dass Ihr Niko Paech zu einem Interview habt gewinnen können. Solche Artikel sind sehr wichtig, da sie mehr und mehr Menschen vor Augen führen in welchem verschwenderischem Überfluss wir alle Leben.

    Wir sind ja selbst auch soweit es uns möglich ist am reduzieren, aussortieren, upcyceln und entsorgen da es so viel Zeug ist was sich eine Großfamilie so mit der Zeit ins und ums Haus holt.
    Auch über alternative Kanäle und nicht zwingend mit dem EUR kann man sich das Haus vollstellen, ohne es zu merken weil man ja schließlich nicht mehr wie „all die anderen“ konsumiert. Wir haben diesen Schritt nun auch hinter uns und beginnen nun mit der Reduktion von Dingen die uns eher be- statt entlasten.

    Der Knackpunkt ist hier wie bei so vielem Reflektieren und Anfangen ;)

  9. Sabine

    Eine wirklich tolle Idee.
    Nur wie dahin kommen. Ich wohne auf dem Land ohne Bus oder Bahnanbindung.
    Ich muss aber in die Stadt mit dem Auto fahren, sonst hätte ich keine Arbeit.
    Wovon soll ich dann ganz normale Rechnungen wie Miete, Strom u.s.w bezahlen. Was ja so schon schwierig ist wenn man nur wenig verdient und keine Vollzeitstelle bekommt.
    Auch ohne Wohlstandsschrott wird es immer schwieriger über die Runden zu kommen.

  10. Erik

    Guter Artikel. Leider setzt Subsistenzwirtschaft den Zugang zu Ressourcen voraus, allen voran LAND.

    Dies ist nicht gegeben. Für Leute, die Geld haben, ist Land ein Anlageobjekt. Und für Leute, die keins haben, ist es zu teuer. Da sind eben schon 20.000 EUR einfach 20.000 zu viel. Solange die, die Geld und Land haben, hier nicht einschreiten, spitzt sich die Urbanisierung mit ihren Folgen weiter zu.

    Wie wäre es mit mehreren Stiftungen, die lokal Gebiete kaufen und es für Selbstversorgerprojekte wie dieses hier lebenslänglich und entgeltfrei zur Verfügung stellen?

    1. Lisa PflegerLisa

      Das ist eine geniale Idee Erik und es gibt genau solche Stifungen schon – leider habe ich den Link gerade nicht zur Hand. Ich finde diesen Ansatz jedenfalls genial und er sollte noch weiter verfolgt werden. Einziger Haken – ich glaube die Leute müssten bereit sein auch entsprechend flexibel zu sein, denn um oder gar in München beispielsweise wäre das auch für ne Stiftung zu teuer denk ich. Wir konnten uns das hier auch nur leisten weil die Gegend stirbt und unsere Familien hunderte Kilometer entfernt wohnen.

  11. Pingback: Was ist denn Postwachstumsökonomie? - von Michael Hartl

  12. Pingback: 11 Schritte zu einer Wirtschaft ohne Wachstum |...

  13. downgradedeluxe

    Zunächst einmal vielen Dank, dass ihr uns an Eurem Selbstexperiment teilhaben lasst! Es ist außerordentlich bereichernd, was ihr wahrscheinlich aufgrund der hohen Resonanz sowieso schon fest gestellt habt.

    Nun zum Artikel: Ich glaube, wenn jeder von uns mehr in die Richtung Postökonomie lebt und dem stupiden Konsum den Rücken kehrt, darüber spricht und andere mit den Vorteilen (wie Ruhe, Zeit, Gelassenheit, Zufriedenheit aufgrund von Suffizienz) ansteckt, dann schaffen wir es, die "Welt zu retten"!
    Minimalismus, Downshifiting, Downgraden, Soft-Individualismus, Suffizienz, Achtsamkeit… einfach ein einfacheres Leben. Das sollte doch für jeden alleine schon aus egoistischen Motiven erstrebenswert sein!

    Macht weiter so :-)
    LG Emi

  14. kahalla

    Ein sehr anregendes Interview, vor allem weil ich in den Punkten, die in der Gesellschaft wahr werden sollen, einige zentrale Aspekte meines Projekts 10000 € Haus wieder finde. Dieses Projekt könnte demnächst einen gewaltigen Schritt vorwärts kommen, da ich damit einen hoch dotierten Preis gewonnen habe und demnächst Geld dafür da ist. ich werde wohl eher Hilfe bei der Umsetzung brauchen. Fachwissen das ich nicht besitze etc. Das Projekt sieht Siedlungen vor die sich dank ihrer Wohnmöglichkeiten weitgehend selbst versorgen können und ebenfalls Handwerk in kleinem Rahmen betreiben Die Produkte dieser Arbeit werden untereinander getauscht und Überschüsse nach außen abgegeben. All das auf einer energiesparenden Low Tec Ebene, so dass die Bewohner ihre Häuser selbst reparieren können und Warten können. Das projekt soll von Obdachlosigkeit bedrohte Geringverdiener , Minirentner, Alleinerziehende und Hartz 4 Empfänger die geeignet sind auffangen und ihnen so einen Platz geben für den sie ein Eigentum ad Usum erhalten. Das bedeutet Besitzrechte, solange das Haus genutzt wird, allerdings kein Verkauf, keine Vererbung etc. Diese Art Häuser sollen bewusst aus dem Immobilienmarkt heraus gehalten werden. Wird ein Haus nicht mehr genutzt, fällt es an die Verwaltungskörperschaft, im Fall des Projekts an die Kommune zurück, die es aber nicht besitzen oder nutzen darf, sondern eine/r/m Bedürftigen neu zuteilen muss. Abgezahlt wird das Haus über das weiter laufende Wohngeld, das die Kommune direkt in ihre Liegenschaftsetat überführt.
    Die Vorteile für Minirentner und Alleinerziehende sind wohl offenbar. Ein Haus in einer Umgebung die sich sowohl für Kinder als auch für ältere Menschen gut eignet, die Möglichkeit zur Selbstversorgung via Gartenbau (Permakultur?) und/oder ein Handwerk, einen gemeinsamen Tauschmarkt für eigene Produkte und Überschüsse die nach draußen gehen. Kinder können im Spiel quasi mehrere Handwerke und den Gartenbau erlernen, überall „Mithelfen“ eine Art Dorfgemeinschaft bzw. im besten Fall Großfamilie um sich herum haben.
    Kommunen investieren in ihre Bürger, die lokale Wirtschaftskreisläufe schaffen und so die Kommune selbst „reicher“ machen. Zudem haben sie den Vorteil, dass nicht ein Leben lang jedem Geringverdiener eine fragwürdige Wohnung finanzieren müssen, sondern mit einem bestimmten Betrag, der ihnen sogar für weitere Finanzierungen zur Verfügung steht in Vorleistung gehen. Auch dies ist ein lokaler Wirtschaftskreislauf und kein überregionaler, der in der Kommune nur abschöpft. Das 10000 € Haus Projekt könnte also auch heißen: „wie mache ich aus einer armen Gemeinde, aus einer Not leidenden Stadt ein prosperierende Gemeinschaft.
    Mir ist bewusst dass sich in diesem Projekt soziale, ökologische und ökonomische Motivationen verzahnen, aber wie anders soll denn eine Kommune sich zu einer ökologischen umbauen, wenn nicht über solche Mittel? Was mir in dem ansonsten sehr goutierten Interview noch fehlt ist eine wichtige Komponente. Die Kommunikation.Immerhin können heutzutage die wenigsten Menschen eine zielführende Diskussion mit einem erfolgreichen Konsens abschließen. Niemand hört dem anderen zu und niemand hat zeit über das gesagt nach zu denken. Die lautesten Plattheiten gewinnen in aller Regel den „Krieg mit Wörtern“. natürlich kann in solch einem Klima niemals inhaltlich überein gekommen werden, sondern allenfalls formal. Es erfordert eine ganz neue Gesprächskultur um solche Konzepte einen Konsens finden zu lassen. Als Alternative kann man auch positive Beschlüsse einfach von oben herab verordnen. Wie etwa die Energiewende die alleine durch diese Art der Verordnung Gegner hat, die den Lobbyisten seltsamer Großprojekte in die Hände fallen. Dazu kommen noch diejenigen die zunächst unsicher sind und durch Horrorgeschichten verängstigt, sich den selben Lobbyisten anschließen. Diese Spiele finden hierzulande ständig statt und haben nichts zu tun mit einer Demokratie selbstbewusster Bürger, sondern mit den Hetzereien und Mobbereien, die in einen neuen Untertanenstaat führen.
    Die Art der Kommunikation ist hierfür der Schlüssel. Ich konnte in einige Ansätze, diesen Kommunikationsmissbrauch zu überwinden beobachten und bin zur Überzeugung gekommen dass es einerseits einer der wichtigsten und andererseits auch einer der am leichtesten zu ändernden Missstände hierzulande ist. Zuletzt möchte ich euch für euer Experiment danken, das mir sehr viel bringt, nicht weil ich vieles an Know-How noch nie gelesen hätte, sondern weil ihr uns direkt an euren Entdeckungen und Erfahrungen teilhaben lasst. Immerhin veröffentlicht ihr ein gutes Stück eures normalerweise privaten Lebens und macht auch damit die Welt etwas menschlicher und verbindlicher. Dank euch dafür.

  15. Patrick

    Hallo Zusammen,

    Wenn es so leicht wäre, würde es eben auch funktionieren aber es ist eben nicht Universell anwendbar ohne Einschränkung geht das gewiss nicht, ich möcht meinen Beruf nicht wie vor hundert Jahren ausüben, Und ein wenig neben her Gärtnern hat nix mit Grundversorgung zu tun. Allein für Kartoffeln in einem Jahr brauchst du locker 0,5-1 hektar pro 4 Personen, der Ertrag aus dem Garten ist vielleicht etwas für die Selbstbestätigung aber ein Jahr Landwirtschaftlich zu erarbeiten ist ohne Technik, Düngung (Tierhaltung), wirtschaflich Gebäude, Unterhalt dieser usw, nicht aus dem Ärmel geschüttelt.

    Die Arbeit im Garten schafft aber eine guten Bezug zu Nahrungsmittel und Natur, sie ist eine super Ergänzung für viele die keine schwere Körperliche Arbeit nachgehen. Nicht jeder ist geboren zum Gärtnern, manche eben auch zum Jagen;)

    1. kahalla

      Stimmt, wenn man die Methoden von Altvorderen benutzt, die genügend Land bebauen konnten da noch nichts für Autobahnen und ähnliches benötigt wurde und die auch weniger Mäuler zu stopfen hatten insgesamt gesehen.
      Nun Sepp Holzer hat mit seinen Methoden seinen eigenen eigentlich defizitär geerbten Hof in ein kleines essbares Paradies verwandelt indem er konsequent die Natur hat für sich arbeiten lassen. Terra preta als Dünger wächst ab einer bestimmten Dicke sogar im Regenwald nach, wo sich normalerweise kein Humus bildet, weil alles sofort umgesetzt wird in neues Wachstum.
      Wenn man die indigenen Völker Amazoniens als reine „Wildsammler“ bezeichnet, tut man ihnen wahrscheinlich Unrecht, da sie bestimmt über das Geheimnis von Aussaat und Düngung Bescheid wussten und sich „ihren“ Wald mit minimalem Aufwand so gestaltet haben, dass er sie abwechslungsreich und gesund ernährt. Sepp Holzers Hof hätte gegen eine in guter Lage keine Chance gehabt in normaler Produktion. Er hat von Kind auf durch Beobachtung gelernt, Pflanzen so anzubauen, dass sie bestmöglich gedeihen auch ohne Düngung und großen Aufwand. Solche Rezepte werden zunehmend auch von Mitgliedern der Transition Town Initiativen erprobt und bewertet. Ich denke es gibt noch viel zu lernen auf diesem Gebiet und gartenbaulicher Fatalismus ist nicht angebracht, viel mehr einiges – auch an experimenteller – Arbeit.

    2. sabine

      WowPatrick, ihr schafft es tatsächlich 7-10000kg Kartoffel/Jahr zu essen? Bitte nicht sooo falsche Zahlen hier angeben!
      Ich habe viele Jahre meine Familie zur Gänze (Gemüse/Obst/Getreide/Pilze/Milchprodukte/Brennholz) versorgt und für Kartoffel reichen leicht 50-70m2. Dann hast 150-200kg, das sollte über die 200 Tage Winter reichen.
      Es geht sehr wohl und ich mache es heute noch obwohl ich mittlerweile allein lebe und arbeiten gehe. Meine Nahrungsmittel und Holz kommen nach wie vor vom eigenen Grund.
      Probier es ;-), bist herzlich willkommen dich davon zu überzeugen
      Sabine

    3. Erika Reglin-Hormann

      Patrick: der Gedanke ist der, dass man seine angebauten Gemüse und Obstsorten mit anderen Gartenbesitzern teilt. Ist schon klar, dass nicht jeder Einzelne sich selbst versorgen kann. Wenn du aber Nachbarn hast, die Gurken, Tomaten und Beeren haben, dann brauchst du dich nicht allein von Kartoffeln ernähren. Meine Mutter wohnt in einer typischen Siedlung, wo alle ihren eigenen Garten haben. Wertvolles Land mit genügend Grundstücken drumherum. Wenn ein Großteil der Menschen dort ihre Gärten wieder nützen würden als Versorgungs-Zelle, so könnten alle voneinander profitieren. Nicht jeder Haushalt braucht eigenes Gartenwerkzeug, sondern man leiht sich untereinander, was gerade benötigt wird und hilft sich beim Ernten. Wir hatten letztes Jahr so viele Kirschen, dass wir die komplette Nachbarschaft damit versorgen konnten. Das können vier Personen alles gar nicht essen. Nun stellt euch wirklich mal vor, welche Einsparungen dies nach sich zöge und nicht nur das. Die Gärten ziehen durch die verschiedenen Pflanzen Vögel, Kleintiere und Insekten an, die woanders keinen Lebensraum mehr finden (besonders nicht auf dem Land!! wo Monokulturen die Lebensräume wegnehmen). Über die Gartenarbeit kommt man ins Gespräch, in den Kontakt und macht etwas, was den Körper abends angenehm müde werden lässt.

      Wie man so etwas in den Städten machen könnte, weiß ich nicht. Aber auch dort gibt es Initiativen auf den Dächern und Schrebergärten, in unbebauten Zwischenräumen und Parks. Manche Gemeinden haben die öffentlichen Parks zur Verfügung gestellt, um dort etwas zu pflanzen. Und so weiter.

      Das Prinzip ist aber immer dasselbe: Alleine schaffst du das nie. Erst in der Gemeinschaft können wir uns alle kostenlos (ohne Geld, aber mit Arbeit) gegenseitig unterstützen.

      1. Katherine Dunning

        toller Beitrag, unsere Tauschgruppe hier in Norddeutschland versucht diesen Weg zu gehen.. wir sind eine kleine Gemeinschaft aber tauschen Meinungen,
        Kuchenrezepte, org angebaute Lebensmittel, überfl Haushaltswaren, Werkzeuge und wenn wir nicht tauschen, verleihen wir oder leihen.. es braucht nat ein Stück Grundvertrauen – das muß wachsen – u die nonkommerzielle ökologisch-ökonomische EInstellung muß bei allen da sein.. und das klappt bei uns..weil wir auch tolerant sind, wenn eine andere Meinung/Erfahrung aus der Gruppe
        kommt.. die Natur beschenkt uns so reichlich, wenn wir hinschauen..

  16. Grawuhzi

    Gemüse selbst anbauen und 20 Stunden Arbeit schliesst sich wohl gegenseitig aus, es sei dnn, man hat Grund geerbt oder bekommt graris welchen zur Verfügung gestellt….oder man züchtet Tomaten im Blumentopf.

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Es gibt ja nicht nur 100% oder Null. Davon spricht ja auch niemand. Und einen gewissen Anteil anbauen funktioniert sehr wohl. Machen Lisa und ich ja auch – davon handelt der gesamte Blog. Und wir arbeiten beide mehr als 20 Std. die Woche noch gegen Bezahlung.

      Außerdem spricht Niko Paech ja auch davon, dass sich im Lebensdurchschnitt 20 Stunden die Woche ergeben sollen. Junge Menschen können und sollen ja durchaus mehr als 20 Stunden arbeiten am Anfang, um sich was aufzubauen.

      Und ganz nebenbei – wenn es Dich tiefer interessiert – wir haben vor einiger Zeit einen Artikel geschrieben, wie wir ohne Geld einfach mal angefangen haben mit der Selbstversorgung – nicht 100%, aber erste Schritte, die uns sehr zufrieden gemacht haben (und immer noch zufrieden machen!) -> http://experimentselbstversorgung.net/selbstverso

  17. Dr. Martin Bartonitz

    Lieber Michael,
    wichtiger Artikel. Daher habe ich ihn auf der Plattform Dorfgeist referenziert.
    Ich würde mich noch mehr freuen, wenn wir Euer Projekt dort vorstellen könnten.
    Du kannst mich erreichen über martin[at]dorfgeist.de
    Herzliche Grüße
    Martin

  18. Michi

    Hallo,
    sehr guter Artikel, mit dem wir uns gut identifizieren. Glückwunsch an Michael und Lisa zu dieser Initiative. Auch wir hätten gerne mehr Zeit für Dinge außerhalb der Arbeit. Mehrere der aufgeführten Punkte sind ja eigentlich selbstredend. Von den 11 genannten Punkten, müßte eigentlich JEDER inder Lage sein, mindestens 3 bis 4 mit vertretbarem Aufwand umzusetzen. Wir selbst haben kürzlich unseren Zweitwagen verkauft, weil mein Mann mit einer Fahrgemeinschaft zur Arbeit fährt. Also, mehr nachdenken und mehr HANDELN ist angesagt.
    Liebe Grüße Michi

  19. nic4u

    Und noch was: mit 20 Wochen-Arbeitsstunden kommt jeder, der "normal überteuerte" Ballungsraum-Miete und horrende Energiepreise bezahlt, ganz schnell an seine Grenzen. Da müsste dann zusätzlich eine Miet- und Strompreisgrenze oder ein Bedingungsloses Grundeinkommen greifen.

    1. Toni

      Naja. Ich denke über den Lebensdurchschnitt sind die 20h eh jetzt schon Realität. Bei Akademikern evtl sogar darunter. 25 Jahre Kind/Ausbildung, 40 Jahre Arbeit, 20 Jahre Rentner = unter 20h/Woche bei einer 40h-Woche während der Arbeitsjahre.

      1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

        Also im Interview steht als Antwort: "Erstens wäre eine Verkürzung der regulären Erwerbsarbeitszeit wichtig, also eine 20-Stunden-Woche, wobei das natürlich ein Durchschnittswert für die Lebensarbeitszeit ist. " Das ist auch das, um was es geht – um die Lebensarbeitszeit. Nicht um die Lebenszeit. Im Durchschnitt soll es um eine 20-Stunden-Arbeits-Woche in dem von Dir mit "40 Jahre Arbeit" angegebenen Lebensabschnitt gehen.

        1. David

          Hallo Michael
          Hat Dir das Nico Paech so im Detail erklärt oder ist das Deine Interpretation des Satzes? ich verstehe den nämlich gleich wie Toni. Unter Lebensarbeitszeit verstehe ich die Summe der Arbeitszeit über das ganze Leben, sonst würde der Satz wohl eher lauten "…Durchschnitt für die ganze dauer der Erwerbstätigkeit".
          Fände ich auch logischer, man kann den Durschnitt nämlich auch über eine frühere Rente reduzieren. Was meint Herr Paech dazu?

            1. Felix Klingenbeck

              20 Stunden würde allerdings nur praktikabel für die Mehrheit der Menschen funktionieren wenn sich das gegenwärtige Zentralbanksystem (Verursachung enormer Inflation)radikal ändern/abgeschafft würde. Das wird bei diesen Diskussionen immer außen vorgelassen bzw. man kennt sich mit diesem Themenkomplex meist schlichtweg nicht aus! 20 Stunden- Arbeitswoche schaffen heute zwar schon einige Minimalisten, aber die Mehrheit der Leute lässt sich von diesem Konzept nicht überzeugen. ;)

              1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

                Viele utopischere Ideen lassen sich nur mit einem ganzen Rattenschwanz an Änderungen umsetzen – aber deswegen sollte es nicht nur aufgeblasene Fachaufsätze über diese Rattenschwänze geben, denn vor der konkreten Planung und Umsetzung steht erstmal der Traum. Und dieser Traum, oder tiefe Wunsch, muss erstmal bei vielen Menschen da sein. Tatsächlich haben den nämlich noch nicht so viele.

  20. nic4u

    Finde den Artikel sehr begrüßenswert, eine Anmerkung hab ich allerdings: der Vergleich Öko-Produktion – konventionelle Produktion lässt sich meiner Meinung nach nicht 1:1 ziehen, denn im Idealfall geschieht Öko-Produktion mit entsprechendem Know How, sprich: hier sollte im Einklang mit den Ressourcen produziert werden und das weckt optimale Synergien im Gegensatz zum "herkömmlichen Raubbau" ohne Sinn und Verstand. Wäre es nicht so, würde der Tipp "selber anbauen" nämlich ebenfalls keinen positiven Unterschied machen, da dann halt einfach nur der Kleingärtner seine Scholle schädigt ;) Von daher beißt sich die Katze eben nicht in den Schwanz, wenn konstruktives Know How bzw. Wollen über Ressourcen und ökologische Zusammenhänge in Produktionsprozesse mit einfließt. Das aber braucht es unbedingt und ich meine zum Beispiel Kenntnisse über Fruchtfolgen/Brachen, damit der Boden fruchtbar bleibt, natürliche Kreisläufe, etc. ohne die passiert auch dem passioniertesten Hobbygärtner, dass sein Boden auch auslaugt…

    1. Michael HartlMichael Hartl Beitrags Autor

      Aber es sagt ja niemand, dass Öko-Produktion und konventionelle Produktion 1 zu 1 zu sehen sind… o_O ???

      Was im Interview ausgedrückt wurde, und was eben Fakten wie der Rebound-Effekt oder auftretende Verlagerungseffekte zeigen, ist die Tatsache, dass eine "grüne Wirtschaft" eben real keine "Null-Auswirkung" haben kann – sondern dass sie immer eine haben werden. Deswegen reicht es eben nicht, nur auf "grün" und "bio" zu wechseln, sondern den Konsum insgesamt zu reduzieren und zu regionalisieren.

      Auf Dein Beispiel einzugehen erübrigt sich damit leider, weil das sehe ich eh auch so, dass es natürlich wichtig ist, wie man gärtnert. Was anderes hat aber halt auch nie jemand gesagt im Artikel oder auf dieser Website.

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